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Finanzkrise : Schattenbanken bleiben im Dunkeln

Schattenbanken sind nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa verbreitet Bild: dpa

Die Schattenbanken haben in der Finanzkrise eine wesentliche Rolle gespielt. Von der Regulierung der Banken könnten sie profitieren.

          Im Jahr 1998 ist der amerikanische Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) als Folge von Milliardenverlusten in eine existenzbedrohende Krise geraten. Weil LTCM bei Banken hohe Kredite aufgenommen hatte, organisierte die New Yorker Federal Reserve Bank zusammen mit Investment- und Geschäftsbanken eine Rettungsaktion.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Hedgefonds zählen in der Sprache der Finanzmärkte zu den sogenannten Schattenbanken. Inwieweit Schattenbanken, die in der im Jahre 2007 ausgebrochenen Finanzkrise eine wichtige Rolle gespielt hatten, wieder zu einer Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems werden könnten, wird an den Märkten kontrovers diskutiert. Denn je stärker die Politik die Banken reguliert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Geschäfte von den hoch regulierten Banken zu den weniger stark regulierten Schattenbanken abwandern. Ein Beispiel ist die in den Vereinigten Staaten beschlossene Volcker-Regel, die den Eigenhandel der Banken beschneiden soll. Aus dieser Einschränkung folgt keineswegs zwingend, dass künftig weniger Eigenhandel an den Finanzmärkten betrieben wird. Der von den Banken vertriebene Eigenhandel kann in die Schattenbanken abwandern.

          In den Vereinigten Staaten sehr stark gewachsen

          Unter Schattenbanken werden Finanzhäuser verstanden, die bankähnliche Geschäfte betreiben wie die Kreditvergabe und Fristentransformation, ohne wie die Banken Zugang zur Zentralbank zu besitzen oder von staatlichen Garantien wie zum Beispiel einem Schutz von Einlagen zu profitieren. Zu den Schattenbanken werden so unterschiedliche Finanzhäuser gezählt wie Hedgefonds, Geldmarktfonds, Beteiligungsunternehmen, Maklerhäuser, Spezialfinanzierer wie Fannie Mae oder die in früheren Jahren von deutschen Banken in Irland betriebenen Zweckgesellschaften, die Häuser wie die IKB oder die Sachsen LB in die Bredouille brachten.

          Die Schattenbanken waren seit Beginn der neunziger Jahre in den Vereinigten Staaten sehr stark gewachsen; seit Mitte der neunziger Jahre übertraf ihre Bilanzsumme die der amerikanischen Geschäftsbanken. Im Jahre 2007 hatte die Bilanzsumme der Schattenbanken die Marke von 20 Billionen Dollar übertroffen, während sich die Bilanzsumme der Banken auf 12 Billionen Dollar belief. Seitdem haben sich die Verhältnisse umgekehrt, und im Jahre 2012 übertraf die Bilanzsumme der Banken mit rund 17 Billionen Dollar jene der Schattenbanken um rund 10 Prozent. Schattenbanken sind auch in Europa verbreitet, aber hier ist diese Branche deutlich kleiner als die Bankenbranche selbst.

          In den Blick der Regulierer sind unter anderem die Geldmarktfonds geraten. Sie sind vor allem als eine Konkurrenz zu Bankeinlagen zu sehen und investieren überwiegend in Wertpapiere mit kurzen Laufzeiten. So hatten amerikanische Geldmarktfonds vor der Krise viele kurzfristige Wertpapiere europäischer Banken und Zweckgesellschaften gekauft. Mit diesen Geldern hatten die Zweckgesellschaften nicht zuletzt langfristige amerikanische Wertpapiere gekauft, die unter anderem verbriefte Immobilienkredite erhielten. Mit dem Ausbruch der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten reduzierten die Geldmarktfonds die Käufe von kurzlaufenden Wertpapieren der Zweckgesellschaften, worauf diese in Schwierigkeiten gerieten.

          Keine spektakulären Konkurse von Hedgefonds

          Von dem Jahr 2011 an reduzierten die amerikanischen Geldmarktfonds zudem ihre Käufe kurzfristiger Wertpapiere europäischer Banken. In Europa sind Geldmarktfonds vor allem in Frankreich und Luxemburg verbreitet. In Deutschland haben sie niemals eine sehr große Bedeutung erlangt, da die deutschen Geldanleger nach wie vor eine hohe Präferenz für Anlagen auf Bankkonten haben.

          Ein großes Interesse haben auch Hedgefonds auf sich gezogen. Viele Fonds gerieten vom Herbst 2008 an in Schwierigkeiten, weil die Banken ihnen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers die Kreditlinien kürzten, worauf die Hedgefonds Wertpapiere mit großen Kursverlusten verkauften. Anders als im Falle LTCM kam es aber nicht zu spektakulären Konkursen von Hedgefonds, die staatliche Hilfen verlangt hätten.

          Gleichwohl ist in den vergangenen Jahren in den Vereinigten Staaten eine Diskussion entstanden, ob sich Hedgefonds nicht zu einer Gefahr für die Finanzstabilität entwickeln könnten. Das Argument lautet, dass die großen Hedgefonds immer größer werden dürften, zumal sich die Banken aus Regulierungsgründen aus manchen Geschäften zurückziehen müssen. Daher könnten manche Hedgefonds so groß werden, dass ihr Scheitern die Sicherheit des Finanzsystems bedrohen könnte. Bisher haben sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet.

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