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Charttechnik : Die Bullen sind noch nicht los

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Bild: FAZ.NET

In der vergangenen Woche rissen S&P 500 und Dow-Jones aus und bildeten Doppelboden-Wende-Formationen aus. Der Rest des Marktes bestätigt die Ausreißer der wichtigen Blue-Chip-Indizes noch nicht.

          In der vergangenen Woche rissen S&P 500 und Dow Jones Industrials aus und bildeten Doppelboden-Wende-Formationen aus. Viele andere Indizes verharren aber ungeachtet der kürzlichen Rally weiterhin auf der Talsohle. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen fiel unter fünf Prozent und der Rohölpreis ging auf 70 Dollar pro Barrel zurück.

          Nach mehreren Anläufen schloß der S&P-500 endlich komfortabel über 1.280 Punkten und rundete damit ein komplexes Doppelboden-Wende-Muster ab. Wir bezeichnen es als komplexes Muster, da man es auch als Kopf-Schulter-Boden mit zwei Köpfen betrachten könnte. Die linke Schulter bildete sich Ende Mai, die rechte zeichnete sich Anfang dieses Monats ab. In jedem Falle gilt diese Figur unter technischen Gesichtspunkten als bullish und dürfte nach unserer Auffassung dem Index ein weiteres Ansteigen gestatten.

          Nebenwerte-Indizes hinken hinterher

          Derzeit besteht die heikle Aufgabe darin, zu projizieren, wie weit der Markt angesichts der positiven Trendwendefiguren gehen kann, die S&P-500 und Dow Jones vorgegeben haben. Normalerweise wäre dies eine recht optimistische Situation für den Aktienmarkt. Allerdings haben wir für die Zukunft auch mit etlichen Befürchtungen zu rechnen. Wie gesagt, die übrigen Indizes - darunter Nasdaq Composite, Russell-2000, S&P-Small-Cap-600, S&P-Mid-Cap-400 und der Dow-Jones-Transport-Index, um nur einige zu nennen - befinden sich immer noch in der Bodenbildungsphase und der Ausbruch steht noch aus.

          Anders ausgedrückt: Der Rest des Marktes bestätigt die Ausreißer der wichtigen Blue-Chip-Indizes noch nicht. Die Indizes, die noch nach oben streben müßten, haben einige ziemlich erhebliche technische Beschädigungen hinnehmen müssen, jedoch liegt ihr längerfristiger Trend nach wie vor überwiegend höher.

          Damit verbunden war eine relativ ausgeprägte Verlagerung von kleinen und mittleren Titeln auf Large Caps zu verzeichnen. Wir sehen es lieber, wenn kleinere Wachstumsaktien den Markt anführen, da dies darauf hindeutet, daß die Anleger eine höhere Risikobereitschaft besitzen. Dieser Wechsel zu defensiveren Werten ist oftmals gegen Ende der zyklischen Hausse-Märkte zu beobachten. Häufig treten die höchsten Zuwächse im Markt dann auf, wenn kleinere Wachstumsaktien an der Spitze der Aufwärtsbewegung stehen.

          Vier-Jahres-Zyklus spricht gegen Aktien

          Vielleicht noch wichtiger ist, daß sowohl der saisonbezogene als auch der zyklische Zeithorizont zum gegenwärtigen Zeitpunkt unserer Auffassung nach gegen Aktien sprechen. Der Aktienmarkt neigt in der Zeit von Mai bis Oktober eher zu einer unterdurchschnittlichen Entwicklung und die meisten Schwächephasen treten im September und bis Mitte Oktober auf. Viele Tiefstände auf Grund von Berichtigungen sowie Talsohlen in Baisse-Märkten wurden im Laufe des Oktobers deutlich.

          Darüber hinaus ist in diesem Jahr noch mit einem großen zyklischen Vier-Jahres-Tiefstand zu rechnen, wobei viele dieser alle vier Jahre auftretenden Bottom-Formationen in das dritte Quartal fallen. In den Jahren 2002, 1998, 1994, 1990, 1987, 1982, 1978, 1974, 1970, 1966 und 1962 hatten wir entweder beträchtliche Tiefstände oder Bärenmarkt-Tiefs. Der Tiefstand 1987 war um ein Jahr verschoben, doch insgesamt ist die Gleichmäßigkeit dieses Zyklus' recht bemerkenswert. Positiv gesehen - falls wir wirklich in diesem Jahr ein großes zyklisches Vier-Jahres-Tief erreichen - waren dies oft ausgezeichnete Zeiten, um ein Stück zurückzufahren und sich neu mit Aktien einzudecken.

          Angesichts all dieser negativen Kräfte, die zur Zeit auf die Aktienmärkte einwirken, rechnen wir nicht mit einer plötzlichen kräftigen Aufwärtsbewegung. Nach unserer Einschätzung könnte der S&P-500 seinen zyklischen Bullenmarkt-Höchststand von 1.326 Punkten erreichen und anschließend einen erneuten Abwärtstrend ausbilden. Nach den momentanen Anzeichen haben wir auch dann, wenn der Index sein altes Hoch erreichen kann, erhebliche Zweifel, ob die derzeit hinterher hinkenden übrigen Indizes es wieder auf ihre früheren Spitzenwerte schaffen.

          Ende des Bullenmarktes?

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