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Technische Analyse : Der Dax steht vor einem Aufschwung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Viele Marktteilnehmer sind weiter in Baisse-Stimmung. Das ist gut für den Dax, meint der Charttechniker Wieland Staud. Denn die Pessimisten hätten schon verkauft und belasteten den Markt nicht mehr. Sein mittelfristiges Kursziel für den Dax: 6.830 Punkte.

          Es geschah vor einer Woche auf der Internationalen Anlegermesse in Düsseldorf. Ein gutgelaunter Moderator stellte sein Podium vor, alle miteinander keine Nobodys mehr. Jeder der fünf Disputanten darf wohl mit einigem Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen, schon auf die eine oder andere Weise seine Sporen verdient zu haben.

          Am Anfang standen naturgemäß Fragen nach der künftigen Entwicklung des Deutschen Aktienindex Dax. Es stellte sich heraus, daß einer berufsbedingt keine Meinung haben durfte, drei für die nächsten Monate explizit pessimistisch gestimmt waren und lediglich einer willens war, das Fähnlein der Optimisten hochzuhalten.

          7.000 Punkte? Ein Raunen im Publikum

          Richtig spannend wurde es aber erst in der zweiten Fragerunde, als die jeweiligen Begründungen für die vorgestellten Meinungen in den Mittelpunkt rückten. Denn wenigstens zwei der drei Baissiers konnten sehr viel mehr Argumente für einen im kommenden Jahr zu erwartenden Aufschwung an den Börsen nennen als Gründe für den in ihren Augen jetzt unmittelbar bevorstehenden Kurseinbruch.

          Als der einzige Optimist dann drehbuchgerecht in der zweiten Hälfte der Veranstaltung ein Ziel für den Dax knapp unter 7.000 Punkten nannte, ging durch das Publikum ein Raunen, und auf der Bühne kam es zu der einen oder anderen doch eher unüblichen Reaktion.

          Hinweise auf die innere Verfassung des Marktes

          Warum diese Einleitung? Es geht dem Autor ganz und gar nicht darum, Kollegen oder gar das Publikum zu kritisieren. Das wäre weder korrekt noch besonders klug. Schon in Kürze könnte das zum Bumerang werden. Wer einst das bessere Ende für sich in Anspruch nehmen können wird, das wird sich erst in ein paar Monaten zeigen.

          Nein, auch bei diesen Beobachtungen geht es ausschließlich um die Analyse des Marktes. Die Stimmung und das Verhalten von Investoren gerade während einer emotional geführten Diskussion geben nicht selten ganz vorzügliche Hinweise auf die innere Verfassung eines Marktes.

          Pessimisten haben schon verkauft

          Was also kann aus der Beobachtung dieser Diskussion analytisch abgeleitet werden? Erstens liefert diese Momentaufnahme eine Bestätigung für den Zustand unserer Stimmungsindikatoren. Denn die deuten unverändert auf eine ziemlich deutliche Baisse-Stimmung der Marktteilnehmer hin. Und das ist gut für den Dax. Wer heute wenig zuversichtlich in die Zukunft schaut, der wird in aller Regel schon verkauft haben. Von ihm geht keine oder kaum noch eine Belastung für den Markt aus.

          Das auf diesem Podium mehrheitlich vertretene Denkmuster ist zweitens ein sehr typisches: Dem Aktienmarkt werden zwar gegenwärtig kaum Chancen eingeräumt, aber man steht schon Gewehr bei Fuß, um wieder einzusteigen - sei es, weil die Kurse zurückgekommen sind, weil ein bestimmter Zeitraum verstrichen ist oder weil sich die fundamentalen Nachrichten gebessert haben.

          Blick auf höhere Chartregionen

          Eigentlich ist es ein Denkmuster, das durchaus Sinn ergeben kann. Das Fatale daran allerdings ist, daß kurzfristige Zurückhaltung, gepaart mit mittel- und langfristiger Zuversicht, im Regelfall der beste Nährboden für einen Aufwärtstrend ist. In solchen Phasen besteht im Normalfall latenter Kaufüberhang. Wer unter der Voraussetzung einer im großen und ganzen unveränderten Informationssituation verkaufen wollte, der hat bereits verkauft. Aber der, der kaufen will, der hat noch nicht gekauft.

          Den finalen Hinweis darauf, daß der Blick auf höhere Chartregionen nicht gar so schlecht sein mag, gibt dann das Staunen des Publikums über die zuversichtliche Minderheitsmeinung. Denn damit ist einigermaßen sichergestellt, daß der Blick in Richtung höherer Kurse wirklich durch viele wohlbegründete Argumente in den Köpfen der meisten Anleger verstellt ist und daß sie deshalb bislang wirklich à la Baisse gestimmt sind.

          6.830 Punkte als neues mittelfristiges Kursziel

          Nicht zuletzt darf auch das Verhalten des Dax in der zu Ende gehenden Woche als klares Indiz für seine robuste Verfassung gewertet werden. Noch am Dienstag hatte er sich mit dem heftigen Kursrückgang die bestmöglichen Optionen für einen weiteren Rutsch geschaffen. Aber nur Stunden später mußten sich am Mittwoch die Pessimisten geschlagen geben und verhalfen dem deutschen Leitindex wohl auch durch ihre Rückkäufe zu neuen Erholungshochs.

          Seit der Deutsche Aktienindex genau heute vor einer Woche auch noch mit einem Schlußkurs von 5.938 Punkten den entscheidenden Schwellenwert von 5.915 Zählern hinter sich gelassen hat, ist es an der Zeit, unseren Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen. Die Zeiten relativer Unsicherheit über die Zukunft des Dax sind vorbei. Ab sofort ist der Blick wieder völlig zweifelsfrei nach oben gerichtet. 6.830 Punkte bilden ab sofort das neue mittelfristige Kursziel von Staud Research für den Dax. Mit einem anfänglichen analytischen Stoploss von 5.730 Schlußkurs-Punkten gehen wir davon aus, daß der Dax dieses Niveau im ersten Quartal des nächsten Jahres erreichen wird.

          Bewährungsprobe zwischen 6.120 und 6.160 Punkten

          Wichtig ist uns, darauf hinzuweisen, daß der Dax dieses neue Ziel sehr wahrscheinlich nicht ohne signifikante Unterbrechungen ansteuern wird. Den Markt mit vielen Pessimisten bevölkert zu wissen, kann zwar bei einem Optimisten rauschähnliche Zustände hervorrufen. Diese Bären sind aber oft genug auch ein Garant dafür, daß der Weg zum Ziel ein holpriger wird. Immer dann, wenn sie von Zeit zu Zeit temporär die Oberhand gewinnen, wird dem Dax gar nichts anderes übrigbleiben, als möglicherweise sogar heftig zu konsolidieren.

          Die nächste Bewährungsprobe dieser Art steht wahrscheinlich im Bereich der bisherigen Jahreshöchstkurse zwischen rund 6.120 und 6.160 Punkten an.

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