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Immobilien : Fertighäuser sind vor allem in Süddeutschland gefragt

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Aufbau eines Fertighauses in Straubing in Niederbayern Bild: dpa

Der Aufschwung im Bau von Wohnungen beflügelt auch die Fertighausbauer. Ihr Marktanteil steigt seit Jahren langsam, aber stetig.

          Die weiterhin niedrigen Zinsen, der wachsende Bedarf durch die hohe Zuwanderung und die gute Konjunktur treiben den Wohnungsbau an. Davon profitiert die gesamte Baubranche und damit auch die Hersteller von Fertighäusern. Das Umfeld habe die Nachfrage in den vergangenen Jahren sehr beflügelt, sagt Mathias Schäfer, geschäftsführender Gesellschafter der Fingerhaus GmbH mit Sitz im hessischen Frankenberg. Seit den vergangenen drei Jahren bestehe eine besonders hohe Auslastung. 2015 setzte das Familienunternehmen 704 Häuser ab, in diesem Jahr werden es voraussichtlich 730 Häuser sein.

          Im Schnitt geben die Kunden für ihr Eigenheim bei dem Mittelständler zwischen 240.000 und 260.000 Euro aus, berichtet Schäfer. Die Ausstattung im Bad oder auch mit Fußböden sei in den vergangenen Jahren gestiegen. „Im Bad dürfen es gerne höherwertige Fliesen oder Armaturen sein.“ Fertighäuser sind längst keine Häuser mehr von der Stange, sondern individuell geplant. Von Januar bis April 2016 hat die Branche eine stark steigende Nachfrage verzeichnet: 6298 der insgesamt 37.589 neu genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland waren Fertighäuser, wie Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF), erläutert. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei die Nachfrage nach Fertighäusern mit einem Plus von 24,1 Prozent stärker als der Gesamtmarkt gestiegen, der „nur“ plus 19,3 Prozent erreicht habe. Nach Angaben von Klaas haben die Hersteller ihren Marktanteil in den vergangenen 20 Jahren stetig ausgebaut. Im Jahr 1995 habe dieser noch 12,1 Prozent beziehungsweise im Jahr 2005 noch 14,1 Prozent betragen. Für das vergangene Jahr wurde der Marktanteil nun mit 17 Prozent beziffert. „Das zeigt, dass immer mehr Bauherren die Fertigbauweise dem konventionellen Bauen vorziehen“, sagt der Verbandsvertreter.

          Entscheidung für einen barrierefreien Bungalow

          Bundesregierung und Immobilienwirtschaft schätzen den jährlichen Neubaubedarf auf 350.000 bis 400.000 Wohnungen. 2015 ist das Ziel merklich verfehlt worden: 247.700 Wohnungen wurden fertiggestellt - so viele wie seit 2006 nicht mehr, aber weniger als angenommen. Dank des guten Starts ins Jahr rechnet die Baubranche mit dem höchsten Umsatz seit fast 20 Jahren. Die Erlöse dürften 2016 um 3,5 Prozent auf knapp 105 Milliarden Euro steigen, wie der Branchenverband HDB mitteilt. Wegen des milden Winters und der guten Auftragslage verbuchten die Betriebe im ersten Quartal fast 5 Prozent Wachstum. Fingerhaus-Geschäftsführer Schäfer geht allerdings davon aus, dass der Boom nicht ewig anhalten wird. Er verweist auf den demografischen Wandel. „Der Markt wird in zehn bis fünfzehn Jahren schrumpfen“, gibt er sich überzeugt. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen Gedanken über eine Erweiterung der Kapazität wieder verworfen.

          Kernzielgruppe der Fertighaushersteller ist den Verbandsangaben zufolge nach wie vor die junge Familie, aber auch die Zahl der Bauherren in der zweiten Lebenshälfte nimmt zu. Jeder fünfte Bauherr eines Fertighauses sei über 50 Jahre alt, erläutert Klaas. Häufig entschieden sie sich für einen barrierefreien Bungalow. Im Durchschnitt dauert es drei bis vier Monate, bis sich ein Kunde entschieden hat, wie sein künftiges Fertighaus aussehen soll. Der Entscheidungsprozess geht in der Regel schneller vonstatten, als wenn man klassisch Stein auf Stein baut.

          „Dafür ist unsere Bauweise auch zu teuer, Fertighäuser sind schließlich keine Übergangslösungen.“

          Die künftigen Eigenheimbesitzer, die auf die traditionellen Fertighäuser setzen, sitzen zumeist im Süden der Republik. Spitzenreiter bei der Nachfrage sei im vergangenen Jahr unter den deutschen Flächenländern Baden-Württemberg mit einem Marktanteil von 29 Prozent gewesen, erklärt der Hauptgeschäftsführer. Es folgten Hessen mit 23,8 Prozent und Rheinland-Pfalz mit 22,5 Prozent. Knapp unter 20 Prozent lag Bayern mit 19,7 Prozent. Die 47 Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau, die den industriellen Fertigbau zu über 90 Prozent repräsentieren, haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 2 Milliarden Euro mit 9285 Beschäftigten erzielt.

          Mit der Erstellung von Unterkünften für Flüchtlinge hat die Branche nur äußerst selten zu tun. Klaas weist auf folgenden Umstand hin: „Dafür ist unsere Bauweise auch zu teuer, Fertighäuser sind schließlich keine Übergangslösungen.“ Kernmarkt ist das moderne Ein- und Zweifamilienhaus oder die hochwertige Lösung für den Objekt- und Gewerbebau. Fingerhaus selbst geht schon seit geraumer Zeit neue Wege, um sich breiter aufzustellen. So betätigt sich das Unternehmen gleichfalls im Bereich Umbau oder erstellt erste Objekte im Geschosswohnungsbau. Dabei werden das Skelett der bis zu siebengeschossigen Gebäude aus Beton und die Fassade und der Innenausbau in der bekannten Holzbauweise gefertigt.

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