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FAZ.NET-Orakel : An Jamaika führt kein Weg vorbei

Trotz Verlusten für die Union: An Angela Merkel führt erst einmal weiter kein Weg vorbei. Bild: Reuters

Viele überraschte das starke Abschneiden der AfD, nicht aber die Händler auf dem FAZ.NET-Orakel. Auch das Ergebnis der SPD haben sie fast punktgenau vorhergesagt.

          Nicht einmal 18:10 Uhr war es am Wahlabend, da zog die SPD schon ihre Lehren aus der Wahl: „Wir werden den Oppositionsauftrag der Wähler annehmen“, sagte Parteivize Manuela Schwesig im ZDF. Ähnlich äußerte sich in seiner Rede im Willy-Brandt-Haus auch Spitzenkandidat Martin Schulz: Es werde keine Neuauflage der Großen Koalition geben.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Wahlergebnis ist in der Tat niederschmetternd für die Sozialdemokraten: 20,5 Prozent - noch nie seit dem Jahre 1949 erzielte die SPD ein schlechteres Ergebnis. Für die Händler auf dem FAZ.NET-Orakel kam diese herbe Niederlage indes nicht überraschend. So prognostizierten sie der SPD am Vorabend der Wahl 20,8 Prozent - also beinahe genau der Stimmanteil, den die Sozialdemokraten schlussendlich auf sich vereinten.

          Überschwänglichen Jubel vernahm man freilich auch nicht aus der Berliner-CDU-Zentrale. 33 Prozent der Stimmen für CDU/CSU bedeuten einen Verlust von satten 8,5 Prozent im Vergleich zur Wahl 2013. Zwar hatte schon seit Anfang September auf dem Orakel ein stetiger Abwärtstrend eingesetzt - Ende August stand der Kurs der Union noch bei etwa 38,5 Prozent - doch am Vorabend der Wahl waren es immerhin noch 36,1 Prozent. Die nun erreichten 33 Prozent hatten die Händler so nicht erwartet. Ähnlich sieht es bei den verschiedenen Umfrageinstituten aus. Am nächsten dran war da noch das Institut INSA mit einer Umfrage vom 22.9, bei der die Union auf 34 Prozent kam.

          Bei der AfD zeigte sich in den Wochen vor der Wahl ein umgekehrtes Bild. Der Orakel-Kurs der Rechtspopulisten stieg seit Ende August kontinuierlich an, wenngleich er stets deutlich volatiler war als der aller anderen Parteien. Noch am Samstag vor der Wahl sprang er kurzzeitig auf mehr als 15 Prozent, nur um dann wieder auf 13 Prozent zu fallen. Am Samstagabend stand er dann bei 13,6 Prozent.

          Damit haben die Händler das Potential der Rechtspopulisten zwar leicht überschätzt. Doch im Vergleich zu den Meinungsforschungsinstituten war nur die Prognose von infratest dimap (14.9., 12 Prozent) und INSA (22.9., 13 Prozent) leicht besser. Das Ergebnis von 12,6 Prozent ist ein deutlicher Erfolg für die AfD, die sich allerdings schon am Montag nach der Wahl mit internen Querelen befassen muss. So kündigte Parteichefin Frauke Petry an, sie werde nicht der AfD-Fraktion im Bundestag angehören. Spitzenkandidatin Alice Weidel forderte sie daraufhin zum Partei-Austritt auf. Ähnlich äußerste sich auch der Fraktionsvorsitzende aus Sachsen-Anhalt, Andre Poggenburg.

          Große Koalition kein Thema für die Händler

          Beim zweiten großen Sieger dieser Wahl ist von derlei Misstönen überhaupt nichts zu hören. War der Wiedereinzug in den Bundestag nach dem Debakel 2013 an sich keine Überraschung, ist das Ergebnis der FDP allerdings ein Ausrufezeichen. Eine starkes Abschneiden der Liberalen hatten die Händler indes schon erwartet (10,13 Prozent) - und mit Ausnahme einer Umfrage (Allensbach vom 22.9: 11 Prozent) waren sie so auch näher am tatsächlichen Ergebnis als alle übrigen Institute. Mit 10,7 Prozent der Stimmen könnte sich die Partei um Spitzenkandidat Christian Lindner nun auch bald in der Regierung wiederfinden.

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