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Deutsche Reeder haben Angst : Finanzinvestoren bilden eine riesige Geisterflotte

Dieser Rückgang werde durch die Transaktionen zwischen Banken und Finanzinvestoren weiter beschleunigt, mit Folgen für die Beschäftigten. „Hinter den Finanzierungen stehen Schiffe und Reedereien; daran hängen vor allem in Norddeutschland Tausende Arbeitsplätze. Viele davon sind in Gefahr.“ Nord LB und HSH Nordbank wollten sich zur Strategie der Finanzinvestoren nicht äußern.

Dass die Banken die Engagements endgültig loswerden wollen, hat mit den unverändert schlechten Aussichten der Schifffahrt zu tun, die von Überkapazität und Wettbewerb geprägt ist. Schon seit Jahren steigt dadurch das Risiko, dass deutsche Charterreeder, die im Boom vor der Finanzkrise mit Anlegergeld aus geschlossenen Schiffsfonds und allzu freigiebig verteilten Krediten – besonders von den Landesbanken – eine viel zu große Flotte aufgebaut hatten, Zins und Tilgung nicht mehr planmäßig leisten können. In der Folge haben die Banken hohe Wertberichtigungen vorgenommen.

Doch für die Aufsicht und die Ratingagenturen reicht das nicht, weshalb die Finanzinvestoren eine gute Verhandlungsposition haben. So bekam die Gruppe um JC Flowers und Cerberus das „X-Portfolio“ der HSH Nordbank, das nach Risikovorsorge noch mit 3,5 Milliarden Euro in der Bilanz stand, mit zusätzlichem Abschlag von einer Milliarde Euro. Da dies exakt dem Kaufpreis entsprach, den sie für die Bank an Hamburg und Schleswig-Holstein zahlen mussten, entstand zumindest öffentlich der Eindruck, dass sie beides, Bank und Kredite, letztlich geschenkt bekamen.

Im Fall der Nord LB könnte der Rabatt noch höher liegen, was entsprechende Abschreibungen verursachen und eine Lücke in die Kapitaldecke reißen dürfte. Genau das ist der Grund, warum die Bank parallel nach Investoren sucht, die mit frischem Geld einsteigen.

Durch die günstigen Konditionen haben die Fonds kaum ein Risiko, mit den Kreditpaketen Verlust zu machen. Auch für die Reeder müsse es nicht schlecht laufen, sagt ein Anwalt, der seit Jahren in der Branche tätig ist. Denn anders als die Banken haben die Finanzinvestoren keinen Druck durch die Aufsicht. Wenn es sich lohnt, können sie Frachter unter dem Dach der bisherigen Eigner lassen und warten, dass der Markt sich erholt und der Kapitaldienst wieder geleistet wird. In anderen Fällen sei aber schon verstärkter Verkaufsdruck spürbar, heißt es. An potentiellen Käufern herrscht kein Mangel. „In China, Griechenland oder Amerika gibt es viele finanzstarke Reeder und Investoren, die an den Schiffen großes Interesse haben“, sagt ein Berater. Die Kaufpreise dürften zwar oft nur einen Bruchteil der früheren Neubaupreise betragen, für die Finanzinvestoren ist das aber trotzdem ein gutes Geschäft.

In Deutschland hingegen dürften die Folgen schmerzhaft sein. Besonders kleinere Charterreeder stehen vor dem Aus, etwa im Alten Land, einer Region rund um das niedersächsische Jork, wo viele solcher Unternehmen sitzen. Dort drohten „erhebliche Einschnitte“, sagt der Reederpräsident Hartmann. Gleiches gelte für die Region rund um Emden, Leer und Haren, auch in Hamburg seien Unternehmen betroffen. Zwar gibt er sich zuversichtlich, dass „eine auch für die Schifffahrt in Deutschland gute Lösung“ gefunden wird. In der Branche wird aber erwartet, dass sich die Reihen der Unternehmen weiter lichten und nur einige Große übrig bleiben.

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