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Warnung vor laxen Standards : Finanzaufsicht sorgt sich um Kreditvergabe

  • Aktualisiert am

Bafin-Schriftzug vor dem Sitz in Bonn Bild: dapd

Die Konjunktur verliert an Tempo. Damit wächst das Risiko, dass mancher Kreditnehmer Schwierigkeiten bei der Rückzahlung des Geldes bekommt. Die Finanzaufsicht mahnt Banken zur Wachsamkeit.

          Angesichts der Konjunktureintrübung warnt die deutsche Finanzaufsicht Bafin Banken vor einer zu laxen Kreditvergabe. Deutschland blicke auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahrzehnt zurück, in dem die Quote der notleidenden Kredite deutlich gesunken sei, sagte Raimund Röseler, oberster Bankenaufseher bei der Bafin am Dienstag in Frankfurt. „Aber die Zeiten können sich ändern.“ Bafin-Präsident Felix Hufeld betonte: „Wir machen uns hohe Sorgen um die Kreditvergabestandards.“

          Angesichts hoher Liquidität im Markt bei gleichzeitig begrenzter Kreditnachfrage könnten viele Banken versucht sein, Kredite zu besonders guten Konditionen zu vergeben, erläuterte Röseler. „Eine mögliche Erosion der Kreditvergabestandards in Verbindung mit einer reduzierten Risikovorsorge kann eine Gefahr für die Finanzstabilität darstellen“, warnte Röseler. Gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank hat die Bafin daher eine Umfrage zu den Vergabestandards bei knapp 100 Instituten in Deutschland gestartet. Die Ergebnisse stehen noch aus.

          Zudem beschäftigt sich seit Anfang des Jahres eine Einheit mit Geldhäusern, die die Bafin besonders intensiv beaufsichtigt. „Wir haben keine Intensivstation aufgebaut, weil wir glauben, den deutschen Banken gehe es schlecht. Aber wir wollen Vorsorge betreiben, solange die Konjunktur noch gut ist, um gerüstet zu sein, wenn es wirklich zu einem Abschwung kommt“, sagte Röseler.

          Kritik an Kosteninformationen

          Zugleich drückt die Zinsflaute die Gewinne von Banken und Sparkassen. Die Aufseher von Bafin und Bundesbank beobachten die vergleichsweise niedrige Profitabilität der Branche schon seit längerer Zeit mit Sorge. Bafin-Präsident Hufeld wies mit Blick auf Risiken wie Zinstief und Konjunkturabkühlung daraufhin, dass die Akteure auf den Finanzmärkten untereinander stark vernetzt seien. „Die Gefahr der Ansteckung ist also groß.“ Zugleich kritisierte Hufeld die Kosten deutscher Finanzhäuser als zu hoch. Alle Institute müssten in diesem Punkt ihre Hausaufgaben machen.

          Nachbesserungsbedarf sieht die Bafin bei Details der Vorschriften für die Beratung von Bankkunden bei Wertpapiergeschäften in Europa. „Die Kosteninformationen für die Kunden fallen noch immer sehr unterschiedlich aus, was einen echten Kostenvergleich unmöglich macht“, sagte Elisabeth Roegele, Chefin der Bafin-Wertpapieraufsicht. Seit Januar 2018 greift die EU-Richtlinie Mifid II. Seither müssen Kunden vor der Entscheidung für ein Finanzprodukt unter anderem eine genaue Aufstellung erhalten, wie viel sie das Produkt kostet.

          Zu einigen Detailfragen der Mifid-II-Umsetzung gebe es in einzelnen EU-Mitgliedsstaaten nach wie vor unterschiedliche Vorstellungen. „Ich halte es aber für dringend erforderlich, dass auf europäischer Ebene noch einmal nachjustiert und an Kompromissen gearbeitet wird“, sagte Roegele.

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