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Aktienmarkt : Familienunternehmen bieten Vorteile für Anleger

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Börsennotierte Familienunternehmen schlugen sich nach der Finanzkrise und nach Corona besser als der breite Marktindex Stoxx Europe 600. Bild: dpa

Laut einer Studie der Fondsgesellschaft Conren schneiden von den Mitinhabern geführte Unternehmen besser an der Börse ab als Firmen unter Leitung wechselnder externer Manager.

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          Familienunternehmen werden oft mit einem langfristigeren Blick geführt als von wechselnden Managern geleitete Gesellschaften. Das kann sich auch für Anleger bezahlt machen. Denn zahlreiche Familienunternehmen sind börsennotiert und stehen daher auch Investoren offen. Die Fondsgesellschaft Conren, die im Jahr 2005 selbst als Vermögensverwaltung für eine Unternehmerfamilie gegründet wurde, hat daher untersucht, wie größere börsennotierte Familienunternehmen aus Europa durch die Corona-Krise gekommen sind.

          Die Studienautoren kommen dabei zu dem Schluss, dass sich die Aktienkurse von europäischen Familienunternehmen von April 2020 bis Juni 2021 deutlich besser entwickelt haben als der Aktienmarkt insgesamt. Dies gilt laut Conren auch für einen langfristigeren Vergleich: dem Zeitraum nach der Finanzmarktkrise bis zur Corona-Krise. also von März 2009 bis März 2020. Gegenstand der Studie waren 955 europäische Familienunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von je mehr als 200 Millionen Euro. Insgesamt brachten diese Unternehmen aus 34 Ländern Ende Juni einen Börsenwert von 5,1 Billionen Euro auf die Waage. Als Vergleichsmaßstab diente der breite europäische Börsenindex Stoxx Europe 600 mit einer Marktkapitalisierung von 13,3 Billionen Euro. Laut Conren-Definition zeichnen Familienunternehmen sich dadurch aus, dass sie von Besitzerfamilien, die etwa als Ankeraktionäre beteiligt sind, dauerhaft beeinflusst werden.

          Geduld zahlt sich aus

          Wie erklären sich die Fachleute die starke Kursentwicklung solcher Gesellschaften? Natürlich sind Familienunternehmen auch speziellen Risiken ausgesetzt, wie dem Generationenwechsel an der Spitze oder privaten Konflikten zwischen Verwandten. Doch sieht Conren von Inhabern geführte Unternehmen im Vorteil, weil sie nicht auf kurzfristige Quartalsergebnisse fixiert seien. So seien etwa in der Medizintechnik regelmäßig Investitionen nötig, die sich erst nach sieben, zehn oder sogar noch mehr Jahren amortisierten. Solche Zeiträume könnten die meisten auf Zeit angestellten Manager gar nicht abdecken. Auch Private-Equity-Investoren mit einer Haltedauer von rund sieben Jahren schafften das nicht.

          Wer in Familienunternehmen investiere, müsse diesen aber auch die nötige Zeit geben, um Probleme zu lösen und Chancen zu nutzen. Familienunternehmen treiben laut Conren Innovationen in kleinen, aber sehr zahlreichen Schritten voran, wodurch über die Zeit große Vorsprünge gegenüber Wettbewerbern entstehen können. Die Studie illustriert das am Beispiel eines Herstellers von Medizintechnikprodukten, der die Fertigung von Knieprothesen durch eine veränderte Montage der Gießvorrichtungen revolutionierte. Dadurch wurde der Bedarf an wertvollen Rohstoffen für die Fertigung fast halbiert.

          Die Studie begnügt sich nicht mit solchen Beispielen, sondern versucht auch, die Vorteile von familiengeführten Unternehmen zu quantifizieren, etwa anhand von Marktanteilen, Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie dem Wachstum von Umsätzen und Gewinnen.

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