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Fin Analyticas : Elfenbeinturm und Praxis

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Nach angelsächsischem Vorbild hat der Karlsruher Professor Svetlozar "Zari" Rachev vor einigen Jahren den Schritt aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft in die Praxis getan: Er hat ein Unternehmen gegründet, die Bravo Risk Management Group, die seine Modelle vermarktet.

          Nach angelsächsischem Vorbild hat der Karlsruher Professor Svetlozar „Zari“ Rachev vor einigen Jahren den Schritt aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft in die Praxis getan: Er hat ein Unternehmen gegründet, die Bravo Risk Management Group, die seine Modelle vermarktet. Die Bravo ist inzwischen in der Fin-Analytica Inc. mit Sitz in Seattle und New York aufgegangen. Zu deren Kunden zählen vor allem Vermögensverwalter, dabei insbesondere auch Hedge-Fonds.

          Nach Angaben von Rachev, der an der Fin-Analytica beteiligt ist und bei ihr als „Chief Scientist“ mitwirkt, kommen Vermögensverwalter und Risikomanager allmählich auf den Geschmack an diesen Modellen. Zu den Kunden zählen zum Beispiel die große britische Fondsgesellschaft Morley sowie der amerikanische Hedge-Fonds Tremont.

          Streit um die besten Verteilungen

          Francess Cowell, die bei Morley das Risikomanagement von sechs Hedge-Fonds verantwortet, hat nach eigenen Angaben ein Dutzend Risikomanagement-Softwareprodukte mehrerer Anbieter evaluiert, vier davon ein Jahr lang.

          Die Wahl sei schließlich auf Fin-Analyticas Cognity-Software gefallen. Diese erfasse die Vielfalt und Komplexität der modernen Derivate am besten, sagt Cowell. In der Wissenschaft ist der Nutzen „stabiler Verteilungen“ für die Portfolio-Optimierung freilich umstritten. Beispielsweise meint Ernst Eberlein, der in Freiburg am Lehrstuhl für mathematische Stochastik forscht, daß eine andere Klasse von Verteilungen - „generalized hyperbolic models“ - für diese Aufgabe besser geeignet und ebenfalls praxistauglich sei.

          Die Fin-Analytica beschäftigt gut drei Dutzend Mitarbeiter, hauptsächlich in New York und Sofia, davon den größten Teil Mathematiker. Als Hauptkonkurrenten sieht Rachev vor allem Barra und Algorithmics. Barra berät seine Kunden bereits seit Mitte der siebziger Jahre bei allen Fragen rund ums Risikomanagement.

          Der Traum von eigenen Fonds

          Das amerikanische Unternehmen zählt in acht Ländern mehr als 500 Mitarbeiter. Die kanadische Algorithmics gehört seit Angang 2005 zur Ratingagentur Fitch und beschäftigt rund 550 Mitarbeiter. Abgesehen davon, berichtet Rachev, hätten einige der Hedge-Fonds und Investmentbanken, mit denen er im Gespräch sei, sehr raffinierte - und ertragreiche - Modelle entwickelt, die allerdings typischerweise nicht vermarktet würden.

          Rachev und sein Kollege Professor Stefan Mittnik arbeiten daran, ihre Modelle weiter zu verfeinern. Ein Projekt ist zum Beispiel, die Konzepte dem Intraday-Handel mit seinen vergleichsweise sehr großen Kursschwankungen anzupassen.

          Doch will sich Fin-Analytica in Zukunft nicht allein auf die Entwicklung von Modellen für das Risikomanagement und die Portfolio-Optimierung beschränken. Man erwäge, Fonds in eigener Regie aufzulegen und dann mit den selbstentwickelten Konzepten auf die Jagd nach Rendite zu gehen, sagt Rachev. Spätestens dann wird der Wissenschaftler erfahren, ob die Praxis hält, was die Theorie verspricht.

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