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Finanzmärkte : Die Stimmung verdüstert sich

Kommen die Bären wieder zurück? Bild: dpa

Trotz eines guten Laufs der Wall Street am Dienstag hat der deutsche Aktienmarkt den Mittwoch mit Abschlägen eröffnet. Spannend könnte es am frühen Nachmittag werden.

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          Die Vorzeichen für den Aktienmarkt waren am Mittwoch  gemischt. Wall Street hatte sich am Dienstag per saldo fest präsentiert und der S&P-500 mit einem Plus von 3 Prozent das des F.A.Z.-Index um mehr als das Doppelte übertroffen. Doch im asiatischen und im Terminhandel verdichteten sich am Morgen die negativen Signale. Warnungen vor der schlimmsten globalen Rezession seit den Dreißiger Jahren unterstrichen den wirtschaftlichen Schaden, den der Coronavirus-Ausbruchs bislang angerichtet hat. Auch Chinas Senkung des wichtigen mittelfristigen Zinssatzes auf Rekordtief, gab den Börsen nicht den nötigen Schwung.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der deutsche Standardwerteindex Dax steht mittlerweile 2,2 Prozent im Minus bei 10.460 Punkten, angeführt von der Automobilbranche, Die Aktie des Zulieferers Infineon gib 5,6 Prozent ab, der Aktienkurs von Continental fällt um 4,6 Prozent. BMW, Daimler und Volkswagen geben zwischen 3 und 4 Prozent nach. Der Terminhandel indiziert derzeit eine Eröffnung der Wall Street mit einem Minus von 2 Prozent.

          F.A.Z.-Index

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          Die Rohstoffmärkte preisen unterdessen die schwierigen und enttäuschenden Ergebnisse der Opec+- und G20-Gespräche der Kar- und Ostertage ein. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent ist auf 28,50 Dollar gefallen. Vor Ostern hatte er noch bei 36 Dollar gelegen.

          Amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI kostet mit 19,60 Dollar so wenig wie seit 2001 nicht mehr. Viel tiefer aber dürfte der Preis nicht sinken, meint Ipek Ozkardeskaya, leitende Analystin der Swissquote Bank. Sinke der Preis darunter, würde sich die Produktion für die meisten Ölfördernationen nicht mehr wirklich lohnen.

          WTI Light Sweet Crude Öl

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          Derzeit bestimmen die Überlegungen und Maßnahmen zur Lockerung der Corona-Beschränkungen das Stimmungsbild an den Märkten. „Die Abflachung von Infektionskurven und die Gedanken an mehr Stimulus gibt allen Auftrieb“, sagte Stephen Innes, Chef-Global Marktstratege bei AxiCorp. „Allerdings könnte das Bild trügerisch sein, da sich hinter den Schlagzeilen ein Sturm zusammenbraut - was darauf hindeutet, dass es noch viel zu befürchten gibt.“ Selbst als einige amerikanische Bundesstaaten eine Lockerung der Beschränkungen in Betracht gezogen hatten, stieg die Zahl der Todesopfer des Landes um mindestens 2.228, laut einer Reuters-Zählung ein Ein-Tages-Rekord. Ingesamt könnten rasche Lockerungen am Ende für die Börse sogar kontraproduktiv sein, herrscht doch große Unsicherheit, ob Lockerungsmaßnahmen derzeit tatsächlich schon angebracht sind. Eine zu frühe Lockerung aber könnte die Pandemie wieder aufflammen lassen.

          Zudem drücken die Zahlen der amerikanischen Banken auf die Stimmung. Auf mehr als 12 Milliarden Dollar werden die Verlustrückstellungen geschätzt, die die Finanzinstituten für uneinbringliche Kreditkartenschulden und Zahlungsausfällen aus der Ölindustrie vornehmen müssen. JP Morgan verloren 2,7 Prozent, nachdem der Gewinn der größten amerikanischen Bank infolge der Krise deutlich gefallen ist. Nur ein erwartet gutes Handelsergebnis hatte die Erfolgsrechnung gerettet. Wells Fargo konnte ein überraschend gutes Zinsergebnis vorweisen, was der Bank unter dem Strich einen Verlust ersparte. Dennoch bleiben im ersten Quartal nur noch 653 Millionen Dollar übrig, nach 5,9 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Auch die Bank of America und Goldman Sachs umelden am Mittwoch deutliche Gewinnrückgänge, Morgan Stanley folgen am Donnerstag.

          Fondsmanager zeigen sich sehr pessimistisch. Nach dem jüngsten „Global Fund Manager Survey“ der Bank of America rechnen nur noch 15 Prozent mit einer v-förmigen Erholung, 52 Prozent mit einer u-förmigen und somit einer längeren Schwächephase, die Jahre andauern könnte. Ein Fünftel geht von einer w-förnigen Erholung aus, ausgelöst von einer zweiten oder gar dritten Infektionsrunde. 7 Prozent rechnen gar mit einem “L“ -  einer langen Depression wie in den Dreißigern ohne echte Erholung.

          Amazon.com

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          Spannend könnte es am frühen Nachmittag werden, wenn in den Vereinigten Staaten die Einzelhandelsumsätze im März und ein konjunktureller Frühindikator für die vom Coronavirus so schwer betroffene Region New York im April veröffentlicht werden. Die Pandemie dürfte hier tiefe Spuren hinterlassen. "Für ein Drittel der Weltbevölkerung steht das Leben weitgehend still", sagte Stratege Matt Gertken vom Analysehaus BCA Research. In der Folge sei die wirtschaftliche Aktivität in den führenden Industriestaaten kollabiert.

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