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Finanzmärkte spekulieren : Das Ende der Negativzinsen

Die EZB: Wie geht es weiter? Bild: dpa

Die Finanzmärkte behalten auch einen Tag nach der spektakulären EZB-Sitzung ihre neue Sicht auf die Notenbank bei. Verschwinden Mario Draghis Negativzinsen aus dem Jahr 2014 wieder?

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          Eine „Eintagsfliege“ war es jedenfalls nicht: Auch einen Tag nach der spektakulären Pressekonferenz, auf der Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) erste vorsichtige Signale in Richtung Straffung der Geldpolitik gegeben hatte, spielten die Finanzmärkte das Szenario von Zinserhöhungen auch im Euroraum noch in diesem Jahr durch. Die Geldmärkte rechneten am Freitag mit einer Anhebung der Zinsen um etwa 50 Basispunkte im Dezember – was darauf hindeuten könnte, dass der Einlagensatz von derzeit minus 0,5 Prozent auf null angehoben werden könnte.

          Abschied von Mario Draghis Negativzinsen im Dezember?

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das wäre eine kleine Sensation: Seit 2014, als der damalige EZB-Präsident Mario Draghi die Negativzinsen für Banken bei der Zentralbank eingeführt hatte, waren diese negativ. Das hatte nicht zuletzt die Banken beflügelt, auch von ihren Kunden Negativzinsen zu nehmen. Allen Forderungen, die Negativzinsen abzuschaffen, hatte sich die EZB bislang verweigert. Analysten von Goldman Sachs und der Deutschen Bank sagen nun für die kommenden Monate zwei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Basispunkte voraus. Die Commerzbank erwartet jetzt, dass die EZB vermutlich im März das Ende der Nettoanleihekäufe zum September beschließt und im September und Dezember die Zinsen jeweils um 25 Basispunkte anhebt. Das wäre das Ende der Negativzinsen.

          „Gegenwärtig preisen die Märkte bis zum Jahresende EZB-Zinserhöhungen von fast 0,5 Prozentpunkten ein, also das Ende des negative EZB-Einlagensatzes“, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. „Vermutlich möchte die EZB vermeiden, dass die Märkte jetzt auf mehr Schritte spekulieren und einen richtigen Zinserhöhungsprozess einpreisen“, sagte der Ökonom: „Denn das könnte die Kurse der Staatsanleihen Italiens belasten, das auf Grund seiner ungelösten wirtschaftlichen Problemen immer noch verwundbar ist - die Renditeaufschläge italienischer Staatsanleihen gegenüber entsprechenden Bundesanleihen sind bereits gestiegen.“

          Auch die Kapitalmarktzinsen in Deutschland, gemessen an der Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit, hielten sich am Freitag weiter im Positiven. Am Donnerstag war die Rendite nach Lagardes Äußerungen bis auf 0,14 Prozent gestiegen. Vorher war sie negativ, hatte allerdings im Zuge der Wirtschaftserholung die Nulllinie schon mehrfach überschritten. Am Freitag stand sie zeitweise bei 0,199 Prozent. Rückschläge könne es schon noch geben, meinte Ökonom Holger Schmieding vom Bankhaus Berenberg, tendenziell aber dürften die Renditen „weiter nach oben streben“. An der Bundesanleihe hängen auch die Bauzinsen: Das Vermittlungsportal Interhyp prognostiziert, hier werde man jetzt auch einen Anstieg sehen. Aktuell liegen die Zinsen für Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung laut Verbraucherportal Biallo nach einem sprunghaften Anstieg bei 1,06 Prozent.

          Der Euro hatte gegenüber dem Dollar am Donnerstag aufgewertet, ein Euro kostete zeitweise 1,14 Dollar. Das verstärkte sich am Freitag noch ein bisschen bis auf zeitweise 1,148 Dollar, bevor es eine Gegenbewegung gab. Höhere Zinsen in einem Währungsraum sind nach der sogenannten Zinsparitätentheorie tendenziell gut für den Wechselkurs. An der Börse erholte sich der deutsche Aktienindex Dax am Freitagmorgen kurz von seinen Donnerstagsverlusten, fiel dann aber weiter. Steigende Zinsen sind nicht unbedingt gut für Aktien; unter anderem Immobilienaktien verloren. Profitieren konnten hingegen Aktien von Banken, denen man bei einem höheren Zinsniveau mehr Marge zutraut. Commerzbank und Deutsche Bank konnten ihre Gewinne vom Donnerstag jedenfalls bis zum Freitagnachmittag etwas ausbauen.

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