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Aberdeen und Nachhaltigkeit : „Viele Daten sind nicht öffentlich zugänglich“

Ein Windpark in Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild) Bild: dpa

Vor gut zwei Jahren hat Aberdeen Standard Investments einen „Impact Fund“ aufgelegt. Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele dienen als Filter. Fondsmanager Dominic Byrne erklärt im Interview den Auswahlprozess.

          4 Min.

          2015 hat die UN auf globaler Ebene mit den 17 Sustainable Development Goals (SDG) eine relevante Handlungsempfehlung zum Thema Nachhaltigkeit gegeben. Was einige zunächst vielleicht als ein weiteres Rahmenwerk für die drei Säulen von ESG - Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung - von vielen abtun wollten, hat sich als wichtiger Kompass in der Praxis von Investoren und Unternehmen etabliert. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel von Aberdeen Standard Investments. Der britische Vermögensverwalter hat genau diese 17 UN-Ziele zur Grundlage genommen, um im Oktober 2017 den Global Equity Impact Fund aufzulegen. Dominic Byrne managt den Fonds.

          Ina Lockhart

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Herr Byrne, seit wann beschäftigt sich Ihr Haus bereits mit dem Thema Nachhaltigkeit?

          1992 hat Aberdeen mit der Gründung eines Corporate Governance Teams den Grundstein für verantwortungsvolle Anlagepraxis gelegt.

          Wie wichtig sind die Sustainable Development Goals der UN?

          Die SDGs sind eine bahnbrechende Neuerung, weil sie alle an einen Tisch bringen: Regulierer, Regierungen, Unternehmen und Investoren.

          Vor gut zwei Jahren hat Ihr Haus den Global Equity Impact Fund aufgelegt, der auf den SDGs basiert. Wie groß ist der Fonds?

          Mittlerweile managt der Fonds ein Vermögen von 70 Millionen Euro. Davon sind 12 Millionen Euro in einem Sicav-Fonds und 58 Millionen Euro in einem amerikanischen Publikumsfonds angelegt. Seit Auflegung hat der Fonds vier Prozent zugelegt. In diesem Jahr beträgt der Gewinnzuwachs bislang knapp 24 Prozent.

          Damit ist das Fondsvolumen noch relativ klein. Wann erwarten Sie die großen Geldzuflüsse?

          Wir erwarten signifikante Zuflüsse gegen Ende 2020, wenn der Fonds drei Jahre alt wird. Drei Jahre sind für Investoren immer eine wichtige Schwelle für eine aussagekräftige Anlagehistorie. In zehn Jahren wollen wir in dem Fonds 20 Milliarden Dollar verwalten. Gerade sind wir dabei, innerhalb des Fonds eine Private-Equity-Strategie und regionale Impact-Strategien aufzulegen.

          Die farbenfrohen Symbole, die für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen stehen, sind Teil eines größeren Aktionsplans: die „2030 Agenda for Sustainable Development“. Die Ziele umfassen Themen des Klimawandels, den Kampf gegen Armut und Hunger sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen.
          Die farbenfrohen Symbole, die für die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen stehen, sind Teil eines größeren Aktionsplans: die „2030 Agenda for Sustainable Development“. Die Ziele umfassen Themen des Klimawandels, den Kampf gegen Armut und Hunger sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen. : Bild: UN, sustainabledevelopment.un.org/?menu=1300

          Sind alle 17 Nachhaltigkeitsziele in dem Fonds berücksichtigt?

          Wir glauben, dass alle 17 Nachhaltigkeitsziele investierbar sind – mit einer Ausnahme. Und das ist das Ziel Nummer 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen. Derzeit ist der Fonds in 35 Unternehmen investiert mit einer durchschnittlichen Marktkapitalisierung von jeweils 1,6 Milliarden Euro.

          Wie sieht die Anlagesystematik aus?

          Aus den 17 Zielen leiten wir acht Themensäulen ab. Einige wenige der Portfoliounternehmen lassen sich diesen nicht klar zuordnen, weil sie an einem anderen Punkt der Wertschöpfungskette sitzen. Das sind für uns „Impact Leaders“, die sich dennoch für den Fonds qualifizieren. Warum? Weil sie mit dem, was sie tun oder produzieren, ein Vorreiter des Transformationsprozesses hin zu mehr Nachhaltigkeit sind.

          Welche Relevanz haben „nichtfinanzielle“ Unternehmensinformationen?

          Nichtfinanzielle Informationen sind genauso ernst zu nehmen wie harte Finanzdaten. Die Offenlegung von ESG-Informationen wird oft als nichtfinanziell bezeichnet, was keinerlei Sinn ergibt. Denn die Tatsache, wie sich ein Unternehmen eines Investmentportfolios in Bezug auf seine Umwelt verhält, kann ausschlaggebend für das Anlageergebnis eines Investors sein. Wenn wir uns Unternehmen näher anschauen, legen wir Wert darauf, dass sie die Risiken, die ihr Kerngeschäft angehen, genau benennen. Wir wollen, dass sie diese offenlegen, messen und kontrollieren.

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