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Finanzmärkte : Katerstimmung nach der Jahresanfangsrally

Der Dax gab ebenfalls nach und verminderte sich auf 6600 Punkte Bild: REUTERS

Seit Anfang April tendieren Aktien schwach. Nach Ostern setzt sich dieser Trend fort, der Dax fiel auf 6600 Punkte. Professionelle Anleger sehen darin jedoch kein Drama.

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          Die pünktlich mit dem zweiten Quartal begonnene Konsolidierung vieler als risikoreich geltender Anlagen hat sich auch in der Woche nach Ostern fortgesetzt. An den Aktienbörsen überwogen Kursverluste. Der Euro Stoxx 50, der die 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen des Euroraums abbildet, verminderte sich um gut 3 Prozent auf 2320 Punkte; überdurchschnittlich sanken die Aktienkurse von Finanztiteln wie zum Beispiel der italienischen Institute Intesa Sanpaolo und Unicredit und der niederländischen ING Group. Der Dax gab ebenfalls nach und verminderte sich auf 6600 Punkte. Damit hat er innerhalb einer Woche nunmehr etwa 400 Punkte verloren.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Spiegelbildlich dazu stieg der aus den Kursschwankungen der im Dax enthaltenen Unternehmen abgeleitete V-Dax-New, der als Risikobarometer gilt, vorübergehend um 2 Prozentpunkte an auf rund 28 Prozent. An den Anleihemärkten verzeichneten italienische und spanische Staatsanleihen Kursverluste - spanische Zehnjährige rentierten mit 5,9 Prozent ungefähr einen Prozentpunkt höher als noch zu Jahresbeginn. Derweil gingen die Renditen der als ausfallsicher wahrgenommenen deutschen Bundesanleihen zurück, zehnjährige Papiere rentierten beispielsweise mit weniger als 1,7 Prozent beinahe auf einem Rekordtief.

          „Katerstimmung nach dem Rausch“

          Gleichwohl schlägt für die meisten europäischen und amerikanischen Aktienmärkte seit Jahresbeginn immer noch ein Plus zu Buche. Professionelle Marktteilnehmer mahnen deshalb auch zu Besonnenheit.

          „Was wir gerade an den Märkten sehen, ist die Katerstimmung nach dem Rausch“, sagt Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der zur Deutschen Bank gehörenden Fondsgesellschaft DWS: „Nach der fulminanten Jahresanfangsrally in nahezu allen risikoreichen Vermögenswerten und nun wieder mehr Wirtschaftsdaten, die schlechter als die angehobenen Erwartungen ausfallen, nehmen Anleger Gewinne mit.“ Die DWS habe sich zum Beispiel wieder aus Staatsanleihen der Peripherieländer zurückgezogen und auf die kurzen Laufzeiten fokussiert.

          An den Aktienbörsen überwiegen Kursverluste. Spiegelbildlich dazu stieg der V-Dax, der als Risikobarometer gilt, vorübergehend an Bilderstrecke

          Zu den zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten zählte etwa, dass in den Vereinigten Staaten im März weniger neue Stellen geschaffen wurden als erwartet - nach vorangegangenen Arbeitsmarktberichten, die Beobachter positiv überrascht hatten. Auch das geringer als vorhergesagt ausgefallene Importvolumen Chinas für denselben Monat drückte angeblich auf die Risikobereitschaft der Anleger. Aber Anzeichen von Panik fehlen indessen.

          „Im Vergleich zum vergangenen August erleben wir keine Weltuntergangshysterie, sondern sehen, dass die Marktteilnehmer stärker unterscheiden zwischen den Anlageklassen und dass es für die Kursrückgänge jeweils spezifische Gründe gibt“, sagt Wöhrmann. Ein Beispiel dafür sei der wieder größere Abstand (Spread) zwischen spanischen und deutschen Renditen, nachdem Spanien ein höheres Staatsdefizit für das vergangene Jahr meldete und für dieses Jahr ankündigte.

          Politische Gründe für Konsolidierung

          „Wir werden keine neue Finanzkrise bekommen“, sagt auch Stefan Hofrichter, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors: „Die Zentralbanken, insbesondere die Fed und die EZB sitzen in Warteposition und werden notfalls weitere Liquidität zur Verfügung stellen.“ Nach den jüngsten Wirtschaftsdaten hätten sie dazu allerdings erstmal keinen Anlass. Seiner Ansicht nach erklärt sich die Konsolidierung an den Aktienmärkten auch mit der politischen Unsicherheit angesichts der bevorstehenden Wahlen in Griechenland und Frankreich und nicht zuletzt mit dem weiter hohen Ölpreisniveau - ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostet mehr als 120 Dollar.

          „Wir bleiben aber konstruktiv für Aktien und denken, dass wir gerade im Euroraum den Tiefpunkt der Rezession durchschreiten“, sagt Hofrichter. Garry Evans, Aktienstratege der britischen Bank HSBC, äußert sich in einer aktuellen Analyse ebenfalls verhalten optimistisch für Aktien. Unter den Regionen sollten weiterhin die Aktienmärkte der Schwellenländer übergewichtet werden.

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