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Finanzkrise : Häuser ohne Wert

Der Zusammenbruch des amerikanischen Häusermarktes war der Anfang. Bild: AFP

Vor zehn Jahren begann die größte Immobilienkrise der Geschichte. Zuerst erschütterte sie Amerika, dann die ganze Welt. Wieso hat das niemand kommen sehen?

          7 Min.

          Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der schwersten Finanzkrise der Menschheitsgeschichte, dass sich ihr Anfang nicht exakt bestimmen lässt. Man hat sich zwar darauf geeinigt, dass irgendwann im Jahr 2007 begann, was dann im September 2008 zur Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und 2009 zu einer Weltrezession führte – mit Folgen bis heute. Ein Blick in die Archive zeigt aber, dass Amerikas Immobilienmarkt den deutschen Zeitungen noch im Frühjahr 2007 kaum größere Meldungen wert war. Dabei war es dieser Markt, von dem aus bald danach Schockwellen um die Welt gehen sollten.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da war zunächst im April 2007 die Nachricht von der Pleite des amerikanischen Hypothekenfinanzierers New Century Financial Corporation. Dann im Juni die Meldung, dass zwei große Hedgefonds der Investmentbank Bear Stearns kurz vor dem Zusammenbruch standen – weil sie sich mit Hypothekenkrediten verspekuliert hatten.

          Und schließlich eine Neuigkeit, die dann auch in Deutschland auf die Titelseiten drängte: Die massiven Verluste der Düsseldorfer IKB-Bank Ende Juli 2007, deren Pleite nur durch ein milliardenschweres Rettungspaket verhindert werden konnte. Der Grund für diese Schieflage: Die Bank hatte sich mit amerikanischen Hypothekenkrediten verspekuliert.

          Stichwort Subprime-Kredite

          Trotz dieses Ereignisses glaubten Politik und Öffentlichkeit in Deutschland damals fest daran, dass man sich mit den Geschehnissen im fernen Amerika nicht weiter befassen müsste – eine eklatante Fehleinschätzung. Aber nicht mal in den Vereinigten Staaten selbst ahnten die Menschen, welch heftige Finanzkrise sich da quasi vor ihren Augen zusammenbraute. Heute, zehn Jahre später, drängt sich im Rückblick darum vor allem eine Frage auf: Wie konnten wir damals alle nur so blind sein? Und unmittelbar damit einher geht eine unterschwellige Angst: Kann das, was sich damals ereignete, wieder passieren?

          Die Antwort auf die erste Frage hat viel mit einem Wort zu tun, dass wie kein zweites für die Frühphase der Finanzkrise steht, die im Jahr 2007 einsetzte: Subprime. Was hatte es damit auf sich? Nirgends wird dies so anschaulich dargestellt wie im Finanzkrisenspielfilm „The Big Short“, der auf dem gleichnamigen Buch von Michael Lewis beruht.

          In einer Szene baut dort ein Banker aus vielen Holzklötzchen einen scheinbar stabilen Miniturm zusammen. Dann zieht er ein Holzklötzchen nach dem anderen heraus: Erst wankt der Turm nur ein wenig, doch irgendwann bricht er zusammen. Gefragt, was er da veranstalte, antwortet der Mann mit Blick auf die Holzklötzchen: „Das sind Subprime-Kredite.“ Und fügt dann mit Blick auf den zusammengestürzten Turm hinzu: „Und das ist Amerikas Häusermarkt.“

          „No income, no job, no assets“

          Das Bild spricht für sich. Es erklärt aber nicht, worum es sich bei Subprime eigentlich handelt. Dies sind Darlehen zum Kauf von Häusern oder Wohnungen, die die Banken an Amerikaner mit üblicherweise geringen finanziellen Mitteln vergaben. Dafür hatte sich der leicht beschönigende Name Subprime (frei übersetzt: nicht erstklassig) durchgesetzt. Erst als die Krise schon in vollem Gange war, wurde bekannt, dass viele Banker intern voller Geringschätzung einen anderen Namen für die Subprime-Schuldner verwendeten: Ninja. Die Abkürzung stand für „No income, no job, no assets“ - kein Einkommen, keine Arbeit, kein Vermögen.

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