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Möglicher Dax-Rauswurf : Der Abstieg der Commerzbank

Grund vier: Die Filialen

Von außen betrachtet macht Vorstandschef Martin Zielke, der 2016 auf Blessing folgte, im Prinzip nichts verkehrt: Er will die Bank digitaler machen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Das Problem ist nur: Angreifern wie der in Deutschland sehr erfolgreichen Online-Bank ING-Diba kann die Commerzbank kaum etwas entgegensetzen.

Zwar ist ihre eigene Online-Tochtergesellschaft Comdirect durchaus erfolgreich. Aber gleichzeitig hat die Commerzbank noch immer 1000 Filialen in Deutschland und beabsichtigt anders als viele Wettbewerber auch nicht, weitere zu schließen. Wenn andere Banken ihre Filialen zusammenstreichen, so die Hoffnung, wechseln irgendwann immer mehr enttäuschte Kunden zu den Filialen der Commerzbank.

Ein solches Filialnetz aufrechtzuerhalten kostet allerdings eine Menge Geld, zumal die Bank gleichzeitig mit teuren Werbekampagnen (Stichwort: Fußball-Nationalmannschaft) um neue Kunden wirbt. Zwischen 150 und 250 Euro kostet es die Bank nach eigenen Angaben, einen neuen Kunden zu gewinnen. Der Vorstand verkauft dies als eine Strategie, die sich langfristig auszahle, weil sich mit neuen Kunden im Schnitt nach 18 Monaten Geld verdienen lasse. Trotzdem sagt ein hochrangiger ehemaliger Banker: „Der Glaube an den wirtschaftlichen Erfolg dieser Kundeneinkaufsnummer fehlt mir.“

Das mindestens ebenso wichtige Geschäft mit Firmenkunden zeigte zuletzt Schwächen, weil sich derzeit alle Banken um den deutschen Mittelstand balgen. Analyst Michael Seufert kommt zu einem Fazit, das Commerzbank-Aktionäre beunruhigen dürfte: „Sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundenschaft stehen die Gewinnmargen unter Druck. Eigentlich bräuchte man aber mehr Geld, um in die Digitalisierung zu investieren. Andere Banken, die hier schon weiter sind, können die Commerzbank also mit günstigeren Angeboten übertrumpfen. Das macht es umso schwieriger für die Commerzbank, die nötigen Investitionen vorzunehmen.“ Man könnte es auch so ausdrücken: Die Bank steht vor der Quadratur des Kreises.

Grund fünf: Das Führungspersonal

Alle bisher aufgezählten Gründe hatten etwas mit externen Entwicklungen zu tun, mit der Finanzkrise oder den Konkurrenten etwa. Es gibt aber auch einen internen Grund, der zur Misere seinen Teil beiträgt – das Führungspersonal. Alles honorige, intelligente Menschen, denen es aber an der Fähigkeit fehle, auch einmal gegenseitig so richtig unbequem zu werden, sagt einer, der sich auskennt.

In der Chefetage herrsche trotz anderer öffentlicher Rhetorik Mutlosigkeit statt Entschlossenheit. „Jeder dort weiß: Wer mutige Ziele für seinen Bereich ausgibt, wird sich daran messen lassen müssen. Wer aber zu viel ankündigt, zu viel Hoffnung weckt, muss im Zweifel gehen, wenn er seine Ankündigungen nicht einlöst. Lieber rettet man sich also von einem Jahr zum nächsten.“

Dass dies funktionieren kann, hat ausgerechnet Klaus-Peter Müller vorgemacht: Nach seinen Jahren als Vorstandschef hielt er sich noch ein ganzes Jahrzehnt an der Spitze des Aufsichtsrates, erst im Mai dieses Jahres trat er ab. Gerade noch rechtzeitig, um den voraussichtlichen Abstieg seiner Commerzbank aus dem Dax nicht mehr im Amt erleben zu müssen.

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