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Derivate : Handelsumsätze mit Derivaten nehmen weiter zu

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Bild: BIS

Der Handel mit derivativen Produkten an den Terminbörsen verzeichnet Rekorde über Rekorde. Nach einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich legte der Umsatz im ersten Quartal um 28 Prozent auf 429 Billionen Dollar zu

          Der Handel mit derivativen Produkten verzeichnet Rekorde über Rekorde - zumindest gemessen an den Nominalwerten. Nach einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich legte der Gesamtumsatz mit Zins-, Aktien- und Währungskontrakten im ersten Quartal des laufenden Jahres in Vergleich mit de Vorjahresperiode um 28 Prozent auf 429 Billionen Dollar zu.

          Das Wachstum zeigte sich insbesondere auf der Zinsseite. Dort legte der Umsatz im Vergleich mit dem Vorquartal um 26 Prozent zu. Die veränderten Zinserwartungen zeigten sich im Form reger Aktivitäten mit amerikanischen und japanischen Kontrakten, während der Handel mit europäischen Derivaten stagnierte.

          Boom im Handel mit Zinsderivaten

          Bei aktienbezogenen Produkten legte der Umsatz lediglich um elf Prozent auf 43 Billionen Dollar zu. Allerdings spielten hier die steigenden Werte eine tragende Rolle, während die Anzahl der gehandelten Kontrakte auf hohem Niveau stagnierte. In Europa scheint der Handel mit Euro-Stoxx-Kontrakten im Vergleich mit den nationalen Indizes einen immer größeren Marktanteil zu gewinnen.

          Bei der Umsatzentwicklung der Energiekontrakte machte sich der bis noch vor kurzem anhaltende Rohstoffboom bemerkbar. Der Umsatz mit Energiederivaten (Öl) legte im ersten Quartal des laufenden Jahres um beinahe 40 Prozent zu. Hintergrund waren sehr wahrscheinlich die anhaltenden Sorgen über Angebotsengpässe und die geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit der Nuklearstrategie des Irans.

          Daten der Commodity Futures Trading Comission zeigen, daß die Netto-Longpositionen in Futures und Optionen auf texanisches Öl von Februar auf März von 24.000 auf 54.000 Kontrakte zugenommen haben. Diese Entwicklung ging einher mit einer anziehenden Risikoprämie, die sich aus der Differenz aus Futures-Preisen und den erwarteten Settlementpreisen bei Kontraktverfall ableiten lassen und einer nachlassenden Volatilität.

          Insgesamt dürfte der Trend zum Handel mit derivativen Produkten kaum überraschen. Denn auf diese Weise können sich Anleger auf einfach Weise auf be- oder entstehende Trends beteiligen oder sich gegen adverse Entwicklungen absichern. Beides wird mit zunehmenden Volatilitäten und dem vermehrten Aufkommen von Hedge- oder Absolute-Return-Fonds interessanter werden können und die Märkte möglicherweise weiter beflügeln.

          Die auflebende Volatilität an den verschiedenen Märkten läßt sich erklären durch den Rückzug der Anleger aus risikoreichen Anlagen, wie er sich seit einigen Wochen abzeichnet. Er dürfte aufgrund veränderter Zins- und Wachstumserwartungen noch nicht abgeschlossen sein. Denn noch haben sich die Risikoprämien im historischen Vergleich noch nicht vollständig normalisiert.

          Nachfrage sorgt für Angebot

          Extrem tiefe Zinsen und hohe Geldmengen hatten in den vergangenen beiden Jahren einerseits zunächst zu einem Konsum- und Wachstumsboom in weiten Teilen der Welt geführt und auf der anderen Seite die Anleger mit abnehmenden Renditen an den etablierten Wertpapiermärkten auf der Suche nach Rendite immer risikofreudiger werden lassen. Sie erwarben immer mehr Aktien und Anleihen, die in den Schwellenländern aufgelegt wurden. So dürfte es kaum verwundern, daß das Angebot in diesem Bereich deutlich zugelegt hat.

          Der Bruttoumsatz von Anleihen und Notes an den internationalen Schuldtitelmärkten stieg im ersten Quartal des laufenden Jahres um 24 Prozent auf rund 1,2 Billionen Dollar, der Nettoumsatz legte um neun Prozent auf 622 Milliarden Dollar zu. Diese Entwicklung dürfte sich nicht weiter extrapolieren lassen. Denn die internationalen Geldpolitiken sind restriktiver geworden und die Anleger werden risikoaverser.

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