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Gastbeitrag : Zeit, in die Defensive zu gehen

  • -Aktualisiert am

Bild: S&P

Für die Anleger ist Vorsicht das Gebot der Stunde: S&P hat die Prognosen für den Stand des Aktienmarktes zum Jahresende nach unten korrigiert. Als Gründe nennt Sam Stovall eine ungünstige Gewinnentwicklung, die Zinspolitik der Fed und den Ölpreis.

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          Meines Erachtens ist es nicht Aufgabe eines Strategen, immer nur Optimismus zu verbreiten. Manchmal ist auch eine vorsichtige Haltung geboten. Nach Auffassung des S&P Investment Policy Committee (IPC) und der Abteilung Aktienstrategie ist in der jetzigen, saisonal schwachen Phase Vorsicht angeraten. Am 12. Juli senkte das IPC seine Prognose für den Stand des S&P 500 am Jahresende von 1.385 auf 1.315. Wir gehen jetzt davon aus, daß der S&P 500 im Gesamtjahr um fünf Prozent zulegt; zuvor hatten wir mit elf Prozent gerechnet.

          Warum wurde die Prognose geändert? Unseres Erachtens besteht das Hauptrisiko für die Kursentwicklung in der zweiten Jahreshälfte darin, daß die Unternehmensgewinne des S&P 500 im zweiten Quartal um weniger als zehn Prozent zugelegt haben dürften. Gleichzeitig müssen auch die Gewinnschätzungen für das zweite Halbjahr möglicherweise gesenkt werden, da die Fed übermäßig aggressiv vorgeht, die Ölpreise hoch bleiben und sich das reale BIP-Wachstum spürbar verlangsamen dürfte.

          Konsumgüter des täglichen Bedarfs als defensiver Sektor

          Aufgrund dieser Abwärtskorrektur unserer Prognose für das Jahresende hat die Abteilung Aktienstrategie von S&P die Empfehlung für den Sektor Konsumgüter des täglichen Bedarfs des S&P 500 von Marktgewichtung auf Übergewichtung angehoben und die Empfehlung für den Informationstechnologiesektor von Marktgewichtung auf Untergewichtung gesenkt.

          Bild: FAZ.NET

          Konsumgüter des täglichen Bedarfs sind ein klassischer, defensiver Sektor. Da die Nachfrage nach zahlreichen Produkten aus diesem Sektor inelastisch ist, dürften diese Unternehmen von der derzeit zu verzeichnenden Flucht in Qualitätswerte am amerikanischen Aktienmarkt profitieren. In der Qualitätsbewertung von S&P, bei der die langfristige Gewinn- und Dividendenentwicklung gemessen wird, schneidet der Sektor von den im S&P 500 vertretenen Sektoren am besten ab; er wird zu 77 Prozent mit A- oder besser bewertet.

          Gebremstes Wachstum im Technologiesektor

          Dagegen dürften die Gewinne je Aktie im Technologiesektor 2006 lediglich um vier Prozent zunehmen; für den S&P insgesamt wird ein Zuwachs um zwölf Prozent erwartet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) dieses stark zyklischen Sektors liegt jedoch auf Basis der Gewinnprognosen für 2006 weiterhin 31 Prozent über dem des Gesamtindex von 14,9.

          Von den zehn Sektoren des S&P 500 weisen der Technologiesektor und die Konsumgüter des täglichen Bedarfs die geringste Korrelation untereinander auf. Die Grafik zeigt die Kursentwicklung beider Sektoren im Vergleich zum S&P 500 auf rollierender Zwölf-Monats-Basis: Der Konsumgütersektor schneidet besser ab und gewinnt weiter hinzu, wohingegen sich im Technologiesektor der Abwärtstrend fortsetzt, der in diesem Jahr begann.

          Konsumabhängige Sektoren sind anfällig

          Insgesamt sollte die zunehmende Besorgnis im Hinblick auf Ölpreis-, Zins- und Gewinnentwicklung ernst genommen werden; diese Faktoren könnten sogar zur seit langem überfälligen Zwischenkorrektur im Aufschwung am amerikanischen Aktienmarkt führen. Wir ziehen diejenigen Sektoren vor, die in den Gewinn- und Dividendenranglisten von S&P gut abschneiden (Konsumgüter des täglichen Bedarfs und Finanzsektor), und setzen auch auf den Energiesektor, da das gestiegene geopolitische Risiko zu höheren Ölpreisen und damit auch größeren Gewinnen von Energiekonzernen führen dürfte.

          Die konsumabhängigen „High-Beta-Sektoren“ wie zyklische Konsumgüter und Informationstechnologie sind für eine allzu aggressiv agierende Fed und die darauf zurückzuführende Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und des Gewinnzuwachses pro Aktie anfällig.

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