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Derivate : Optionsschein ermöglicht Wette auf interessanten ukrainischen IPO-Kandidaten

  • Aktualisiert am

Der ukrainische Pharmawert Laona hegt ehrgeizige Wachstumspläne. Das Unternehmen hat das Zeug zu einer echten Erfolgsgeschichte. Ein neuer Optionsschein ermöglicht eine Wette darauf.

          An der ukrainischen Börse läuft es seit einigen Monaten richtig rund. Die Kurse steigen zügig und die Investoren zeigen reges Interesse. Die Nachfrage ist sogar so groß, daß jetzt sogar ein Optionsschein auf ein noch nicht gelistetes Unternehmen emittiert wurde. Das klingt zwar etwas exotisch, könnte aber interessant sein. Zumindest wenn die ehrgeizigen Expansionspläne der Gesellschaft aufgehen.

          Konkret handelt es sich um die ukranische Laona. Dahinter steckt der größte Pharma-Distributor des Landes, der mit Macht künftig auch in den Retailmarkt drängt. Mit dem geplanten Vordringen in das Apothekengeschäft (hier will man bis 2010 zu den Top Ten gehören) und dem weiteren Ausbau der bisherigen Aktivitäten sind enorme Wachstumschancen verbunden. Gelingt es dem Unternehmen, diese zu erschließen, winkt in den kommenden Jahren ein rasantes Wachstum. So rechnen die Analysten beim ukrainischen Broker Dragon Capital bis 2010 mit einem jährlichen Umsatzplus von 40 bis 50 Prozent.

          Sehr günstige Bewertung bei Zielerreichung

          Ab 2007 sollen sich den Annahmen zufolge außerdem die Margen verbessern, wobei sich die Nettomarge im Jahr 2010 auf 3,5 Prozent belaufen soll. Erfüllen sich die Hoffnungen, wäre der Titel auf dem aktuellen Kursniveau ausgesprochen günstig bewertet. Und zwar sowohl absolut als auch im Branchenvergleich. Bei Dragon Capital wird das Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten jedenfalls in einer ersten Szenariorechnung auf Basis einer diskontierten Cash-Flow-Berechnung auf 9.363 Dollar veranschlagt und damit deutlich über der aktuellen Notierung. Die Grundannahme dabei lautet, daß Laona bis Mitte 2008 an der Londoner Börse gelistet sein wird. Würde der Titel dann ähnlich wie die polnischen Konkurrenten bewertet, käme man in einem zweiten Rechenmodell sogar auf ein Kursziel von 11.783 Dollar. Im Mittel ergibt sich somit ein Kursziel von 10.573 Dollar, was bei Dragon Capital eine starke Kaufempfehlung für den Wert nach sich zieht.

          Auch auf anderen Wegen gelangt man zu dem Schluß, daß das 1993 gegründete und mit rund 400 Mitarbeitern agierende Unternehmen noch günstig bewertet ist. So errechnet sich aus dem Wert des 28,5-prozentigen Anteils, der an Investoren verkauft wurde, ein Börsenwert von rund 79 Millionen Dollar. Dem steht für 2006 ein von Dragon geschätzter Umsatz von 229 Millionen Dollar gegenüber und 2009 sollen es dann sogar fast 712 Millionen Dollar werden. Der Nettogewinn soll in dieser Zeit von 1,3 Millionen auf 19,5 Millionen Dollar steigen. Das wäre dann am Ende der genannten Periode ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gerade einmal gut vier und damit sehr niedrig.

          Wer sich davon angelockt fühlt, für den gibt es eine Investitionsmöglichkeit. Und zwar in Form eines von der Bank Austria Creditanstalt AG aufgelegten Optionsscheins. Der Laona-Warrant (ISIN: AT0000A039F9, Deutsche WKN: A0LJD1) wurde Ende November erfolgreich bei amerikanischen und europäischen Portfolioinvestoren platziert und zudem im dritten Segment der Wiener Börse gelistet. Der aktuelle Kurs beträgt in der Ukraine 6.400 Dollar und in Euro gerechnet wurde der Warrant zuletzt bei 5.300 Euro gehandelt. Das Umtauschverhältnis beträgt 1:1 und die Laufzeit geht bis zum 16.November 2007. Erfahrungsgemäß werden die Zertifikate aber von der Bank Austria Creditanstalt verlängert. Emittiert wurden 3.516 Zertifikate zu einem Preis von 5.925 Dollar pro Warrant.

          Risiken erscheinen kleiner als die Chancen

          Insgesamt hört sich die Story gut an, aber natürlich gibt es auch hier Risiken. So ist es selbstverständlich nicht garantiert, daß die Wachstumspläne auch tatsächlich aufgehen und sich die erhofften Gewinnspannen erwirtschaften lassen. Ein Fragezeichen muß auch hinter den geplanten Börsengang gesetzt werden, zumal dieser auch von der allgemeinen Verfassung der Aktienmärkte abhängig ist. Zusammengefaßt sind die Risiken derzeit aber überschaubar, insbesondere wenn man die noch niedrige Bewertung des Unternehmens bedenkt. Die Gründer der Gesellschaft, die noch immer 69,3 Prozent der Anteile halten, werden jedenfalls schon aus Eigeninteresse alles dafür tun, daß die Risiken umschifft werden.

          Laona ist folglich eine spannende Wette für risikobereite Investoren auf ein erfolgreiches Aufmischen des ukrainischen Pharmamarktes. Geht die Spekulation auf, kann sich die Notiz locker verdoppeln. Das Zertifikat ist momentan das einzige Vehikel, um diese Chance wahrzunehmen. Wie so oft bei den Zertifikaten der Bank Austria Creditanstalt wird es aber eventuell wieder etwas an Beharrlichkeit bedürfen, um hier tatsächlich zum Zuge zu kommen. Wenig erfreulich ist natürlich auch die breite Geld-Brief-Spanne. Und bei allen Reizen, die hier von den Chancen dieses Investments ausgehen, sollten die innewohnenden Risiken nicht vergessen werden.

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