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25 Jahre M-Dax : Der kleine Dax hat Jubiläum

Rüstung für den M-Dax: Rheinmetall ist einer von zwei Werten, die dem M-Dax von Anfang an angehören. Bild: dpa

Seit Jahrzehnten überzeugt der Index der mittleren Werte, der M-Dax, durch seine Wertentwicklung. Der Start in den Neunzigern war allerdings weniger glanzvoll. Ein Rückblick auf 25 Jahre.

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          Die Achtziger Jahre brachten viele Neuerungen: Personal Computer etwa oder bleifreies Benzin – aber auch moderne europäische Indizes für Standardaktien wie den FTSE 100, den CAC 40 oder den Dax. Indizes für mittelgroße Werte kamen dagegen erst Ende der Neunziger auf. So auch der M-Dax, der erstmals am 19. Januar vor 25 Jahren notiert wurde. Das war ein großer Schritt für die 70 Gründungsaktien, die von da an auch per Computer und damit achteinhalb Stunden täglich gehandelt wurden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Basis des M-Dax war ein Stand von 1000 Punkten zum Jahresende 1987 – genauso wie beim rund elf Jahre älteren Dax. Diesen hatte er beim offiziellen Start 1996 schon lange hinter sich gelassen, genauer gesagt seit dem 9. März 1988, als der lange Zeit als Börsenbarometer der „zweiten Reihe“ bezeichnete M-Dax mit 1077,97 Punkten mehr als einen Punkt höher schloss. Diese Führung hatte er zum offiziellen Start schon auf 10 Prozent verhundertfacht.

          Heute sind es schon 125 Prozent, so dass der M-Dax mit rund 31360 Punkten mehr als doppelt so hoch notiert wie der Dax. Wer 1996 in die Indizes investiert hätte, hätte mit dem Dax 7,3 Prozent je Jahr verdient – und mit dem M-Dax 10,4 Prozent. Ein kleiner, aber feiner Unterschied: Aus 1000 D-Mark wären im einen Fall 2960 und im anderen 6054 Euro geworden.

          Doch der M-Dax war nicht immer voraus. Die Neunziger waren eine bittere Zeit. Im Juli 1997 hatte er den Vorsprung auf den großen Bruder komplett eingebüßt und lief ihm bis Ende 2002 hinterher. Seinen relativen Tiefpunkt hatte er am 7. März 2000, als er fast nur noch halb so viel wert war wie der Dax.

          Börsenhistoriker wissen gleich, was dahinter steckt. Just an diesem Datum hatte der Dax im Zuge der Technologieblase einen Höchststand erreicht, den er erst 2013 nachhaltig überwinden sollte. In den Neunzigern konnte der – im Bewusstsein der deutschen Börsianer noch sehr frische – M-Dax einfach mit dem Aufwind von SAP oder der Telekom nicht mithalten und schon gar nicht mit den Mobilcoms und EM.TVs am Neuen Markt. So recht interessierte sich in der relativen Schwächephase niemand für solide deutsche Mittelständler, als etwa eine Hochtief-Aktie 55 Prozent und ein Papier von Südzucker 47 Prozent an Wert verloren. Im Grunde kam also der M-Dax zur falschen Zeit, nämlich mitten in die zweite Hälfte eines säkularen Bärenmarkts, die eine sechsmonatige Rally 1996 nur dürftig verdeckte.

          Betrachtet man die 70 Gründungsmitglieder, so wird klar, dass sich ein immenser Strukturwandel vollzog. Von den 70 Anfangswerten sind heute gerade noch 23 börsennotiert. Zum Teil sind es aber auch Rückkehrer, wie Varta oder Gerresheimer. Groß reüssieren konnten die wenigsten Gründungsmitglieder. Fresenius, Beiersdorf, Heidelcement und Münchener Rück stiegen in den Dax auf, Rheinmetall und Hochtief gehören als einzige Werte dem M-Dax seit 25 Jahren an. Einige stiegen ab, etwa Fielmann, wieder andere verschwanden mitsamt ihren Namen: Asko, Barmag und Horten etwa nach nur zwei Monaten. Auch an Skandalen war der Index gar nicht arm: 1996 gab es die Pleite der Bremer Vulkan-Werft.

          Oder die Insolvenz des Baukonzerns Philipp Holzmann, dem 1999 ein Rettungspaket der Bundesregierung nur noch drei Jahre Luft verschaffte. Andere fegte der Wettbewerb hinweg, wie den Schuhhersteller Salamander. Seit 2002 aber hat sich der Index gemausert: Viele der gelisteten Unternehmen seien Weltmarktführer in lukrativen Nischenmärkten, heißt es vom Deutschen Aktieninstitut. Das macht sich allerdings Sorgen. Denn im September hat der M-Dax an den Dax zehn Werte abgegeben müssen. Damit verlor er ein Drittel seiner Marktkapitalisierung und stark an Bedeutung. Eine Reform soll dafür sorgen, dass der M-Dax eine attraktive Geldanlage bleibt.

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