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Strategie : Abnehmende Liquidität - fallender Risikoappetit!

  • Aktualisiert am

Bild: Calyon

Mit den jüngsten Korrekturen haben die internationalen Finanz- und Rohstoffmärkte auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert. Sollten die Zinszügel weiter gestrafft werden, dürfte der Risikoappetit der Anleger weiter zurückgehen.

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          Die Liquidität spielt an den Finanzmärkten eine wichtige Rolle. Denn ist sie reichlich vorhanden, so suchen die Anleger nach entsprechenden Investitionsmöglichkeiten und treiben auf diese Weise die Kurse von Wertpapieren und anderen Vermögenswerten nach oben.

          Das scheint zunächst kein Problem zu sein, solange die Preisentwicklung in den Staaten der Welt nicht außer Kontrolle gerät. Allerdings decken diese Statistiken nicht alles ab, sondern lassen viele Vermögenswerte außen vor. Doch gerade deren Preise sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

          Dämpft eine abnehmende Liquiditätsversorgung das Wachstum?

          Das läßt sich nicht nur an der Preisentwicklung an den internationalen Häusermärkten ablesen, sondern auch an der Kursentwicklung von Aktien, Anleihen, Edelmetallen, Rohstoffen bis hin zu den Kunstobjekten. Sie alle liefen zumindest bis zu den jüngsten Korrekturen in den verschiedenen Bereichen beinahe unisono nach oben.

          Die Märkte schienen lange Zeit die Tatsache ignoriert zu haben, daß die Zentralbanken beinahe weltweit längst dabei sind, die Liquidität zu reduzieren und die Zinsen zu erhöhen. Sie scheinen dazu gezwungen worden zu sein, da in den verschiedenen Märkten ein ungesundes Bewertungsniveau erreicht worden war - insbesondere im Immobilienbereich und bei Anleihen - und da die Preisdynamik des Rohstoffbereichs langsam aber sicher auf den Konsumgütersektor durchzuschlagen scheint.

          In den vergangenen Wochen kamen Bedenken auf, eine restriktivere Geldpolitik könnte das Wachstum dämpfen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem aufgrund der Dynamik der Preisentwicklung weitere Zinserhöhungen nötig sein könnten. Diese Kombination führte zu den jüngsten Korrekturen, insbesondere auch auf den Rohstoffmärkten.

          Der Zusammenhang zwischen der globalen Liquiditätsversorgung und der Entwicklung an den verschiedenen Märkten läßt sich jedoch nicht ohne weiteres herleiten. Denn Wechselkurseffekte können verzerrend wirken. Aus diesem Grund haben die Analysten von Calyon, dem Investmentbanking-Bereich der Crédit Agricole, ein alternatives Modell entwickelt, das auf der so genannten Taylor-Regel basiert. Sie gibt an, wie die Geldpolitik eines Landes aussehen sollte, wenn man das reale Wachstum mit dem Wachstumspotential und die tatsächliche Inflation mit dem Inflationsziel vergleicht. Und das ist vielfach die Basis, auf der die Zentralbanken tatsächlich agieren.

          Die Taylor-Regel scheint die Vermutung zu bestätigen

          Die resultierenden Signale sind vergleichbar mit anderen Ansätzen und deuten auf eine zurückgehende Liquiditätsversorgung hin. Die monetären Verhältnisse sind in den vergangenen Monaten schon gestrafft worden, und eine weitere Straffung scheint absehbar zu sein. Währungsstratege Daragh Maher von Calyon rechnet mit weiteren Zinserhöhungen in Amerika, Europa, Japan und in Skandinavien.

          Solche Veränderungen haben in der Vergangenheit mit wenigen Ausnahmen immer die konjunkturelle Dynamik gebremst und zu entsprechenden Konsequenzen an den Finanzmärkten geführt. Spätestens nach 18 Monaten kam es zu einer scharfen Korrektur an den Rohstoffmärkten. So dürfte nicht ausgeschlossen werden können, daß die jüngsten Preisrückgänge in diesem Bereich noch nicht alles gewesen sind. Selbst wer das Thema langfristig „spielen“ möchte, könnte geneigt sein, auf einen besseren Einstiegszeitpunkt zu warten.

          Ähnlich sieht es mit Blick auf hochverzinsliche Anleihen aus. Auch hier dürften die Spreads noch weiter zurückgehen, wenn die Zentralbanken noch deutlich restriktiver werden sollten. Insgesamt sollte ihr Einfluß wohl nicht unterschätzt werden. Denn eine verhaltenere konjunkturelle Entwicklung würde wohl auch das Gewinnwachstum der Unternehmen dämpfen.

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