https://www.faz.net/-gv6-8yhuk

Finanzkrise : Häuser ohne Wert

Unser Angebot für Erstwähler
Unser Angebot für Erstwähler

Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

Zum Angebot

Auch das reicht aber noch nicht aus, um die große Krise zu erklären, die vor zehn Jahren ihren Anfang nahm. Es kam noch ein drittes Element hinzu – und das hatte allein mit den Banken zu tun. Denn ausgerechnet die Fachleute der Banken, die noch am ehesten die These der stetig steigenden Preise hätten hinterfragen können, wähnten sich damals in einer Art neuem Finanzzeitalter.

Verbriefung war das Zauberwort, dem sich nahezu die gesamte Branche hingab. Denn diese Verbriefungen schienen den Traum eines jeden Bankers wahrzumachen. Sie wirkten wie das perfekte Mittel, um die Risiken des Geschäfts ein für alle Mal ausschalten zu können.

Wie es seinen Anfang nahm

Vereinfacht funktionierte dies so: Eine Verbriefung ist nach der Definition des Ökonomen Martin Hellwig nichts anderes als ein Verfahren, mit dem Banken ihre Kredite und Hypotheken an andere Investoren verkaufen. Was so lapidar klingt, ist finanztechnisch betrachtet eine Sensation. Denn durch dieses Verfahren gelingt es, aus einer eigentlich nicht handelbaren Sache, nämlich Hauskrediten, etwas Handelbares zu machen – Wertpapiere, die durch Hypotheken gedeckt sind. Diese Wertpapiere erlangten unter dem Namen Mortgage backed securities einige Berühmtheit.

Es waren Investmentbanken wie Lehman Brothers, die sich in der Fabrikation der Wertpapiere besonders hervortaten: Sie kauften anderen Banken in großem Stil Hypothekenkredite ab, bündelten sie in einem Paket und verkauften dies als durch Hypotheken (also letztlich durch Häuser) abgesichertes Wertpapier wieder an andere Investoren.

Um dies genau zu verstehen, muss man sich im Detail klarmachen, was da passierte: Ein einzelner Hypothekenkredit ist für sich genommen nicht handelbar. Welcher Investor sollte ihn kaufen, wo er doch gar nichts über den Schuldner weiß, der den Kredit aufgenommen hat? Werden jedoch viele Immobilienkredite gewissermaßen in einem Wertpapier zusammengefasst, nähert sich die Kreditqualität immer mehr dem amerikanischen Durchschnitt an. Sie wird gewissermaßen berechenbar. Der Investor, der solch ein Papier kauft, erhält dann einen Teil der Zahlungen, die die Kreditnehmer leisten müssen, als Ertrag.

Risiko über die ganze Welt verstreut

Der komplizierte Vorgang führt zu einem angenehmen Resultat für all jene Banken, die ihre Hypothekenkredite auf diese Weise weiterverkaufen: Sie sind die Risiken der Kredite größtenteils losgeworden (auch die Risiken der problematischen Subprime-Kredite) und sind nun frei, noch mehr Kredite zu vergeben. Besseres kann Banken für ihr Geschäft nicht passieren.

Solche Verbriefungen hatte es zwar schon seit den 1980er Jahren gegeben, doch ihre stärkste Wirkung konnten sie erst unter den Bedingungen einer global agierenden Bankenbranche entfalten. Denn in einer Welt offener Finanzmärkte konnten nun Banken von überall diese Verbriefungen kaufen – das Risiko war also über die ganze Welt gestreut. Ein vermeintlich idealer Zustand.

Doch die Fachleute waren so verliebt in dieses scheinbar perfekte Modell, dass sie etwas Entscheidendes übersahen: das systemische Risiko, wie die Ökonomen es nennen. Was nämlich, wenn nicht nur ein paar Amerikaner ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können, sondern viele auf einmal?

Weitere Themen

Topmeldungen

Donald Trump

Amerika und China : Europa, lass dich nicht erpressen!

Die Globalisierung kehrt sich um. Das Verhältnis zwischen Amerika und China wird immer schlechter. In Amerika spricht man ganz offen von einem kalten Krieg. Europa muss sich jetzt behaupten. Es hat eigene Trümpfe.

Zusammenstöße im Libanon : Viele Verletzte bei Protesten in Beirut

Tausende treibt die Wut auf die politische Führung des Libanon auf die Straßen. Demonstranten sollen das Außenministeriums gestürmt haben. Vermutlich fielen in der Stadt auch Schüsse. Ministerpräsident Diab schlägt vorgezogene Neuwahlen vor.
Das Atomkraftwerk Dukovany in der Tschechischen Republik

Energiewende : Die Atomkraft lebt weiter

Viele Staaten setzen nach dem Kohleausstieg auf Atomkraft, so zum Beispiel Tschechien. Die Grünen wollen das torpedieren – mit Hilfe der EU.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.