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Charttechnik : Aktienbörsen haben den Härtetest bestanden

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Anlegerumfragen zeigen eine nach wie vor allgemein optimistische Haltung gegenüber dem Aktienmarkt. Die Zahl der 52-Wochen-Tiefs reicht noch nicht an die Niveaus heran, die häufig in der Nähe mittelfristiger Tiefs auftreten.
Darüber hinaus befinden sich die Momentum-Indikatoren auf Wochenbasis noch bei weitem nicht auf überverkauften Niveaus oder in der Nähe von Niveaus, die sich in den vergangenen Jahren während mittelfristiger Rückkehrbewegungen einstellten.

Der Boden ist zu klein

Auch die Größe des vom S&P-500 möglicherweise ausgebildeten Doppelbodens oder Bodens ist bislang noch äußerst gering. Viele mittelfristige Böden dehnen sich über ein bis drei Monate aus. So umspannte der Boden im vergangenen Mai etwa drei Monate und führte anschließend zu einem sehr erfreulichen Kursanstieg. Je länger sich der Boden ausdehnt, desto stärker fällt in der Regel die darauf folgende Rally aus.

Für den Aktienmarkt gibt es eine Proportionalitätsregel hinsichtlich Kurs und Zeit. So wird beispielsweise ein sich über mehrere Jahre erstreckender Boden häufig von einer sehr starken Aufwärtsbewegung in kurzer Zeit abgelöst, während auf eine sehr lang anhaltende Aufwärtsbewegung oftmals ein sehr langer und steiler Rückgang folgt.

Da die im vergangenen Juli begonnene Rally etwa sieben Monate andauerte, scheint eine zwei oder drei Wochen währende Rückkehrbewegung nicht auszureichen, um die angehäuften Exzesse abzubauen.

Footsie scheint dem S&P zu folgen

Der Rückgang auf dem Aktienmarkt fand bislang weltweit statt, wobei sich die Märkte rund um den Globus auf Tagesbasis im Gleichschritt bewegten. Die Verflechtung zwischen den Märkten der Vereinigten Staaten und jenen in vielen anderen Teilen der Welt scheint immer enger zu werden. Historisch betrachtet entwickeln sich die internationalen Aktienmärkte größtenteils gemeinsam von Hausse- zu Baissemärkten.

Verschieden ist natürlich jeweils das Ausmaß ihrer Auf- oder Abwärtsentwicklung. So schreitet etwa der britische Aktienmarkt in Gestalt des FTSE-100-Index dem amerikanischen Markt bisweilen voran. Diesmal scheint der FTSE dem Markt der Vereinigten Staaten allerdings sehr eng zu folgen.

Wir gehen davon aus, dass der FTSE, genau wie viele andere internationale Indizes, zumindest auf kurze Sicht einen Boden gebildet hat. Möglicherweise ist der FTSE dabei, einen Doppelboden oder eine inverse Kopf-Schulter-Formation auszubilden, ein Muster, das dem des S&P-500 sehr ähnelt. Der Index schloss am Mittwoch mit einem neuen Korrekturtief und unterschritt dabei das Tief vom 5. März. Mit dem Wiederanstieg vom Donnerstag ist der FTSE allerdings erneut über das Tief des vergangenen Montags bei 6.058,70 Punkten geklettert.

Für einen wirklichen Einbruch bedarf es nach unserer Faustregel eines Schlussstandes von mindestens einem Prozent unter dem vorherigen Tief, wobei dieses Kursniveau wenigstens zwei Tage lang zu halten ist. Rückblickend stellen wir fest, dass der FTSE nur an einem Tag auf neue Tiefs vorstieß und dann rasch den Rückzug antrat. Wir werden den Index also weiterhin beobachten und nach einer Vervollständigung des Doppelbodens Ausschau halten, ehe diese Formation in den Vereinigten Staaten zu sehen ist, oder bis wir einen Einbruch unter die jüngsten Tiefs sehen, ehe dieser auf dem amerikanischen Markt eintritt.

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