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Hoffnungen in 5G-Technologie : Steht der Halbleitermarkt vor einer Wende?

Ein Logo am Hauptsitz des Halbleiterherstellers TSMC in Hsinchu. Bild: Reuters

Taiwans Schwergewicht TSMC weckt Hoffnungen: Wegen den hohen Erwartungen an den Ausbau der 5G-Technologie will der Konzern seine Investitionen um mehr als zehn Milliarden Dollar anheben.

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          Die Anleger an der Börse in Taiwan haben am Wert ihrer Portfolios in diesem Jahr die Höhen und Tiefen des amerikanisch-chinesischen Handelsstreits hautnah miterleben können. Doch hat der Börsenindex Taiex sich mit einem Plus um 15 Prozent seit Jahresbeginn gut behauptet, anders als etwa die Börse in Korea. Dort stieg der Kospi-Index seit Jahresbeginn nur um magere 1,1 Prozent.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die positive Entwicklung in Taiwan verdankt sich zu einem guten Teil dem Schwergewicht der lokalen Börse und der globalen Produktion von Halbleitern: TSMC, Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, macht nach der Marktkapitalisierung rund 23 Prozent des taiwanischen Börsenindex aus. Mit einem Plus von 28,6 Prozent seit Jahresbeginn hat die Aktie von TSMC sich erheblich besser als der Markt entwickelt. Das Unternehmen ist als Auftragsproduzent der größte Hersteller von Computerchips und fertigt elektronische Bauteile für Unternehmen wie Apple, Huawei, Broadcom, Qualcom oder Mediatek. TSMC gilt deshalb als Barometer für die Entwicklung des Chipmarkts.

          Starke Investitionsanhebung geplant

          Mit einem ausgesprochen positiven Investitionsausblick hat TSMC jetzt Hoffnung für das darbende Geschäft mit Halbleitern gemacht. Bei der Vorlage der Quartalsdaten in der vergangenen Woche kündigte das Unternehmen an, seine Investitionen in diesem und im kommenden Geschäftsjahr um 4 Milliarden auf 14 bis 15 Milliarden Dollar anzuheben. Das kam nicht im Prinzip, aber im Volumen überraschend. Auch im kommenden Jahr will TSMC seine Investitionen ungefähr in der Höhe aufrechterhalten. Im Vergleich mit den Vorjahren hebt das Unternehmen damit den Investitionsumfang auf ein gänzlich neues Niveau, wobei die Investitionen gemessen am Umsatz früher schon höher lagen.

          TSMC begründet die höheren Investitionen mit deutlich besseren Erwartungen für die Verbreitung von Mobiltelefonen des 5G-Standards. Für das kommende Jahr erwartet das Unternehmen, dass 15 Prozent der global ausgelieferten Handys den neuen besonders schnellen Datenübertragungstandard beherrschen. Bislang war TSMC von einem einstelligen Prozentanteil ausgegangen. Das Unternehmen beruft sich nun auf die Bestellungen seiner Kunden, die in den vergangenen Monaten deutlich gewachsen seien. Der Ausblick macht Hoffnung, dass es am Markt für Halbleiter, der auch durch die handelspolitisch bedingten Unsicherheiten in der Welt belastet wird, wieder aufwärtsgeht. Das hilft auch den anderen in Taiwan beheimateten Technologieunternehmen.

          Zwischen Intel und Samsung Electronics

          Deutlich wird die sich abzeichnende Wende in den Quartalsdaten von TSMC. Der Umsatz lag im Zeitraum von Juli bis September mit 293 Milliarden Taiwan-Dollar 12,6 Prozent höher als vor einem Jahr. Am Jahresbeginn war der Umsatz noch um 12 Prozent gesunken und im zweiten Quartal nur um 3,3 Prozent gestiegen. Erstmals in diesem Jahr meldete TSMC für das dritte Quartal auch ein Gewinnplus. Das Unternehmen habe in diesem Jahr rund 60 Prozent der 4 Milliarden Dollar Auslandskapital angezogen, die in taiwanische Aktien geflossen sind, heißt es. Mit einer Börsenkapitalisierung von zuletzt 246 Milliarden Dollar liegt der Halbleiterproduzent deutlich vor dem amerikanischen Unternehmen Intel mit 227 Milliarden Dollar und nähert sich der Kapitalisierung des koreanischen Konkurrenten Samsung Electronics an.

          Samsung Electronics ist an der Börse in Korea mit rund 25 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung nicht viel weniger gewichtig als TSMC in Taiwan. Doch obwohl Samsung mit einem Plus seit Jahresbeginn von fast 30 Prozent sich ähnlich gut wie TSMC entwickelte, hat der Kospi-Index im Jahresverlauf nicht viel gewonnen. Selbst die Zinssenkung der Bank von Korea Mitte Oktober von 1,5 auf 1,25 Prozent brachte an der Börse nur kurzfristig eine Erholung. Mit vergleichbaren Wirtschaftswachstumsraten wie in Taiwan ist die unterschiedliche Entwicklung der Börsenindizes ein Anzeichen dafür, wie viel schwerer es südkoreanischen Unternehmen fällt, mit dem Einbruch des Außenhandels vor allem nach China fertig zu werden. Auch eine binnenwirtschaftliche Schwäche, gegen die der Versuch einer einkommensgetriebenen Wirtschaftsentwicklung durch Präsident Moon Jae-in bislang nichts verhalf, drückt die Perspektiven südkoreanischer Unternehmen.

          Die gute Entwicklung des Aktienkurses des Börsenschwergewichts Samsung in diesem Jahr ist dabei mehr noch als bei TSMC eine Wette auf die Zukunft. Samsung hat die Bilanzdetails für das dritte Quartal noch nicht vorgelegt. Doch die vorab genannte Schätzung des Überschusses weist einen Rückgang um 56 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus. Das ist das vierte Quartalsminus nacheinander. Der Markt für elektronische Speicherbausteine, an dem Samsung in den vergangenen Jahren den Löwenanteil seines Gewinns verdiente, hat sich noch nicht wieder gefangen. Doch wenn TSMC mit seiner Prognose einer beschleunigten Verbreitung des 5G-Mobiltelefonstandards recht behält, dürfte auch Samsung bald wieder mehr von seinen Speicherchips verkaufen.

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