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Strategie : Mit Optionen zur überdurchschnittlichen Performance

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Bild: FAZ.NET

Die jüngsten Kursturbulenzen mögen normale Anleger aufgeschreckt haben. Optimisten mögen über die Kaufgelegenheit entzückt gewesen sein. Sie setzen auf rasche Performance und nicht auf selten derivative Produkte mit Hebel.

          Hatte der Dax von Ende Februar bis Mitte März in einer raschen und deutlichen Kursbewegung überraschend etwas mehr als acht Prozent verloren und auf diese Weise viele Anleger verschreckt, so ist diese Scharte inzwischen längst wieder ausgewetzt worden.

          Ausgehend von einem Zwischentief bei 6.447,7 Punkten hat der Index inzwischen wieder 11,5 Prozent zugelegt auf zuletzt 7.194 Zähler. Damit zeigt der mittelfristige Aufwärtstrend der deutschen Blue Chips weiterhin nach oben. Aufgrund der positiven Konjunkturentwicklung in Europa und der Bewertung dürften weitere Kursgewinne auch realistisch sein.

          Erfreuliche Kursgewinne für Aktienanleger...

          Turbulent könnte es jedoch dann werden, wenn sich die amerikanische Wachstumsschwäche zu einer ausgewachsenen Rezession mit entsprechend negativen Folgen für die globale Nachfrage wandeln sollte. Daran scheint jedoch unter den Börsianern gegenwärtig niemand ernsthaft zu glauben, auch wenn die Krisenzeichen am Immobilienmarkt und die schwachen Investitionen amerikanischer Unternehmen nicht zu übersehen sind.

          Für Aktienanleger sind die Kursgewinne erfreulich. Das dürfte vor allem für jene gelten, die nicht nur auf die breite Entwicklung des Marktes setzen, sondern die auch ein „gutes Händchen“ bei der Wahl von Einzelwerten haben. Denn auf diese Weise können sie überproportionale Kursgewinne verbuchen. Auf Sicht eines Jahres schnitten beispielsweise die Aktien von Volkswagen, MAN und Thyssen-Krupp überdurchschnittlich ab, während sich die Papiere von SAP, Hypo Real Estate und der Deutschen Telekom unterdurchschnittlich entwickelten.

          Es gibt jedoch auch andere Methoden, um überdurchschnittliche Kursgewinne zu erzielen. Eine liegt in der Wahl aggressiverer Anlageinstrumente. Wer zum Beispiel im jüngsten Zwischentief nicht nur auf die allgemeine Erholung des Marktes setzte, sondern sich auch noch einen Kaufoptionsschein ins Depot legte, konnte in den vergangenen Tagen nicht nur eine Performance von 11,5 Prozent erreichen, sondern eine deutlich höhere.

          Der Grund liegt in der Konstruktion derivativer Produkte. Sie lassen den Anleger überproportional an Kursbewegungen teilhaben, da er bei ihrem Kauf solcher Produkte zwar an der Kursentwicklung eines Basiswertes teilhaben kann, jedoch nicht dasselbe Kapital aufwenden muss wie beim Erwerb des Basisobjektes, etwa einem Korb von Aktien. Das führt dazu, dass die Rendite auf das eingesetzte Kapital überproportional ausfällt.

          ... und aggresivere Käufer derivativer Produkte

          Das lässt sich an einem Beispiel deutlich machen. Wer Mitte März ein Indexzertifikat auf den Dax erwarb, kann mittlerweile einen Kursgewinn von 11,5 Prozent realisieren. Wer jedoch einen Kaufoptionsschein mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr und einem Wandlungspreis von 7.000 Punkten erwarb, könnte inzwischen Kursgewinne von mehr als 70 Prozent realisieren.

          Mit dem Kauf einer nur bis in den April laufenden Eurexoption mit einem Wandlungspreis von 7.000 Zählern ließ sich sogar ein Plus von sagenhaften 1.660 Prozent realisieren. Ähnliche Kursgewinne dürften sich mit gut gewählten „Knock-Out-Produkten“ erzielen lassen. Solche Zahlen mögen beeindrucken. Allerdings sind die Risiken entsprechend hoch. Denn derivative Produkte in ihrer Reinform bewegen sich in beide Richtungen stark. Das heißt, liefe der Markt plötzlich in die falsche Richtung, wären die Verlustrisiken entsprechend groß. Bei Hebelprodukten besteht sogar das Risiko, dass die Basiswerte die Knock-Out-Schwelle erreichen und die verbrieften Papiere wertlos verfallen lassen. Die regelmäßig relativ lange Liste „ausgeknockter“ Produkte an der Börse Stuttgart spricht für sich.

          In diesem Sinne sollten die Anleger wissen, was sie sich ins Depot legen. Dieses Wissen scheint jedoch nicht immer vorhanden zu sein. Das zeigt sich unter anderem an der Beliebtheit von Diskontzertifikaten. Sie werden zwar immer wieder als defensive Instrumente beworben. Das sind sie jedoch nur bedingt. Denn der Anleger legt sich mit ihrem Kauf ein beträchtliches Risiko nach unten ins Depot, während er seine Chancen auf Kursgewinne weitgehend dafür aufgibt. In Zeiten mit niedrigen Volatilitäten erhält er dafür auch noch einen geringen Gegenwert.

          Der Performancevergleich eines Diskontzertifikats, des Dax und eines Dax-Calls in den vergangenen Tagen (siehe Chart) an Deutlichkeit kaum etwas missen: Wer eine hohe Rendite will, muss sich das Gegenteil eines Diskontzertifikats ins Depot legen - den Call.

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