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Telekommunikations-Aktien : Hohe 5G-Preise stören Aktionäre nicht

Die 5G-Lizenzen sind in Deutschland teurer geworden als anderswo, aber nicht als überall. Bild: dpa

Während manche Volkswirte und die großen Mobilfunk-Provider nach der Auktion die hohen Preise für die neuen 5G-Lizenzen beklagen, sehen es die Anleger positiv. Besonders der Kurs von Drillisch legt deutlich zu.

          Die Auktion ist zu Ende, die Mobilfunkfrequenzen versteigert. 6,55 Milliarden Euro bezahlen die vier Telekommunikationskonzerne dafür, den neuen 5G-Standard aufbauen und anbieten zu dürfen. Die Summe ist ein Achtel dessen, was die Wettbewerber im Jahr 2000 für den UMTS-Standard bezahlten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass damals mehr und heute viel weniger bezahlt wurde, ist durchaus verständlich. UMTS ermöglichte damals überhaupt erst eine nennenswerte Datenübertragung und eine deutlich bessere Sprachqualität. Es war ein Durchbruch, 5G ist eine Optimierung. Dementsprechend waren die Konzerne damals auch etwas überoptimistisch, insbesondere in puncto Refinanzierung der Investitionen.

          Wehklagen über hohe Kosten

          Dass das heute anders ist, zeigt sich nicht zuletzt an der offen zur Schau gestellten Unzufriedenheit über den Preis, gerade bei den beiden Platzhirschen Deutsche Telekom und Vodafone. Von einem "bitteren Nachgeschmack" war bei der Telekom die Rede. Das Ergebnis sei ein Dämpfer für den Netzausbau, da das Spektrum viel teurer sei als in anderen Ländern. Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter nannte die Kosten ein "Desaster für Deutschland".

          Die beträchtlichen Ausgaben für das Frequenzspektrum fehlten den Netzbetreibern jetzt beim Aufbau eines leistungsfähigen Netzes, kritisiert auch Industrieökonom Christian Rusche vom Institut der deutschen Wirtschaft. Der erhöhte Wettbewerb könne außerdem dazu führen, dass der Netzaufbau in ländlicheren Regionen langsamer vonstattengehe. Geringere Preise machten regionale Märkte mit wenigen Kunden unattraktiv.

          Tatsächlich sind die deutschen Lizenzen im internationalen Vergleich eher teuer gewesen. Mit knapp 15 Cent je Megahertz und Kopf ist das kein Spitzenplatz, aber dennoch im oberen Bereich, etwa vergleichbar mit Großbritannien, aber deutlich günstiger als in Südkorea oder Italien. Aus Sicht der beteiligten Unternehmen jedoch bleibt Deutschland ein eher teures Pflaster.

          1+1 DRILLISCH AG O.N.

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          Den Anlegern erscheinen die Kosten offenbar nicht zu hoch. Sie scheinen viel eher das Ergebnis zu begrüßen. Besonders 1&1 Drillisch wird offenbar als Gewinner gesehen, denn der Aktienkurs stieg in der Spitze um nicht weniger als 11 Prozent. Die Kurse der anderen Auktionsteilnehmer steigen um rund 1 Prozent.

          Für Drillisch, die bislang über kein eigenes Netz verfügen, bedeutet 5G einen großen Schritt nach vorn. Dabei ist die Anstrengung sogar eher größer, da das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 3,66 Milliarden Euro noch nicht einmal ein Zwanzigstel der Größe der Deutschen Telekom hat. Indes hat Drillisch gut vorgesorgt. Auch der freie Mittelzufluss ist mit 140 Millionen Euro im Vergleich zu 6 Milliarden bei der Telekom eher gering. Der Kassenbestand war mit fast 4 Milliarden Euro fast so hoch wie der der Telekom und die Eigenkapitalquote mit 82 Prozent hoch. Zuletzt hatte das für hohe Dividenden bekannte Unternehmen seinen Anteilseigner auch nur eine Mindestdividende von 5 Cent ausgezahlt, um die Gewinne komplett investieren zu können.

          DT. TELEKOM

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          Insofern kann der hohe Preis so schmerzlich auch nicht sein, allzumal sich Telefonica und Drillisch durchaus positiv äußerten. Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas sagte, man habe ein werthaltiges Frequenzpaket erworben, das das bestehende Spektrum ideal ergänze. Ralph Dommermuth, Chef von United Internet, dem Mutterkonzern von Bieter Nummer vier, Drillisch, sagte: „Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen. Die Telekom zahlt je Megahertz mit 16,9 Millionen Euro am meisten, Vodafone mit 14,6 Millionen am wenigsten.

          Der Auktionstheoretiker Vitali Gretschko von der Denkfabrik ZEW wertet die Auktion im Grunde sogar als kleinen Rückschlag für Drillisch. Das Unternehmen sei am Ende noch überboten wurde und habe damit einen Block weniger bekommen als angestrebt. Gut abgeschnitten hätten dagegen – die  Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings hätten sie auch wesentlich tiefer in die Tasche greifen müssen als gedacht.

          TELEFONICA DTLD HLDG NA

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          Denn obwohl die Unternehmen mehr als die von Analysten veranschlagten 3 bis 5 Milliarden Euro bezahlt haben, so sind es im Endeffekt eben doch nur 1,5 bis 3,5 Milliarden mehr. Der Einstieg von Drillisch in die Frequenzauktion könnte indes den Preiskampf verschärfen. Für die Kunden kann dies vorteilhaft sein, allerdings könnte es die Erträge der Anbieter belasten.

          Langfristig also werden sich die Kosten der Auktion auf die ein oder andere Weise in den Zahlen in Form niedrigerer Gewinne niederschlagen. Entscheiden für den Aktienkurs ist indes, inwieweit dies zu negativen Überraschungen oder einer fortgesetzten Ertragsschwäche führen kann.

          VODAFONE GROUP PLC

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          Man darf auch nicht vergessen, dass das Zinsniveau Anfang des Jahrtausends ein völlig anders war: damals zahlte die Deutsche Telekom auf eine fünfjährige Anleihe zwischen 5 und 6 Prozent Zinsen. Insofern kostete die Finanzierung einer Milliarde Euro damals 275 Millionen Euro an Zinsen. Zuletzt zahlte die Telekom 0,625 Prozent für sieben Jahre, also gerade einmal 44 Millionen Euro Zinsen. Ähnlich sieht es bei Vodafone aus, die jüngst eine zwanzigjährige Anleihe zu einem Zins von 2,5 Prozent begeben haben.

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