https://www.faz.net/-gv6-6us43

Finanzmärkte : Griechenland löst Kursrutsch aus

Bild: F.A.Z.

Dass das griechische Volk über das Rettungspaket abstimmen soll, hat die Anleger schockiert. Sie befürchten eine Eskalation der Krise.

          3 Min.

          Die Angst vor der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands hat an den Finanzmärkten am Dienstag einen Kursrutsch ausgelöst. Der Dax verlor bis kurz vor Handelsschluss 5,1 Prozent auf 5831 Punkte. Der breiter gefasste, 100 Werte abbildende F.A.Z.-Index brach um 4,7 Prozent auf 1308 Punkte ein. Auch an den anderen europäischen Börsen kam es zu schweren Kursverlusten. Der Euro Stoxx 50, Leitindex für den Euroraum, gab um 5,3 Prozent auf 2261 Punkte nach. An der Wall Street fielen die Aktienkurse im frühen Geschäft deutlich. Der Euro geriet ebenfalls unter Druck und verbilligte sich gegenüber Montagabend um mehr als drei amerikanische Cent auf 1,3677 Dollar.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.


          Der griechische Ministerpräsident Giorgios Papandreou hatte am Montagabend angekündigt, das Volk über das in der vergangenen Woche vom Euro-Gipfel beschlossene Rettungspaket abstimmen zu lassen. Dies verunsicherte die Märkte, weil angesichts der angespannten Lage in Griechenland mit einer Ablehnung des Anfang kommenden Jahres erwarteten Referendums gerechnet werden muss.

          Die Angst des Analysten

          Es bestehe das Risiko, dass die Staatengemeinschaft in diesem Fall Griechenland den Geldhahn zudrehe und das Land am Ende sogar den Euro verlasse, erwartet Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Das Referendum erhöhe nicht nur die Risiken für Griechenland, sondern für die Stabilität im gesamten Euroraum, warnte die Ratingagentur Fitch. Nun seien Vorkehrungen notwendig, um eine Ansteckung anderer Euro-Krisenländer zu verhindern.

          Die Investoren stießen am Dienstag aus Angst vor einer Verschärfung der Krise italienische und spanische Staatsanleihen ab. In der zehnjährigen Laufzeit erhöhte sich die italienische Rendite auf 6,21 Prozent und die spanische auf 5,52 Prozent. Anleihehändler berichteten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) italienische und spanische Staatsanleihen gekauft habe. Die EZB dürfte wohl dazu gezwungen sein, ihre Anleihekäufe deutlich aufzustocken, um eine neue Eskalation der Ansteckungsgefahr zu verhindern, schrieben Analysten der Royal Bank of Scotland.

          Flucht in Bundesanleihen

          Wie stets in krisenhaften Zuspitzungen flüchteten die Anleger in den sicheren Hafen deutscher Bundesanleihen. Deren zehnjährige Rendite sank auf 1,77 Prozent. Die Zinsdifferenz zwischen Italien und Deutschland erreichte mit 4,4 Prozentpunkten das höchste Niveau seit Einführung des Euro. Ebenfalls ein Rekordhoch erreichte der Renditeabstand zwischen Belgien und Deutschland mit 2,6 Prozent. Die Anleihen Griechenlands stiegen auf neue Renditehochs. In der zweijährigen Laufzeit wurden zeitweise 108 Prozent erreicht.

          Dagegen verzeichneten Staatsanleihen aus Norwegen, Dänemark, Finnland, Großbritannien, der Niederlande und der Schweiz deutliche Kursgewinne. Die Anleger schichteten ihre Mittel aus riskanten in als ausfallsicher erachtete Anlagen um. Doch weder Gold noch Öl haben davon profitiert. Das Edelmetall büßte 1,3 Prozent auf 1692 Dollar je Feinunze ein. Das Barrel Erdöl (WTI) verbilligte sich um 3,3 Prozent auf 90,02 Dollar.

          Bankenaktien sind Tagesverlierer

          Die Verliererliste an den Aktienmärkten führten Finanzwerte an. Der Aktienkurs der französischen Großbank Société Générale brach um 17 Prozent ein. Die Titel der BNP Paribas büßten 14 Prozent ein und die der Commerzbank 10,4 Prozent. Der Aktienkurs der Deutschen Bank fiel um 8,4 Prozent.

          Auch die Aktien der Versicherer wurden abgestoßen. Der Kurs der Allianz sank um 9,3 Prozent und der des französischen Rivalen Axa um 13,4 Prozent. Am deutschen Aktienmarkt verzeichneten auch die Aktien der Versorger hohe Abschläge. Der Kurs von Eon verlor 6,2 Prozent und der von RWE 6,9 Prozent. Daimler-Aktien verbilligten sich um 6,1 Prozent.

          Neue Unsicherheit

          Die Kreditanalysten von BNP Paribas werten den Referendumsbeschluss der griechischen Regierung als belastend für die Banken, weil der auf dem Brüsseler Gipfel vereinbarte Forderungsverzicht von 50 Prozent gegenüber dem griechischen Staat nun wieder unsicher sei. Denn sollte die griechische Bevölkerung das Rettungspaket ablehnen, droht den Banken sogar der Ausfall sämtlicher Forderungen gegenüber Griechenland. Die Analysten von BNP Paribas rechnen nun mit höheren Risikoaufschlägen für europäische Banken.

          So stieg am Markt für Kreditausfallderivate (CDS) die Risikoprämie auf ihr eigenes Haus, BNP Paribas, um 0,43 auf 2,56 Prozent. Damit kostet die Absicherung einer Forderung von einer Million Euro eine jährliche Versicherungsprämie von 25600 Euro.

          Ähnlich hoch ist die Risikoprämie für den französischen Wettbewerber Crédit Agricole. Die CDS-Prämie auf den italienischen Staat verteuerte sich um 0,54 auf 4,99 Prozent und auf Spanien um 0,34 auf 3,76 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht alle Jugendliche halten Ausschau nach einer ernsten Beziehung, auch eine Freundschaft plus ist für viele eine Alternative.

          Sex ohne Beziehung : Warum „Freundschaft plus“ oft schiefgeht

          Man mag sich, man hat Sex, man will keine Beziehung. Die Psychotherapeutin Harriet Salbach erklärt, warum „Freundschaft plus“ bei Jugendlichen so beliebt ist – und für viele dann doch nicht das Richtige.
          Eine Mitarbeiterin des Robert Koch-Instituts (RKI) beschriftet während eines Fototermins nach einer Pressekonferenz zum Start der Studie "Corona-Monitoring lokal" eine Blutprobe für einen Antikörpertest.

          Coronavirus : RKI meldet 741 Neuinfektionen

          Das Robert Koch-Institut hat innerhalb eines Tages 741 neue Coronavirus-Fälle registriert. Wer in Nordrhein-Westfalen in Bus und Bahn keine Maske trägt, soll künftig 150 Euro Sofort-Bußgeld bezahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.