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Deutsche Reeder haben Angst : Finanzinvestoren bilden eine riesige Geisterflotte

Containerschifffahrt im Hamburger Hafen Bild: Thies Raetzke/laif

Große Pakete fauler Schiffskredite wechseln den Besitzer. Die Fonds können damit viel verdienen. Die Reeder fürchten den Ausverkauf der deutschen Schifffahrt.

          Es ist ein besonderer Auftrag, den die Mitarbeiter vom Spezialkreditmanagement der HSH Nordbank in Hamburg haben. Rund zwei Dutzend Fachleute der Abteilung, die intern nur SKM genannt wird, verwalten das sogenannte „X-Portfolio“ – einen Berg fauler Schiffskredite, den die Bank bis vor kurzem noch auf der eigenen Bilanz hatte.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Im Zuge ihrer Privatisierung hat sie die Kredite an ihre neuen Eigner abgegeben, eine Gruppe von Finanzinvestoren um JC Flowers und Cerberus, die das Paket über einen Servicevertrag weiter von der Bank verwalten lassen. Allerdings mit neuer Strategie, und genau die treibt den Kreditnehmern, darunter viele Reeder aus Norddeutschland, den Angstschweiß auf die Stirn. Viele fürchten einen Ausverkauf des Schifffahrtsstandorts Deutschland.

          Insgesamt umfasst das Portfolio 6,3 Milliarden Euro, darunter auch Kredite für Immobilien, Flugzeuge und Unternehmenskunden. Der größte Teil entfällt aber auf Schiffskredite, mit denen die Nordbank nach Marktschätzungen rund 250 Frachter mitfinanziert hatte. Um die Privatisierung der Bank – eine Auflage der EU-Kommission im Gegenzug für Beihilfen der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein – vollziehen zu können, mussten die Altlasten komplett aus der Bilanz verschwinden. Eine Aufgabe, welche die neuen Eigner gerne übernahmen, denn: Sie erhielten die Kredite, welche die Bank zuvor mehrfach zu Lasten einer Staatsgarantie der Länder im Wert berichtigt hatte, zum Schnäppchenpreis, wodurch die ganze Übernahme der HSH Nordbank erst richtig interessant wurde.

          „Auswirkungen auf den Schifffahrts-Standort Deutschland“

          Jetzt können sie frei darüber verfügen, etwa indem sie leistungsgestörte Darlehen fällig stellen und die Eigner zum Verkauf zwingen. „Ich erwarte, dass auf diesem Weg etliche Frachter mit Gewinn ins Ausland losgeschlagen werden“, sagt ein Banker, der nicht genannt werden will.

          Zusätzliche Brisanz bekommt das Thema, weil auch in Hannover ähnliche Schritte geplant sind. Die dortige Landesbank, die Nord LB, braucht frisches Kapital und erwartet bis Freitag verbindliche Angebote von bis zu drei Finanzinvestoren – Cerberus, Centerbridge und Apollo – für eine Minderheitsbeteiligung. Für den Fall, dass diese Gespräche scheitern, feilt die Sparkassen-Finanzgruppe, zu der die Nord LB als öffentlich-rechtliche Bank gehört, an eigenen Lösungen.

          Parallel sollen auch in Hannover Schiffskredite herausgelöst werden, um die Bilanz zu entlasten. Nach Informationen der F.A.Z. sollen so rund 40 Mehrzweckschiffe (MPP) an die Hamburger Reederei Auerbach gehen, die sich dafür Finanzinvestoren an die Seite geholt haben soll. An zwei weit größeren Portfolios namens „Big Ben“ und „Tower Bridge“ im Umfang von insgesamt 6,4 Milliarden Euro, hinter denen Hunderte Containerfrachter und andere Schiffstypen stehen, ist aber wie in Hamburg der New Yorker Fonds Cerberus interessiert. Für mindestens eines der Pakete hat er schon Verträge ausgehandelt – und könnte so bald auf einer riesigen Schiffsflotte sitzen.

          „Viele Arbeitsplätze sind in Gefahr“

          Die Reeder sehen den Prozess der Kreditverkäufe kritisch. „Wenn große Portfolios an Schiffskrediten ins Ausland gehen, hat das erhebliche Auswirkungen auf den Schifffahrts-Standort Deutschland“, sagt der Präsident des Branchenverbands VDR, Alfred Hartmann, im Gespräch mit der F.A.Z. Er verweist darauf, dass die Flotte deutscher Eigner, überwiegend sogenannte Charterreeder, die ihre Schiffe an Linienschifffahrtsgesellschaften wie Maersk oder Hapag-Lloyd vermieten, immer kleiner wird. Zuletzt umfasste sie knapp 2400 Frachter, 40 Prozent weniger als zum Höchststand 2011.

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