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Europäische Zentralbank : Finanzmärkte wetten auf rasche Zinssenkung

  • Aktualisiert am

Hochhaus der EZB in Frankfurt am Main Bild: dpa

Investoren spekulieren auf eine Zinssenkung schon im Juli. Doch die Entscheider bei der EZB wollen wohl zunächst neue Wirtschaftsdaten abwarten und erst im September entscheiden.

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          Am Geldmarkt wird immer stärker auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juli spekuliert. Inzwischen wird dort die Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent taxiert, dass die Euro-Wächter dann auf ihrer geldpolitischen Sitzung den Einlagensatz noch tiefer in den negativen Bereich auf minus 0,5 Prozent senken.

          Aktuell liegt der Satz bei minus 0,4 Prozent. Ein negativer Einlagenzins bedeutet, dass Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Euro-Notenbank überschüssige Gelder parken. Vor einer Woche wurde die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt noch mit 40 Prozent taxiert.

          Investoren am Geldmarkt stützen ihre Erwartung auf die Kursentwicklung von Finanzinstrumenten. Im Blick haben sie dabei die Futures auf den Interbanken-Zins Eonia am 25. Juli, dem Tag der EZB-Zinssitzung. Das sind Wetten auf den Stand des Satzes zu diesem Zeitpunkt.

          Inflation unerwünscht niedrig

          Im Eonia-Zins spiegelt sich wider, zu welchem Preis sich Banken untereinander über Nacht Geld leihen. Aus der Differenz zwischen dem aktuellen Satz und den Futures leiten Geldmarkt-Experten Wahrscheinlichkeiten für Zinsschritte der Notenbank ab. Eine Zinssenkung bis zur geldpolitischen Sitzung im September wird sogar als sicher eingestuft.

          Auf einer Konferenz in Helsinki hatten EZB-Chefvolkswirt Philip Lane und andere Euro-Notenbanker am Montag wegen der aus ihrer Sicht unerwünscht niedrigen Inflation ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, nötigenfalls gegenzusteuern.

          Lane sagte unter anderem, Währungshüter sollten an ihrer absoluten Entschlossenheit keinen Zweifel lassen. Seine Aussagen wurden von Ökonomen als Hinweis auf mögliche Lockerungsschritte interpretiert.

          Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg sind die geldpolitischen Entscheider bei der EZB jedoch noch nicht bereit, die Geldpolitik eilig zu lockern und schon im Juli zusätzliche Stimuli zu beschließen.

          Stattdessen wollen sie lieber auf neue Daten zur Wirtschaftslage warten, sagten mit der Angelegenheit vertraute Vertreter aus dem Euroraum Bloomberg. Die EZB-Ratsmitglieder seien sich den Insidern zufolge zwar einig, dass sie am 25. Juli handeln würden, falls sich der wirtschaftliche Ausblick eintrübe. Aber derzeit tendieren sie eher zum nächsten Treffen im September, wenn ihnen auch aktualisierte Konjunkturprognosen vorliegen, die ihre Entscheidung untermauern.

          Der Rat könnte in diesem Monat die geldpolitische Wortwahl ändern, um den Finanzmärkten zu signalisieren, dass weitere Stimuli bevorstehen. Ein EZB-Sprecher lehnte eine Stellungnahme gegenüber Bloomberg ab.   

          Eine derartige Strategie entspricht weitgehend den Markterwartungen, erhöht jedoch die Anfälligkeit für mögliche Schocks in den Sommermonaten, wenn die Liquidität in der Regel dünner ist. Die Investoren preisen bei der EZB eine Zinssenkung von 10 Basispunkten bis September ein, einige erwarten jedoch eine schnellere oder größere Aktion.

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