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Abermals Prognose gesenkt : Es wird dunkler bei Osram

  • Aktualisiert am

Weniger gefragt: Osram Bild: Reuters

Nach einer Prognosesenkung fällt der Aktienkurs des Lichttechnikkonzerns Osram. Noch eine schwache Börsengeschichte einer Siemens-Abspaltung droht.

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          Vor gerade einmal drei Tagen beschäftigte Aktienanleger ein deutlicher Kurssturz der Aktie des Lichttechnikkonzerns Osram von rund zehn Prozent. Warum, darüber wurde gerätselt. Ein südkoreanischer Medienbericht sollte verantwortlich sein oder die Schwäche der Autozuliefereraktien.

          Am Donnerstag nun scheint sich eine Antwort zu finden. Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat der Konzern nämlich seine Ziele gesenkt. Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet der Vorstand jetzt nur noch ein Umsatzplus zwischen 1 und 3 Prozent. Zuletzt waren es 3 bis 5 Prozent gewesen, vor der ersten Prognosesenkung Ende April sogar noch 5,5 bis 7,5 Prozent.

          Der bereinigte operative Gewinn soll jetzt noch 570 bis  600 Millionen Euro betragen; bislang waren es rund 640 Millionen Euro nach 695 Millionen Euro im Geschäftsjahr zuvor. Handels- und Vertriebsbeschränkungen sowie Planungsrisiken hätten bei den Autobauern „zu einer spürbaren Verunsicherung geführt“.

          OSRAM LICHT AG NA O.N.

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          Osram macht rund die Hälfte seines Geschäfts mit der Fahrzeugindustrie. An der Börse fiel der Kurs der Osram-Aktie um mehr als sieben Prozent auf noch 37,73 Euro, den tiefsten Stand seit Januar 2016. Börsianer äußerten sich überrasche über das Ausmaß der Prognosesenkung, die nach dem Kurssturz vom Montag mehr oder weniger erwartet worden war.

          Als weiteren Grund für die abermalige Prognosesenkung nannte der Konzern Projektverschiebungen bei Kunden aus der Mobilfunkindustrie und der Gewächshausbeleuchtung. Die Realisierung sei jetzt für 2019 geplant.

          Osram kündigte an, den Sparkurs zu beschleunigen. Dazu gehöre „eine spürbare Reduzierung“ der Verwaltungskosten und ein Umbau der Werkslandschaft. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern sollten bereits im Juli 2018 abgeschlossen werden.

          Auch andere Lichtkonzerne leiden

          Im vergangenen Jahr hatte Osram angekündigt, rund 600 bis 700 Arbeitsplätze zu streichen. Zudem will der Konzern jetzt beim Einkauf stärker sparen und die Effizienz in Forschung und Entwicklung steigern; entsprechende Maßnahmen würden derzeit vorbereitet, hieß es in der Mitteilung weiter.

          Die ehemalige Siemens-Tochtergesellschaft leidet nicht alleine. Währungseffekte und ein hoher Preisdruck sorgten beim Konkurrenten Zumtobel im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 für einen Verlust. Zumtobel strich deshalb die Dividende und erfährt am Donnerstag einen Kursrückgang von mehr als 13 Prozent.

          Keine gute Entwicklung ehemaliger Siemens-Sparten

          Für Langzeit-Anleger sind die Erfahrungen mit den Börsengängen von ehemaligen Siemens-Tochtergesellschaften um eine weitere schlechte reicher geworden.

          Im Jahr 1999 hatte hatte der Konzern den Hersteller elektronischer Bauelemente, Epcos aufs Parkett gebracht. Nach anfänglich positiver Entwicklung fiel der Kurs um bis zu 75 Prozent unter den Ausgabepreis und lag auch noch zum Ende der Notierung im Jahr 2009 wesentlich darunter.

          Notiert und sogar im Dax vertreten ist die ehemalige Chipsparte Infineon. Die 35 Euro, zu der die Aktie verkauft wurde, sah die Notierung letztmals vor ziemlich genau 17 Jahren.

          Noch ärger ging es mit Qimonda, einer Tochtergesellschaft von Onfineon, die 2006 an die amerikanische Börse kam. Zu 13 Dollar verkauft fiel der Kurs alsbald unter diese Marke. 2009 ging Qimonda in die Insolvenz.

          Alle drei Börsengänge erfolgten vergleichsweise kurz vor einer massiven Korrektur. Allerdings erholten sich die Kurse auch später nicht.

          Während man über Healthineers noch nichts sagen kann, ist eine Korrektur im Falle Osram nicht das Problem. Osram notiert auch noch deutlich über seinem Emissionspreis. Dieser ist indes hypothetisch, weil Osram im Wege der Abspaltung an die Siemens-Aktionäre verteilt wurde.

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