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Börse in Toronto : Kanadische Aktien auf Rekordkurs

  • -Aktualisiert am

Börse in New York Bild: AFP

Kanadische Börsianer liefern sich in diesem Jahr ein hartes Wettrennen mit ihren Konkurrenten in New York. Wie geht es nach den kräftigen Gewinnen im ersten Halbjahr weiter?

          Das breitgefasste Marktbarometer der kanadischen Börse in Toronto, der S&P/TSX Composite, ist seit Anfang Januar um 15 Prozent geklettert und notiert nur knapp unter seinem Rekordhoch von Ende April. Der S&P 500, das Pendant der amerikanischen Aktienbörsen, ist im gleichen Zeitraum etwas stärker gestiegen und liegt derzeit mit mehr als 20 Prozent im Plus – ebenfalls Rekordniveau.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Beide Märkte haben sich damit deutlich von den heftigen Kursschwankungen am Ende des vergangenen Jahres erholt. Der Grund: Börsianer rechnen mit sinkenden Leitzinsen. Die kanadische Notenbank hat ihren Leitzins in der vergangenen Woche zwar bei 1,75 Prozent belassen. Die jüngsten Konjunkturdaten deuten auf ein robustes Wachstum in Kanada.

          Aber die globalen Handelskonflikte und die damit verbundenen Unwägbarkeiten, insbesondere der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China, sind weiterhin eine latente Gefahr für das Wachstum der Weltwirtschaft – was die Exportnation Kanada schwächen würde. Die Notenbank hatte die Leitzinsen 2018 in drei Schritten auf das aktuelle Niveau angehoben, von Oktober an aber eine Pause eingelegt.

          Die Bank of Canada folgt in ihrer Zinspolitik traditionell den Vorgaben der amerikanischen Federal Reserve. Und Fed-Chef Jerome Powell hatte Börsianern in der vergangenen Woche abermals Hoffnungen auf baldige Leitzinssenkungen gemacht, woraufhin der S&P 500 umgehend einen neuen Rekord markierte. Powell sprach bei Auftritten vor dem Kongress von einer Belastung der amerikanischen Konjunktur aufgrund von „Unsicherheit um Handelskonflikte und Sorgen um die Weltwirtschaft“.

          S&P 500

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          Anleger rechnen nun mit einer Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf der Ende Juli anstehenden Fed-Sitzung. Derzeit bewegen sich die amerikanischen Leitzinsen in einer Spanne von 2,25 Prozent bis 2,5 Prozent. An den Terminmärkten rechnen fast 90 Prozent der Anleger mit mindestens zwei Zinssenkungen bis Ende des Jahres. Etwas mehr als die Hälfte kalkuliert mit mindestens drei.

          Analysten sind vorsichtig

          Nach den kräftigen, von Bergbauwerten wie Ero Copper und Eldorado Gold getriebenen Kursgewinnen des S&P/TSX Composite im ersten Halbjahr halten Analysten das weitere Kurspotential kanadischer Aktien dennoch für begrenzt. „Ich würde nicht sagen, dass wir bereits den Gipfel erreicht haben, aber ich glaube auch nicht, dass der Lauf des ersten Halbjahrs bis Ende 2019 anhält“, kommentierte Curtis Mangione von der privaten Vermögensberatung der TD Bank. Mangione empfiehlt seinen Klienten daher, Aktien aus konjunktursensiblen Segmenten wie dem Bergbau in Titel umzuschichten, die kaum auf Konjunkturzyklen reagieren, etwa Stromversorger.

          Das ist eine klassische Defensivstrategie an der Börse, weil nicht-zyklische Werte in der Regel weniger stark schwanken und hohe Dividenden bringen. Damit sichern sich Anleger gegen potentiell stärkere Kursverluste von zyklischen Titeln ab. Auch Kevin McCreadie, in Personalunion Vorstandsvorsitzender und Chefanleger beim Vermögensverwalter AGF Management Limited, setzt auf eine defensive Strategie und hat die Baranteile in seinen Portfolios entsprechend erhöht. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass der S&P/TSX noch um weitere 5 Prozent steige, sagte McCreadie. „Aber es ist klug, vorsichtig zu sein“, findet er.

          So gingen die Märkte derzeit von einem amerikanisch-chinesischen Handelsabkommen und einer Ratifizierung des USMCA aus, dem schon ausgehandelten neuen Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada. Sollte es auf dem Weg zu einer Lösung aber zu abermaligen Schlenkern kommen, könnte das für die kanadischen Börsen starke Kursschwankungen bedeuten, fürchtet McCreadie.

          Deutsche Anleger müssen Währungsschwankungen einkalkulieren

          Brian Belski, der in der Kapitalmarktsparte der Bank of Montreal die Anlagestrategie verantwortet, prognostiziert für den S&P/TSX bis zum Jahresende auch nur noch mäßige Kursgewinne von 3 Prozent bis auf 17 000 Zähler. Belski glaubt allerdings an „beständige“ Kursaufschläge, da er kanadischen Unternehmen steigende Gewinne unterstellt. Belski hält kanadische Aktien zudem für günstig bewertet. Für das Jahresultimo kalkuliert er für das kanadische Standardwerte-Barometer mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,5 auf Basis der Unternehmensgewinne im vergangenen Jahr.

          Damit liege der S&P/TSX trotz der jüngsten Kursgewinne immer noch unter dem historischen KGV-Durchschnitt von 17,3, rechnet Belski vor. Der Marktstratege stützt seine Prognose auf ein robustes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Handelspartner Kanadas, und eine Stabilisierung der Rohstoffpreise. Auch kanadischen Finanzwerten, die stark von der Binnenwirtschaft abhängen, unterstellt er neben Energieunternehmen und Kommunikationsdienstleistern ein überdurchschnittliches Kurspotential.

          Deutsche Anleger müssen bei einem Investment in Kanada generell potentielle Währungsschwankungen einkalkulieren. Der kanadische Dollar, dessen Außenwert stark von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängt, hat gegenüber dem Euro in diesem Jahr um mehr als 6 Prozent aufgewertet. Diese Währungsgewinne addierten sich zu einer Aktienanlage. Fallen die Rohstoffpreise aber, werden potentielle Gewinne für Anleger aus dem Euroraum geschmälert. Verluste weiten sich aus. Zudem haben Rohstoff- und Energieproduzenten an der kanadischen Börse ein besonders starkes Gewicht. Die Titel dominieren, gemessen am gesamten Börsenwert, fast ein Drittel des kanadischen Aktienmarktes. Nach Finanzwerten haben sie das zweithöchste Gewicht.

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