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Grüne Anleihen : 5,5 Prozent Rendite mit Wasserkraft

Wasserkraftwerk in Stockton, Kalifornien Bild: AP

Wasser ist der Inbegriff der Sauberkeit. Wasserwerke sorgen für das tägliche Trinkwasser, Wasserkraftwerke für sauberen Strom. Die Anbieter Apano und Signina bieten ein Investment über „Wasser-Infrastrukturanleihen“ an.

          3 Min.

          mho. frankfurt, 9. November. Versorger-Unternehmen haben grundsätzlich ein gesichertes Geschäftsfeld. Denn gleich, was produziert oder verwaltet wird, Energie wird gebraucht. Und sauberes Wasser brauchen Menschen erst recht. Doch für Privatanleger ist das Investieren nicht immer einfach. Erneuerbare Energien, von Windparkfonds bis hoch fliegenden und ebenso tief fallenden Solaraktien, haben oft enttäuscht. Andere Arten von Kraftwerken sind fest in den Händen großer Energiekonzerne, und die Wasserversorgung ist hierzulande ohnehin staatlich.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In anderen Ländern, etwa in Kanada oder den Vereinigten Staaten, ist die Privatwirtschaft in viel höherem Maße in die Energieproduktion und die Wasserversorgung eingebunden. Dadurch ist diese kleinteiliger organisiert, und das wiederum eröffnet auch Kapitalanlegern Möglichkeiten. Stiftungen oder regionale Pensionsfonds investieren in Wasseraufbereitungsanlagen oder -kraftwerke, weil dies über einen langen Zeitraum gesicherte und planbare Erträge verspricht.

          Anlegern aus dem deutschsprachigen Raum ermöglichen der Finanzdienstleister Apano und der Berater Signina Capital ein Investment. Seit 2004 beschäftigt sich Signina mit dem Thema Wasser, vor allem mit Infrastrukturinvestments. Zunächst arbeiteten die Schweizer nur für institutionelle, seit 2016 auch für private Anleger. Nach eigenen Angaben hat man dabei rund eine Milliarde Dollar bewegt.

          Das Angebot für Privatanleger sind sogenannte „Wasser-Infrastruktur-Anleihen“. Für das Geld der Anleger kauft Signina Beteiligungen an Kraft- oder Wasserwerken. Geschäftsführer Martin Klöck erklärt das Modell: „Wenn im ländlichen Raum in Kanada neue Wohnungen entstehen, ziehen die Gemeinden von den Bauherren auf einen Schlag Investitionsbeiträge ein. Sie beauftragen eine Privatfirma mit der Modernisierung und Erweiterung der Wasserversorgung. Diese erhält dann für 25 Jahre Lizenzgebühren. Wir beteiligen uns an der Projektfirma für die Dauer von fünf bis zwölf Jahren. Aus den Gebühren bezahlen wir das fixe Einkommen unserer Investoren.“

          Bei den „Wasser-Infrastruktur-Anleihen“ handelt es sich indes nicht um klassische Anleihen, sondern um „Exchange Traded Notes“ (ETN) der Emissions-Plattform Chartered Investment. Das bedeutet, dass die Anleihe ähnlich wie ein ETF einen Basiswert abbildet, in diesem Fall einen Korb von Projekten. Das bedeutet aber auch, dass weder die Zinszahlungen noch die Tilgung garantiert sind. Bei Fälligkeit wird die Anleihe nicht zum Nennwert, sondern zum aktuellen Korbwert getilgt. Das bietet allerdings auch die Chance auf einen Bonus. Das gilt auch für die angestrebte Verzinsung von 5,5 Prozent. Diese ist grundsätzlich von den Zahlungen aus den Projekten abhängig. Allerdings stehen die Gebühren für die kanadischen Wasserwerke fest und sind über die Kommune abgesichert. Noch nie habe es in Kanada eine Insolvenz eines Projekts oder einer Kommune gegeben. Selbst wenn, könne die Besicherung durch die Anteile im Zweifel bis zum Anleihegläubiger durchgereicht werden. Und man investiere nur in schon laufende Anlagen, nicht in Bauprojekte. Die Wasserkraftwerke in den Vereinigten Staaten seien ähnlich sicher. „Die Projektgesellschaft besitzt eine Lizenz zum Stromverkauf mit klarer Laufzeit und einem festgeschriebenen Mindest-Abnahmepreis.“ Der Grund, warum die Betreiber diese so sicheren Zahlungsströme verkaufen, sei, dass sie sich darüber gut und vergleichsweise preiswert finanzieren können, meint Klöck – eben weil die Zahlungsströme so vergleichsweise sicher seien. Darüber hinaus seien die Investments durchaus liquide. Zum Teil würden sie auch auf regulären Märkten gehandelt. Begehrt seien sie vor allem bei Investoren, die auf wohldefinierte Zahlungsströme Wert legten, wie Pensionskassen oder Stiftungen.

          Dafür haben die „Wasser-Infrastruktur-Anleihen“ andere Risiken. Zwar werden die Wechselkursrisiken abgesichert, doch die unterschiedlichen Fristen von Anleihe und Projekten stellen eine Herausforderung dar. Die ETN haben eine Laufzeit von sieben Jahren, die der Projektbeteiligungen ist häufig sehr viel länger.

          Signina will dieses Problem vor allem durch Umschichtungen lösen. „Zum einen werden wir länger laufende Zahlungsströme in andere Anleihen weiterverkaufen. Zum anderen hoffen wir, Anleger dazu bewegen zu können, ihre Anteile in neue Anleihen umzuschichten“, sagt Klöck. Zwei Jahre vor Fälligkeit will man damit beginnen, das heißt ab dem Jahr 2021. Klöck ist überzeugt, dass dies gelingen wird.

          Seit Auflage der ersten Anleihen – oder ETNs – Mitte 2016 wurden die Verzinsungsziele erreicht. Im Gegenteil bekamen die Gläubiger der Nordamerika-Anleihe sogar einen kleinen Bonus von 0,12 Prozent. Das wird möglich, weil Überschüsse auf einem Reservekonto angespart werden. Übersteigt dessen Saldo eine bestimmte Höhe, erfolgt eine Ausschüttung an die Inhaber der Anleihen. Mit den Anleihen selbst ist es nicht ganz so einfach. Die Anleihen haben zwar eine Börsennotierung, doch praktisch sei die Chance eher klein, auf diesem Weg einen Käufer zu finden, sagt Klöck. Apano aber helfe, auf individueller Basis einen Gegenpart zu finden.

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