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Mit Fingerspitzengefühl : Fed bereitet Finanzmärkte auf weniger Anleihekäufe vor

Weniger Anleihekäufe: Die Federal Reserve lässt sich ein wenig in die Karten schauen, weil sie Anleger nicht erschrecken will. Bild: Reuters

Die amerikanische Zentralbank dürfte im Herbst mit dem langsamen Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik beginnen. Eine rasche Zinserhöhung dagegen ist nicht geplant.

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          Führende Vertreter der amerikanischen Zentralbank (Federal Reserve) bereiten die internationalen Finanzmärkte auf eine Reduzierung der mo­natlichen Anleihekäufe vor. Eine An­kündigung erscheint vielen Finanzmarktteilnehmern angesichts des kräftigen Wirtschaftswachstums und der gestiegenen Inflationsrate schon im September wahrscheinlich.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          An den Finanzmärkten sorgt diese Aussicht bisher nicht für Verwerfungen; die Ren­dite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen bleibt mit 1,26 Prozent im historischen Vergleich sehr niedrig. Die Gelassenheit der Märkte erklärt sich mit der Annahme, dass einer Re­duzierung der Anleihekäufe so rasch keine Erhöhung des Leitzinses folgen dürfte. Eine Zinserhöhung wird frühestens Ende 2022 erwartet.

          „Ich denke, es ist angemessen, damit im Herbst zu beginnen“, sagte der Präsident der Federal Reserve Bank of Boston, Eric Rosengren, in einem Ge­spräch mit dem Fernsehsender CNBC mit Blick auf die Anleihekäufe von derzeit 120 Milliarden Dollar im Monat. „Ich würde sicherlich nicht länger als bis Dezember warten. Meine Präferenz wäre, es eher früher als später zu tun.“ Die Fed kauft ganz überwiegend Staats- und Hypothekenanleihen an.

          Einer raschen Zinserhöhung erteilte Rosengren hingegen eine Absage. Da­für benötige man eine nachhaltige In­flationsrate von etwas über 2 Prozent und Vollbeschäftigung. Wenn die Arbeitslosenquote unter 5,4 Prozent falle und Lohnerhöhungen die Inflationsrate deutlich über 2 Prozent hielten, müsste man über einen früheren Zeitpunkt nachdenken, die Zinsen zu erhöhen. „Ich erwarte das aber nicht“, sagte Rosengren. In den Vereinigten Staaten lag die Inflationsrate zuletzt zwar bei 5,4 Prozent, doch die meisten Ökonomen und die Geldpolitik halten die­se Rate als Ergebnis vorübergehender Einflüsse für aufgebläht und nicht nach­haltig.

          Vor Rosengren hatten mehrere an­dere Führungsmitglieder der Fed ähn­liche Gedanken geäußert. Dies lässt auf eine vorher vereinbarte Strategie schließen, mit der die amerikanische Geldpolitik die Finanzmärkte rechtzeitig auf eine Reduzierung der Anleihekäufe vorbereiten will, ohne Turbulenzen zu erzeugen. Als der damalige Fed-Vorsitzende Ben Bernanke im Mai 2013 unerwartet eine Reduzierung von Anleihekäufen in Aussicht gestellt hatte, waren sowohl in Amerika als auch in vielen anderen Ländern die Anleihekurse in einem Anfall von Panik eingebrochen. Eine solch heftige Reaktion der Finanzmärkte möchte die Federal Reserve heute vermeiden. Im September dürfte auch die Europäische Zen­tralbank über die Zukunft ihrer Anleihekäufe beraten. Eine rasche Reduzierung gilt als wenig wahrscheinlich.

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