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Derivatemarkt : Kreditderivate lassen Derivatemarkt explodieren

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Damit untermaure das Wachstum das vermutete Wachstum der „Carry Trades“ nicht, so die BIZ. Das Nominalvolumen von Yen-Kontrakten sei im wesentlichen unverändert geblieben. Indes habe dagegen im zweiten Halbjahr das Wachstum an Franken-Kontrakten mit zehn Prozent deutlich über dem des Marktes gelegen. Jedoch will die BIZ diese Schlussfolgerungen selbst nur mit Vorsicht behandelt wissen - die Datengrundlage sei nicht ausreichend.

Konzentration nur schwach ausgeprägt

Ein Spiegelbild der Aktienmärkte sind die Aktienderivate. Während das Volumen von Dollar- und Yen-Kontrakten im zweiten Halbjahr schrumpfte, wuchsen Euro-Kontrakte stark um 18 Prozent.

Auf der Emittentenseite sei zudem eine leichte Zunahme der Konzentration zu beobachten, wobei diese allerdings noch recht gering sei. Gemäß dem als Konzentrationsmaß benutzten Herfindahl-Index bewegen sich die Märkte zumeist unter der Grenze zu oligopolistischen Strukturen - mit einigen Ausnahmen.

So weist der Markt für Zinsoptionen auf kanadische Dollar mit knapp 3.000 Indexpunkten schon seit rund anderthalb Jahren eine deutliche Konzentration auf, und die Konzentration am Schweizer Markt hat in jüngster Zeit deutlich zugenommen. Die höchste Konzentration weist aber der Markt für Yen-Zinstermingeschäfte auf. Davon ist in Euroland nichts zu spüren - die Konzentration liegt hier auf allen Ebenen weltweit am niedrigsten.

Der wunde Punkt

Der Boom der Märkte macht derzeit noch keine Konsolidierung erforderlich. Denn der Handel mit derivativen Finanzprodukten inzwischen auch das profitabelste Geschäft für Investmentbanken. Morgan Stanley erzielte vor allem dank eines Umsatzsprungs bei Kreditderivaten im ersten Vierteljahr den höchsten Quartalsgewinn aller Zeiten. Auch der Deutschen Bank verhalfen diese Produkte im selben Zeitraum zu einem Gewinnanstieg von 30 Prozent.

„Die Investmentbanken machen mittlerweile einen Großteil ihres Gewinns mit Derivaten“, sagte Jerry Del Missier, einer der Präsidenten von Barclays Capital, dem 2006 führenden Emissionshaus am europäischen Anleihemarkt. Er erwartet, dass das Geschäft mit Kreditderivaten noch lange Zeit weiter und stärker als jedes andere Marktsegment wachsen wird.

Indes hängt gerade das Kreditderivategeschäft auch immer noch am Anleihenmarkt, der sich umgekehrt davon ein Stück weit unabhängig gemacht hat. Denn da auf ersterem Markt die Risiken des zweiten gehandelt werden, ist auf dem zweiten die Risikokomponente weniger spürbar. Das drückt die Renditen, weil die Risiken nicht mehr durch den Anleihen-, sondern den Derivatemarkt vergütet werden, so dass die Devise gilt: Geringes Risiko, geringer Ertrag.

Nichtsdestoweniger bestimmen die Anleiherisiken den Derivatemarkt. Und der läuft gut, solange die Ausfallquoten so niedrig bleiben wie in den vergangenen Jahren. Sollten die Quoten wieder steigen, so wird erst offenbar werden, bei wem die Risiken des Marktes tatsächlich lagen. Und da dies derzeit kaum jemand zuverlässig sagen kann, bleibt der boomende Kreditderivatemarkt ein potentiell wunder Punkt im internationalen Finanzsystem.

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