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Versagen im Fall Wirecard : „Der nächste Finanzskandal ist nur eine Frage der Zeit“

Der Volkswirt Gerhard Schick leitet die Bürgerbewegung Finanzwende. Früher saß er für die Grünen im Bundestag. Bild: Finanzwende

„Da wurde zu oft ein Auge zugedrückt“: Im Interview spricht Finanzexperte Gerhard Schick über das Versagen der Wirtschaftsprüfer im Wirecard-Fall und die Fehler der Bundesregierung bei der Aufarbeitung.

          6 Min.

          Herr Schick, Sie leiten die Bürgerbewegung Finanzwende, mit der Sie Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten bekämpfen wollen. Was hat Sie zuletzt am meisten geärgert?

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da könnte ich Ihnen einiges aufzählen. Aber in seiner Dimension stach sicherlich der Wirecard-Skandal heraus. Er hat mir gezeigt, dass wir uns mehr mit einer Berufsgruppe beschäftigen sollten, die bei früheren Skandalen immer etwas unter dem Radar geblieben ist. Ich spreche von den Wirtschaftsprüfern.

          Wieso muss es mich interessieren, wie Wirtschaftsprüfer ihre Arbeit machen?

          Weil man ihre Bedeutung für das moderne Wirtschaftsleben kaum hoch genug einschätzen kann. Auch wenn das nur den wenigsten bewusst ist: Wirtschaftsprüfer haben eine ähnliche Aufsichtsfunktion wie die Lebensmittelkontrolleure im Nahrungsmittelbereich. Salmonellen im Essen kann ich als Restaurantbesucher nicht mit bloßem Auge erkennen, ich muss mich also darauf verlassen, dass regelmäßig mal jemand in die Küche schaut, um zu prüfen, ob dort sauber gearbeitet wird. Nichts anderes tun im übertragenen Sinne die Wirtschaftsprüfer: Sie haben die Aufgabe sicherzustellen, dass sich alle anderen auf die Bilanzzahlen eines Unternehmens verlassen können.

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