https://www.faz.net/-gv6-a3n2f

Teure Konto-Überziehung : Fast 10 Prozent Zinsen für einen Dispo-Kredit

Die Zinsen für Dispo-Kredite sind auch in der Niedrigzinsphase hoch. Bild: dpa

Eine neue Studie, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt, zeigt: Das Überziehen des Kontos in Deutschland ist nicht nur richtig teuer - die Zahl der Bankkunden in den roten Zahlen ist aktuell auch relativ hoch.

          2 Min.

          Deutschlands Banken verlangen im Schnitt 9,79 Prozent für das Überziehen des Girokontos im vereinbarten Rahmen (Dispozins). Das geht aus einer Erhebung des Internetportals Check 24 hervor, die der F.A.Z. exklusiv vorliegt. Die Basis der Erhebung ist ungewöhnlich breit, es wurden 571 unterschiedliche Girokonten betrachtet, genutzt wurde der neue, vom TÜV Saarland zertifizierte Girokonten-Vergleich der Plattform. In der Spitze verlangten die betrachteten Banken 13,75 Prozent Dispozinsen, berichtet die Plattform, es gebe aber auch Banken mit 0 Prozent Dispozins.

          15 Prozent der Deutschen haben das Konto überzogen

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einer repräsentativen Umfrage hat sich die Plattform zudem mit der Frage beschäftigt, wie stark der Dispokredit aktuell genutzt wird. Demnach nutzen im Augenblick 15 Prozent der Deutschen ihren Dispositionskredit. Gut ein Drittel davon (34 Prozent) sei mit weniger als 500 Euro im Minus. Immerhin 25 Prozent derjenigen, die ihr Konto überzogen hätten, lägen mehr als 1500 Euro im Minus. In solchen Fällen könnten die Dispozinsen durchaus relevant sein, meinte Rainer Gerhard, Geschäftsführer Karten und Konten bei dem Internetportal. Einem Bankkunden, der sein Konto um 1500 Euro für zwölf Monate überzogen habe und dafür die durchschnittlichen Dispozinsen von 9,79 Prozent zahlten, entstünden schließlich jährliche Kosten von 147 Euro. Beim maximalen Zinssatz von 13,75 Euro seien es sogar 206 Euro.

          Kritik an hohen Zinssätzen

          Kritik übte zuletzt die Organisation „Finanzwende“ des früheren Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick an dem Wiederhochfahren der Dispozinsen nach der Krise. „Die kurzzeitige Senkung der Dispozinsen durch einige Banken und Sparkassen war wohl nur ein Marketing-Gag“, sagte Julian Merzbacher von „Finanzwende“. Die finanzielle Krise durch Corona sei für viele Haushalte längst nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Gerade für Millionen Menschen in Kurzarbeit, die bislang zum Teil von ihren Reserven zehren konnten, werde die Krise erst jetzt richtig schmerzhaft. „Vor allem überraschende Belastungen werden dann kurzfristig oft über den Dispokredit finanziert“, meinte Merzbacher.

          Eine Reihe von Banken und Sparkassen in Deutschland hatten wegen der Corona-Krise ihre Dispozinsen für Bestandskunden vorübergehend deutlich heruntergesetzt, sind mittlerweile aber wieder zu den Vorkrisenwerten zurückgekehrt, unter anderem die Frankfurter Sparkasse. Zum Teil bedeutet das für die Kunden ungefähr eine Verdopplung der Zinssätze. In manchen Fällen wird dabei die Grenze von 10 Prozent Dispozins wieder überschritten. Auf eine Verlängerung der Corona-Regelung haben die meisten Institute offenbar verzichtet, auch wenn die Corona-Krise sicherlich noch nicht vorbei ist. Einige der Institute haben die Zinsen schon Anfang Juli wieder hochgesetzt - andere im August.

          Banken, die ihre Dispozinsen in der Krise nicht herabgesetzt hatten, argumentierten zum Teil damit, so viel mache das für jeden einzelnen Kunden nicht aus, damit könnten die Krisenprobleme nicht gelöst werden. Zu richtigem politischen Streit um das Thema war es im Saarland gekommen. Oskar Lafontaine, Fraktionschef der Linken im saarländischen Landtag, hatte die saarländischen Sparkassen aufgefordert, dem lobenswerten Beispiel der Frankfurter Sparkasse zu folgen und die Saarländerinnen und Saarländer durch niedrigere Dispozinsen zu entlasten. Die Sparkassen des westlichen Bundeslandes reagierten aber eher kühl - sie verwiesen auf die bereits mit viel Einsatz umgesetzten Erleichterungen für Kunden mit Baukrediten.

          Es gab aber auch Ausnahmen beim Wiederhochfahren der Dispo-Zinsen: Die Taunus-Sparkasse in Bad Homburg hatte, in Abgrenzung zum Institut in nahen Frankfurt, erklärt, sie lasse ihre Dispo-Zinsen für Bestandskunden bis zum Jahresende auf dem herabgesetzten Corona-Niveau. Die Krise sei schließlich noch nicht vorbei. 

          Sehen Sie alle Dispo-Zinsen von mehr als 500 Banken hier.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.