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30 Jahre Börsencrash : Droht ein neuer „Schwarzer Montag“?

Am Dienstag nach dem Wall-Street-Crash war auch an Frankfurts Börse unüblich viel los. Bild: dpa

Vor genau 30 Jahren erlebte der amerikanische Aktienmarkt den größten Kurssturz seiner Geschichte. Damals gab es auch Streit um die Zinsen zwischen Amerika und Deutschland. Droht eine Wiederholung?

          5 Min.

          Es ist Donnerstag, der 19. Oktober 2017. An der deutschen Börse geht es ruhig zu. Der marktbreite FAZ-Index steht 1 Prozent im Minus bei 2551 Punkten knapp unter seinem Allzeithoch. Auch an Wall Street werden keine Überraschungen erwartet.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es ist Montag, der 19. Oktober 1987. An der deutschen Börse geht es ruhig zu. Wie immer werden in den zwei täglichen Handelsstunden die Orderzettel per Hand ausgefüllt. Der Dax steht nirgendwo, denn es gibt ihn noch nicht. Und trotzdem haben die Händler Stress. Denn die Kurse fallen und fallen. Später nachgerechnet wird der Dax am Ende um 9,4 Prozent gefallen sein und damit das bis heute drittgrößtes Minus an einem einzigen Tag verzeichnet haben.

          Was an der hessischen Provinzbörse passiert, ist aber gar nichts gegen das, was sich an der Weltleitbörse in New York abspielt. Dort fällt der Dow-Jones-Index um 22,6 Prozent, ein Minus, das seitdem auch nicht annähernd wieder erreicht wurde. Das nächst größte Minus späterer Zeiten folgt mit 8 Prozent genau eine Woche später.

          Die Ursachen des Crashs und warum er solche Ausmaße annahm, sind gut erforscht. Damals war der Computerhandel noch neu. Es war der erste Börsen-Crash, der von vollautomatisierten, auf Algorithmen basierenden, Handelssystemen losgetreten wurde, schreibt die Fondsgesellschaft Fidelity in einem Rückblick auf das Datum. Programmhändler hatten sich ganz auf ihre Modelle verlassen: Als die Aktienkurse fielen, verkauften sie, um die Verluste in ihrer Portfolios einzudämmen. Schließlich aber stießen alle Aktien ab und verstärkten die Abwärtsbewegung.

          Begonnen hatte der Ausverkauf damals schon am Mittwoch davor, als bekannt wurde, dass das amerikanische Handelsbilanz-Defizit abermals wesentlich höher als erwartet ausgefallen war. Daraufhin verstärkte sich der Druck auf den Dollar. Umgehend waren Befürchtungen laut geworden,  dass sich die Kursverluste verstärken und zum Börsenkrach führen könnten, weil viele Investoren, die auf Kredit gekauft hatten, dazu gezwungen sein würden.

          „Angebliche Börsenfachleute sind unfähig zu lernen“

          Einer derjenigen, die damals dem großen Börsenkrach vorhersagten, war der Börsenexperte Uwe Lang. Dieser hatte 1987 schon das gesamte Jahr gewarnt. Und wie so oft werden wiederholte Warnungen, deren Folgen sich nicht unmittelbar zeigen, von vielen nicht beachtet. „Immer wieder kann ich nur den Kopf schütteln, weshalb die angeblichen Börsenfachleute unfähig sind, aus vergangenen vergleichbaren Börsensituationen zu lernen“, schrieb Lang im August, als er schon klare Verkaufsignale an Wall Street diagnostizierte. „Da argumentiert man mit der Konjunktur, wie es einem gerade in den Kram paßt.“

          Vor allem wandte er sich gegen die Auffassung, dass die Zinsen nicht mehr weiter steigen könnten und diese ohnehin nicht ausschlaggebend seien. „Sie werden es erleben, wie die Zinserhöhungen in allen Industrieländern die Börsen treffen werden!“, mahnte Lang seine Leser.

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