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Finanzmärkte : Zum Jahresbeginn stellt die EZB die Weichen

Auch eine Senkung des Einlagenzinses bei der EZB von null in den negativen Bereich wird diskutiert Bild: dapd

Am Donnerstag tagt der EZB-Rat. Auch der amerikanische Arbeitsmarktbericht wird mit Spannung erwartet. Der Bericht von den internationalen Finanzmärkten.

          Die nachrichtenarme Zeit an den Finanzmärkten ist in dieser Woche vorbei. Am Dienstag stehen die Dezember-Inflationszahlen für den Euroraum als erste wichtige Kennziffer zur Veröffentlichung an. Im Jahresvergleich wird mit einem Preisanstieg von 0,9 Prozent im Euroraum-Durchschnitt gerechnet. Es wäre der dritte Monat in Folge mit einer Inflationsrate unter 1 Prozent und damit weit entfernt von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp 2 Prozent. Deren Präsident Mario Draghi wird zwar nicht müde zu betonen, Europa sei von einer Deflation und japanischen Verhältnissen weit entfernt. Sein Handeln ist jedoch stark darauf fokussiert, jeden Anschein einer Deflationsgefahr im Keim zu ersticken.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Anfang November hatte die EZB kurzerhand den Leitzins von 0,5 auf 0,25 Prozent gesenkt, nachdem wenige Tage zuvor die Inflationsrate überraschend auf 0,7 Prozent gefallen war. Das hatte an den Märkten für Irritationen gesorgt, denn üblicherweise bereitet eine Zentralbank die Märkte auf einen Zinsschritt vor. Die schnelle Reaktion auf die stark rückläufige Inflationsrate hat aber nach erster Kritik den von der Zentralbank gewünschten Effekt gebracht: Statt über Deflation wurde über mögliche weitere Maßnahmen der EZB zur Ankurbelung der europäischen Wirtschaft debattiert.

          Am Donnerstag tagt der geldpolitische Rat der EZB. Auf neue Maßnahmen hat die EZB die Märkte bislang nicht vorbereitet. Das bedeutet aber seit der überraschenden Zinssenkung im November weniger als zuvor, auch wenn nach Ansicht geldpolitischer Beobachter solche Überraschungsaktionen für Ausnahmesituationen vorbehalten bleiben sollten. Die Argumente für den Einsatz weiterer Instrumente haben sich dieser Tage jedoch verstärkt. Neben der aus Sicht der EZB wohl weiterhin zu niedrigen Inflationsrate wurde am Freitag bekannt, dass die Kreditvergabe im Euroraum auf Jahressicht so stark gesunken ist wie noch nie. Im November gingen die Bankkredite an Unternehmen im Jahresvergleich um knapp 4 Prozent zurück. Eigentlich sollte die EZB-Geldpolitik die Banken zu einer vermehrten Kreditvergabe und damit zu einer Ankurbelung der Wirtschaftsaktivität bewegen. Diskutiert wurde daher zuletzt immer häufiger eine Senkung des Einlagenzinses von null in den negativen Bereich. Dies würde die Banken dafür bestrafen, ihr Geld bei der EZB zu parken. Kritiker wenden ein, die Banken seien in ihrer Geschäftspolitik frei und könnten nicht zu einer höheren Kreditvergabe gezwungen werden. Als wahrscheinlicher gilt derzeit eine weitere großzügige Liquiditätsspritze für die Banken, wie sie Ende 2011 und Anfang 2012 in zwei großen Tendern für drei Jahre vergeben wurde.

          Die positivsten Einschätzungen gibt es nach wie vor für Aktien

          Aus europäischen Krisenländern kommen zudem immer häufiger Klagen, der Wechselkurs des Euro sei zu hoch bewertet. Im Jahresverlauf 2013 hat er von 1,32 Dollar je Euro auf zuletzt 1,38 Dollar je Euro aufgewertet, war aber an den ersten beiden Handelstagen des neuen Jahres auf rund 1,36 Dollar zurückgefallen. Eine Ausweitung der expansiven Geldpolitik der EZB auch durch neue Anleihekaufprogramme wird daher gefordert, um den Euro zu schwächen und damit die Export-Wettbewerbsfähigkeit angeschlagener Euroländer zu erhöhen.

          Gewinner und Verlierer im Dax

          Die Debatte in den Vereinigten Staaten dreht sich hingegen um die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Straffung der Geldpolitik. Hierzu dürfte am kommenden Freitag der Arbeitsmarktbericht für den Dezember wichtige Hinweise liefern, schließlich hat die Federal Reserve ihr Handeln eng an die Entwicklung des Arbeitsmarkts gekoppelt. Gerechnet wird mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote auf 6,9 Prozent. Dies wäre der niedrigste Stand seit November 2008.

          Die Rückschlüsse für die Märkte sind nicht eindeutig. Die meisten Beobachter rechnen mit einem weiteren Anstieg der Renditen von als sicher geltenen Staatsanleihen aus Deutschland und Amerika. Schon im vergangenen Jahr erlitten Anleger mit diesen Papieren Kursverluste und verzeichneten angesichts niedriger Kuponzahlungen negative Renditen. Die Kurse von Staatsanleihen aus europäischen Peripherieländern wie Italien und Spanien gewannen 2013 indes an Wert und brachten den Anlegern hohe Gewinne. Vergangene Woche sind die italienischen und spanischen Risikoaufschläge gegenüber Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sogar auf weniger als 2 Prozentpunkte gesunken. Der Großteil der Kurserholung dürfte damit erfolgt sein. Eine leichte Aufwärtstendenz zeigte nach dem verheerenden Jahr 2013 der Goldpreis. Doch wagt sich derzeit kaum ein Analyst mit einer positiven Goldprognose hervor. Die positivsten Einschätzungen gibt es nach bald fünf Jahren Hausse weiter für Aktien. Falls die EZB die Weichen nun noch stärker auf Expansion stellt, könnte sich der Schwung der vergangenen Wochen zumindest im Januar fortsetzen.

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