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Finanzmarkt : Stimmungsumschwung an den Märkten

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Wachstumssorgen sowohl in Amerika als auch in Europa rücken bei den Anlegern in den Vordergrund. Als Folge flüchten sie in die Sicherheit von Staatsanleihen, während Aktienkurse und Rohstoffpreise unter Druck geraten

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          An den internationalen Finanzmärkten ist die Stimmung umgeschlagen. Während der Anstieg der Ölpreise noch zu Beginn des Monats Inflationsängste nährte, prägt plötzlich die Sorge über eine Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums das Geschehen.

          Als Folge sind die Aktienkurse und Rohstoffpreise rund um den Globus unter Druck geraten, die Kurse von Staatsanleihen hingegen sind gestiegen. Im Zuge zunehmender Risikoscheu suchten Anleger die Sicherheit von Staatspapieren, erläutert Daniel Pfändler, Leiter der Zinsstrategie bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein.

          Fallende Kurse in Amerika und Europa

          An den europäischen Aktienmärkten fielen die Kurse gemessen am Euro-Stoxx-50-Index am Freitag bis zum Nachmittag um 1,5 Prozent. Der Deutsche Aktienindex Dax sackte fast 2 Prozent ab. Auch an der Wall Street sind die Kurse im frühen Handel gesunken.

          Am Donnerstag waren sie bereits auf den tiefsten Stand in diesem Jahr gerutscht. Indes ließen Zukäufe die Kurse von Staatspapieren steigen. Das drückte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe zeitweise auf 3,47 Prozent - und damit nahe an das im Februar markierte historische Tief von 3,44 Prozent.

          Konjunktur in Amerika flaut ab

          Am Mittwoch hatten neue Einzelhandelsdaten Sorgen aufkommen lassen, daß die Konjunktur in Amerika stärker als erwartet abflaut. Bereinigt um die volatilen Umsätze mit Autos und Benzin hat der Einzelhandel im März 0,1 Prozent weniger umgesetzt als im Februar. Das war der erste Rückgang seit vergangenem April, als die amerikanische Wirtschaft in eine - allerdings nur vorübergehende - Wachstumsflaute geraten war. Die erhöhten Energiepreise und Leitzinsen schränkten die Kaufkraft der Verbraucher ein, kommentierte Helmut Kaiser, der Leiter Investmentstrategie bei der Deutschen Bank.

          Für Verunsicherung sorgten zudem Gerüchte, daß der weltgrößte Autokonzern General Motors (GM) demnächst Insolvenz anmelden könnte. Obwohl die Konzernführung dementierte, sackte die GM-Aktie deutlich ab. Auf die Stimmung drückte auch, daß einige Unternehmen, allen voran der Computerkonzern IBM, enttäuschende Ergebnisse für das erste Quartal vorgelegt haben.

          Als Warnzeichen werten Fachleute zudem, daß nicht nur der Ölpreis, sondern auch die Preise vieler anderer Rohstoffe zuletzt deutlich nachgegeben haben. Manche Anleger sähen darin einen Vorboten, daß sich die Konjunktur in China, einer der Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft, abzukühlen beginne, sagte Pfändler.

          Wachstumsschwäche und politische Besorgnisse

          Auch an den europäischen Aktienmärkten gehen viele Anleger auf "Nummer sicher" und verkaufen. Kaiser sieht darin eine Reaktion darauf, daß die Wachstumsprognosen für den Euro-Raum immer weiter zurückgenommen werden. Zudem hätten die jüngsten politischen Entwicklungen einem neuen Anflug von "Euro-Skeptizismus" Vorschub geleistet. Kaiser verweist dazu auf die Auflockerung des Stabilitäts- und Wachstumspakts, die Tendenzen hin zu einer protektionistischen Abschottung der Arbeitsmärkte und die Debatte über den Mindestlohn hierzulande.

          Wachsende Nervosität verursacht auch das Referendum in Frankreich am 29. Mai über die EU-Verfassung. Ein "Nein" der Franzosen würde die EU nach allgemeiner Einschätzung politisch schwer beschädigen und die ohnehin beträchtlichen Spannungen zwischen den Euro-Ländern weiter verschärfen.

          Euro unter Druck

          Die Wachstumsschwäche und politische Besorgnisse haben auch den Euro unter Druck gebracht. Am Freitag pendelte er zwischen 1,28 und 1,29 Dollar. Zu der Abschwächung des Euro trägt auch bei, daß der Vorsprung der kurzfristigen Dollar- gegenüber den Euro-Zinsen aufgrund der Leitzinserhöhungen in Amerika immer größer wird.

          Hingegen dürfte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins wegen der schwachen Konjunktur auf absehbare Zeit konstant halten, meint Pfändler. Vor diesem Hintergrund dürften die Kurse der Staatsanleihen in nächster Zeit weiterhin von der Suche der Anleger nach sicheren Anlageformen profitieren.

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