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Möglicher Dax-Rauswurf : Der Abstieg der Commerzbank

Dunkle Wolken und stürmische Zeiten halten Einzug bei der Commerzbank – nicht nur in Frankfurt. Bild: Lukas Kreibig

Wenn nicht noch ein Wunder passiert, fliegt die Commerzbank jetzt aus dem Dax. Fünf Gründe für den Niedergang.

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          Niemand steigt gerne ab, das gilt für den Sport, noch mehr fürs richtige Leben. Dass Martin Zielke, der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, bald oberste Führungskraft eines Absteigers sein könnte, wird ihn darum nicht freuen, auch wenn er stur behauptet: An der Bedeutung seiner Bank für die deutsche Wirtschaft werde das nichts ändern.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In einigen Tagen wird Zielke wissen, woran er ist. Dann steht die neue Zusammensetzung des bekanntesten deutschen Aktienbarometers Dax fest – und wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird die Commerzbank erstmals seit Gründung des Index im Jahr 1988 nicht mehr dabei sein. Abgehängt von einem wenig bekannten Zahlungsdienstleister namens Wirecard aus der Nähe von München, der an ihrer Stelle in den Dax aufsteigen könnte. Mag Vorstandschef Zielke nach außen auch noch so gelassen tun: Was sich da abzeichnet, ist eine Schmach.

          Der Verfall fiel nicht auf

          Selbst wenn die Rettung noch in letzter Sekunde gelingen sollte, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Entwicklung des Aktienkurses der Bank seit Jahren einem Desaster gleicht. Besonders bitter ist die Rechnung, wenn man den Beginn dieses Jahrtausends als Vergleichspunkt wählt: Um sage und schreibe 96 Prozent ist der Kurs seitdem gefallen. An der Börse ist die Bank gerade einmal etwas mehr als zehn Milliarden Euro wert. Das klingt viel, ist aber herzlich wenig, wenn man sich etwa SAP anschaut, das wertvollste deutsche Unternehmen. Fast 130 Milliarden beträgt die Marktkapitalisierung des Softwarekonzerns. Die Commerzbank hat ihre Eigentümer so arm gemacht wie Kirchenmäuse.

          Lange Zeit hat die Misere der Deutschen Bank alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen, dies kann der Commerzbank nur recht gewesen sein, ihr eigener Verfall fiel so weniger auf. Genau wie bei der Deutschen Bank beteuert der Vorstand nun, alles zu tun, um den Niedergang aufzuhalten. Doch selbst Börsenprofis glauben kaum noch daran: Fast 70 Prozent der Analysten raten nicht dazu, die Commerzbank-Aktie zu kaufen.

          Wie konnte es so weit kommen? Der Niedergang der Commerzbank beginnt – mit kleinen Unterbrechungen – im Prinzip schon Anfang des Jahrtausends kurz nach Amtsantritt des damaligen Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller, bis heute die prägendste Figur der Bank. Man muss zugestehen, dass vieles sich erst aus heutiger Perspektive als Irrweg herausgestellt hat, was damals richtig erschien. Aber wer sich die Zeit von Müllers ersten Tagen bis heute anschaut, kann fünf Gründe identifizieren, die zum Abstieg der Commerzbank geführt haben.

          Grund eins: Die Eurohypo

          Der Kauf der Eurohypo im Jahr 2005 steht exemplarisch dafür, wie mit der Zeit aus einer vermeintlich guten Idee ein Problem werden kann. Die Eurohypo verdiente ihr Geld mit Hypothekendarlehen sowie mit Staats- und Kommunalanleihen. Dies galt nicht unbedingt als attraktives Geschäftsmodell, sondern als öde.

          2002 hatten darum die drei führenden deutschen Banken, die Deutsche, die Dresdner Bank und die Commerzbank, in einer ungewöhnlichen Aktion ihr Hypothekengeschäft in der neu gegründeten Eurohypo ausgegliedert. Drei Jahre später vollzog Müller allerdings eine irritierende Kehrtwende und kaufte den anderen Banken ihre Beteiligung an der Eurohypo ab. Er nannte den Zukauf eine „ideale Ergänzung“.

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