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Strategie : Schwache Transportwerte - kritisches Zeichen?

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Bild: FAZ.NET

Amerikanische Transportwerte verbuchten in den vergangenen sechs Wochen Kursverluste von bis zu 30 Prozent. Für Anhänger der so genannten „Dow-Theorie“ ist das ein Warnsignal, daß der breite Markt diesem Trend folgen könnte.

          Die Aktien von Fluggesellschaften, Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften und Spediteuren weisen im Verlauf des bisherigen Quartals die schlechteste Performance am amerikanische Aktienmarkt auf, zumindest gemessen an den Branchen des Russell 2000 Index.

          Diese Entwicklung läßt sich aber auch am Dow Jones Transportation Average ablesen. Er befindet sich schon seit Anfang Juli des laufenden Jahres in der Defensive und hat seit seinem jüngsten Zwischenhoch bei 4.975 Punkten knapp 17 Prozent seines Wertes verloren und ist dabei auch noch unter den im März des Jahres 2003 etablierten, mittelfristigen Aufwärtstrend gefallen.

          Kursrückgang bei den Transportwerten als Warnsignal

          Eine solche Entwicklung ist in der Regel kein sonderlich positives Zeichen für den Gesamtmarkt. Denn „geht es mit den Transportwerten deutlich abwärts, wird sich das auch in den Gewinnen der Industriekonzerne widerspiegeln“, sagte Andy Engel, Analyst bei Leuthold Group in Minneapolis der Nachrichtenagentur Bloomberg.

          Für Anhänger der so genannten „Dow-Theorie“ ist der Kursrückgang bei den Transportwerten ein Warnsignal, daß der breite Markt diesem Trend folgen wird. Die Theorie wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Charles Dow entwickelt, der die Indizes für Industrie- und Transportunternehmen zusammenstellte. Er argumentierte, die Transportgesellschaften würden weniger Aufträge erhalten, sobald sich bei den Herstellern das Wachstum verlangsame.

          Auch heutzutage ist die Performance der Transportaktien ein wichtiger Indikator, bekräftigte der Analyst von Leuthold. Denn bei diesen Titeln machen sich die Auswirkungen einer wirtschaftlichen Abschwächung am schnellsten bemerkbar, da mehr Zahlen veröffentlicht werden. Während in anderen Branchen meist nur Quartalszahlen vorliegen, werden Daten zum Gütertransport auf der Schiene oder Passagierzahlen der Fluggesellschaften häufiger bekannt gegeben.

          Daten zeigen, daß die Dow-Theorie nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. So gab der Dow Transport von Mai des Jahres 1999 bis März des Jahres 2000 insgesamt 40 Prozent nach. Der Dow Jones Industrial erreichte dagegen erst im Januar des Jahres 2000 sein Hoch en.und brach dann bis Oktober des Jahres 2002 um 38 Prozent ein. Das heißt, bei der jüngsten Baissephase lief der Transportindex dem breiten Markt voraus und könnte aus diesem Grund auch künftig als Krisenindikator gelten.

          Deutliche Kursverluste von bis zu 30 Prozent in den vergangenen sechs Wochen

          Allerdings spielen im Moment auch Sonderfaktoren eine Rolle. So sind die Aktienkurse der Fluglinien deutlich zurückgegangen, nachdem Pläne für terroristische Anschläge auf amerikanische Flüge in Großbritannien bekannt wurden. Aus diesem Grund haben die Papier von Continental Airlines, von AMR, aber auch von Jetblue im laufenden Quartal zwischen 19 und knapp 26 Prozent nachgegeben.

          Auf der anderen Seite haben jedoch Papiere wie Expeditors International, Norfolk Southern, Hunt Transport Services oder auch United Parcel Service Verluste in ähnlicher Größenordnung hinnehmen müssen. Das zeigt, daß die Terrorängste den ohnehin aufkommenden Trend lediglich verstärkt haben dürften. Für den Paketdienst United Parcel Service, der die höchste Gewichtung im Transportindex hat, ging es seit Anfang Juli um 19 Prozent nach unten. Ende Juli mußte die Aktie Tagesverluste von bis zu 10,25 Prozent hinnehmen, nachdem der Konkurrent UPS die Prognose für das Gewinnwachstum des laufenden Jahres reduziert hatte. Auf dieser Basis dürfte ein kritischer Blick auf die amerikanische Konjunktur und vor allem auch auf die Entwicklung an den Börsen generell ratsam sein, auch wenn die Bewertung optisch noch so attraktiv aussehen mögen.

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