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Digitales Geld : Bafin-Präsident sieht große Kontrollaufgabe der Finanzaufsicht

  • -Aktualisiert am

Bafin-Präsident Felix Hufeld im Gespräch Bild: Wolfgang Eilmes

Die Finanzaufsicht Bafin ist unter ihrem Präsidenten Felix Hufeld flexibler und schlagkräftiger geworden. Er bringt die deutschen Banken beim Umbau ihrer Geschäfte auf Trab und behält die Gefahr von Cyberangriffen im Auge.

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          Felix Hufeld, Deutschlands oberster Finanzaufseher will angesichts wachsender politischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit die Gefahr neuer Finanzkrisen im Auge behalten. Aus Sicht des Bafin-Präsidenten sind neben den klassischen Risiken wie dem massenhaften Ausfall von Krediten oder stark veränderten Zinsen neue Gefahren auf den Plan getreten.

          „Finanzinstitute werden täglich von Angreifern aus dem Internet attackiert“, sagte Hufeld am Dienstag anlässlich eines Treffens mit Wirtschaftsjournalisten in Frankfurt. Die Folgen solcher Cyberangriffe seien bisher begrenzt geblieben. Doch es sei nicht vorhersehbar, ob nach einer Attacke auf die Computersysteme von Banken der Zahlungsverkehr in Deutschland nicht doch für Tage ausfallen könne.

          Onlinebanking im Fokus

          Störungen der Computersysteme bei Banken sind laut Hufeld aber meist die Folge interner Fehlern, wenn etwa eine Aktualisierung der Software schiefläuft oder Mitarbeiter irrtümlich falsche Daten eingeben. In solchen Fällen fragt die Bafin die betroffenen Institute sofort nach dem Grund des Ausfalls.

          Häufen sich Fehler, greift die Behörde ein und verlangt von der Bank, ihre Organisation oder die Zusammenarbeit mit ihren IT-Dienstleistern zu verbessern. Derzeit nehmen laut Hufeld bei der Bafin allerdings die Beschwerden von Kunden über das Onlinebanking zu. Davon seien oft junge Finanzunternehmen betroffen, für die es aber keinen Bonus geben dürfe. Deren Kunden seien genauso zu schützen wie die Kunden etablierter Geldhäuser.

          Einsatz in puncto Brexit

          Der 58-jährige Hufeld kommt aus der Privatwirtschaft und ist seit März 2015 Präsident der Bafin. Unter seiner Führung tritt die Bafin entschlossener auf als unter seinen Vorgängern und hat viele zusätzliche Aufgaben erhalten. Sie beaufsichtigt nicht nur Banken, sondern kümmert sich um die Wertpapieraufsicht und den Schutz von Verbrauchern auf dem Finanzmarkt. Sie hat sich auch dafür eingesetzt, den Finanzplatz Frankfurt und den Standort Deutschland auf den Brexit vorzubereiten.

          Nach einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union könnten viele internationale Finanzinstitute ihren Sitz nach Frankfurt verlagern. Die Behörde habe hunderte Gespräche mit Banken geführt. „Die Finanzaufsicht darf aber nicht zum Standortmarketing mutieren“, sagte Hufeld. Stattdessen hat sich die Bafin in den europäischen Aufsichtsgremien dafür eingesetzt, dass die in London angesiedelte Abwicklung von Zahlungen in der Gemeinschaftswährung Euro auch nach einem Brexit funktionieren kann.

          Bankenstresstest im Sommer

          Neben den Gefahren aus dem Internet will Hufeld klassische Risiken für das Finanzsystem nicht aus den Augen verlieren. So könnten von hartem Wettbewerb getriebene Banken der Versuchung erliegen, leichtfertig Kredite an bonitätsschwache Schuldner zu vergeben. Für die Finanzaufsicht sei nur schwer zu erkennen, wenn Banken die Klauseln im Kleingedruckten ihrer Kreditverträge aufweichen.

          Die Bafin will dieses Problem auch in ihrem gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank im April gestarteten Stresstest für kleinere und mittlere Banken stärker beleuchten. Die Ergebnisse des Stresstests werten beide Behörden im Sommer aus und werden sie im Herbst veröffentlichen.

          Druck auf die Banken wird steigen

          Dabei hinken die Banken aus Hufelds Sicht mit dem Umbau ihrer Geschäftsmodelle hinterher. „Scheinbar ist der Leidensdruck noch nicht hoch genug“, sagte er. Der wirtschaftliche Druck auf die Institute könnte steigen, falls die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik tatsächlich weiter lockert.

          In einem solchen Fall drohen den Banken höhere Strafzinsen auf Geld, dass sie bei der Notenbank parken. Jeder Basispunkt über die bisherigen 0,4 Prozent hinaus dürfte sie einige 100 Millionen Euro kosten. Deutsche Banken haben laut Hufeld zwar kein Problem mit notleidenden Krediten, kämpfen aber mit zu hohen Kosten. Um einen Euro zu verdienen, müssten viele Geldhäuser 70 bis 80 Cent oder mehr ausgeben.

          Der Bafin-Präsident erwartet daher, dass viele Banken ihr Geschäft einstellen und vom Markt verschwinden werden. Dass treffe vor allem kleinere und mittelgroße Institute, die keinem Finanzverbund angehören, der sie auffangen könne. Aber auch größere Banken können laut Hufeld in einigen ihrer Geschäftsfelder nicht mehr profitabel arbeiten. Sie müssten bestehende Geschäfte aufgeben und neue aufbauen.

          Facebooks Libra als große Hausaufgabe

          Die Pläne des Internetgiganten Facebook, im kommenden Jahr eine neue Währung einzuführen, bezeichnete der Bafin-Präsident als eine große Hausaufgabe für Politiker und Finanzaufseher. „Wenn Libra sich stark verbreitet, stellt sich die Frage der Kontrolle“, sagte Hufeld.

          Dabei sei unklar, was man angesichts des digitalen und globalen Phänomens überhaupt tun könne. Hufeld hält dabei ein international abgestimmtes Konzept für entscheidend. Der Finanzaufseher vermutet, dass Libra sich vor allem bei Nutzern in den Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Südostasiens verbreiten dürfte. In diesen Ländern sei der Nutzen einer Internetwährung besonders hoch, da viele Personen dort keine Möglichkeit haben, Bank- und Finanzdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Smartphones dagegen seien auch in Entwicklungsländern stark verbreitet.

          Hufeld dämpfte dagegen die Hoffnung deutscher Privatanleger, die störende Pflicht zur Aufzeichnung von Telefonaten mit dem Bankberater wieder los zu werden. Die seit Anfang 2018 geltenden europäischen Finanzmarktregeln (MiFID II) schreiben teils bürokratische Dokumentationen von Wertpapiergeschäften vor. Dazu gehört auch die Aufzeichnung von Anrufen der Bankkunden beim Wertpapierberater.

          „Ich würde die Aufzeichnung von Telefonaten lieber heute als morgen abschaffen, bin aber pessimistisch“, sagte Hufeld. Andere Länder würden in der Abneigung gegen die Telefonaufzeichnung eine deutsche Obsession sehen und geradezu belustigt reagieren, wenn das Thema in europäischen Gremien zur Sprache komme.

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