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Amerikanische Notenbank : Fed senkt Leitzins abermals – obwohl Wirtschaft brummt

Amerikas Notenbank in Washington Bild: Reuters

Amerikas Notenbank will der eigenen Wirtschaft eine Wachstumsdelle ersparen – und beugt deswegen abermals den Leitzins. Es ist bereits die dritte Zinssenkung in diesem Jahr.

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          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat erwartungsgemäß die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Sie trägt damit nach eigenen Angaben internationalen Entwicklungen und mangelndem Inflationsdruck Rechnung. Es handelt sich um die dritte Zinssenkung in diesem Jahr. Fed-Chef Jerome Powell beschrieb die abermalige Lockerung als Versicherung gegen Abwärts-Risiken. Die neue Zielbandbreite der Zinsen für die Übernacht-Ausleihungen zwischen Geschäftsbanken liegt nun zwischen 1,5 und 1,75 Prozentpunkten.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Fed verweist auf eine moderate Konjunkturentwicklung, die durch weiter kräftig steigende Konsumausgaben und solide Beschäftigungsentwicklung geprägt sei. Mittlere und niedrige Löhne seien deutlich gestiegen. Exporte und Investitionen seien dagegen schwach geblieben. Ein maues Wachstum im Ausland und die Handelskonflikte hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt, sagte Fed-Chef Powell. Er erwarte aber nicht, dass eine Lösung der Handelskonflikte sich unmittelbar in wirtschaftliche Aktivität ummünze.

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          Powell dämpfte auch die Erwartung einer weiteren Zinssenkung noch in diesem Jahr mit dem Hinweis, dass die Geldpolitik gut positioniert sei.

          Powell hob zugleich hervor, dass die Geldpolitik nicht einem festgelegten Pfad folge. Die Fed werde ihren Kurs ändern, wenn sich der Konjunkturausblick in materiellem Ausmaß ändere. UBS-Strategist Leslie Falconio wertet die Aussagen so, dass der Leitzins für die nächsten Fed-Sitzungen auf dem neuen Niveau bleibt, wenn nichts Schlechtes passiere. Powell erwarte nicht, dass in absehbarer Zeit die Inflation so stark steige, dass eine Zinserhöhung gerechtfertigt sei.

          Das Votum im Offenmarktausschuss der Fed fiel abermals nicht einmütig. Zwei der zehn stimmberechtigten Zentralbanker votierten gegen die Lockerung. Sie wollten die Leitzinsen auf dem bisherigen Niveau belassen. Offenbar hatten sie nicht genügend Gründe in Amerikas wirtschaftlicher Entwicklung gesehen, um die Konjunktur durch Zinssenkungen zu stimulieren.

          Tatsächlich hat die amerikanische Wirtschaft ihr robustes Wachstumstempo im dritten Quartal 2019 aufrecht erhalten. Die am Mittwoch veröffentlichte Regierungsstatistik verzeichnete ein annualisiertes Wachstum von 1,9 Prozent für die Zeitspanne von Anfang Juli bis Ende September. Das ist eine deutlich kleinere Abschwächung als Analysten erwartet hatten. Sie hatten einen Zuwachs von nur 1,6 Prozent prophezeit. Im Quartal davor notierten die Statistiker noch ein annualisiertes Wachstum von 2 Prozent, in den ersten drei Monaten des Jahres sogar ein Plus von 3,1 Prozent. Die Vereinigten Staaten weisen damit eine bessere Konjunktur auf als die europäischen Industrieländer.

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