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Fälschungen und Betrug : Wie kriminell ist der Kunstmarkt?

„Nu Couché au coussin Bleu“ (Liegender Akt auf blauem Kissen) heißt dieses Bild von Amedeo Modigliani (1884-1920), das im Zentrum eines Kunst-Skandals steht. Bild: mauritius images

Mit Kunst lässt sich viel Geld verdienen. Das zieht Betrüger an: Fälscher und Geldwäscher wittern gute Geschäfte. Die Maschen und Geschichten hinter den Straftaten sind vielfältig.

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          Alles beginnt mit einer Einladung zu einem feinen Abendessen in einer Privatwohnung. Es werden edle Weine gereicht und ganz nebenbei vermeintlich illustre Kunstwerke präsentiert. Von einer besonderen Gelegenheit wird dann gerne gesprochen, dem seltenen Glück, heute auch einmal einen außergewöhnlichen Künstler präsentieren zu können, zu einem vertretbaren Preis. Druck wird nur subtil ausgeübt: Selbstverständlich könnten sich die Anwesenden die Sache überlegen, aber so schnell komme die Gelegenheit eben nicht wieder. Nicht wenige werden dann schwach. Dabei sind es oft Fälschungen, die man auf solchen Veranstaltungen zu Gesicht bekommt. Sehr gute Fälschungen, inklusive ebenfalls gefälschter Belege über die Herkunft des Werkes.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Robert Ketterer, Chef des Kunstauktionshauses Ketterer in München, kennt viele solcher Geschichten. Einigen seiner Kunden sind sie schon passiert. Doch seitdem der Kunstmarkt von Rekord zu Rekord eilt (fast 64 Milliarden Dollar betrug der weltweite Umsatz mit Kunst 2017), hat Ketterer den Eindruck, dass die Zahl solch krimineller Aktivitäten zunimmt. „Überall dort, wo viel Geld umgesetzt wird, sind Betrüger nicht weit. Das gilt auch für den Kunstmarkt: Vor allem Fälschungen sind ein wachsendes Problem.“

          Der Trick mit dem „Dachbodenfund“

          Zwar gibt es keine belastbaren offiziellen Zahlen, aber viel deutet darauf hin, dass Ketterer recht hat. Dies zeigt auch der Titel eines lesenswerten Buches, das die britische Kunstmarktkennerin Georgina Adam unlängst veröffentlicht hat: „Dark Side of the Boom“ (Die dunkle Seite des Booms). Adam erzählt darin von Fälschern und Geldwäschern, von geheimnisvollen Lagerstätten für Kunst (den sogenannten „Zollfreilagern“) und von den verschlagenen Tricks mancher Kunstberater. Natürlich gilt es zu betonen, dass auch am Kunstmarkt die meisten Menschen ehrliche Ziele verfolgen. Doch besonders all jene, die die Kunst in Zeiten niedriger Zinsen gerade erst als eine neue Form der Geldanlage entdeckt haben, sollten auf der Hut sein. Je mehr Geld im Markt ist, umso gerissener werden die Betrüger.

          Wieso aber ist es so schwierig, Fälschungen zu erkennen? Auf der einen Seite natürlich, weil es viel Erfahrung braucht, um zu wissen, wie ein Künstler im Detail arbeitet und ob ein vermeintliches Werk womöglich eine untypische Abweichung aufweist. Auktionshäuser und große Galerien beschäftigen dafür eine Reihe von Fachleuten, denen so etwas normalerweise auffällt. Allerdings ist dies gerade bei der derzeit populären zeitgenössischen Kunst gar nicht so leicht: Anders als die Ölgemälde Alter Meister bestehen zeitgenössische Werke aus modernen Materialien, zu denen jeder Zugang hat.

          Zum anderen hat es auch viel mit der menschlichen Psychologie zu tun, dass wir uns bei Kunst leichtfertig täuschen lassen. Ein klassischer Fall ist der sogenannte „Dachbodenfund“, der häufig auf Plattformen wie Ebay zu sehen ist. Der Verkäufer erfindet in diesen Anzeigen meist eine kurze Geschichte, in etwa so: „Habe dieses Bild auf dem Dachboden meines Elternhauses entdeckt. Der Maler ist mir unbekannt.“

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