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Fado für Finanzinstitute : Portugals Banken kämpfen um ihre Unabhängigkeit

Bild: Bloomberg

Die Krise Portugals hat die Banken hart getroffen. Kredite an marode Staatsunternehmen sind ihre schwerste Bürde. Der Weg zur Gesundung des Landes und der Banken wird lang, ist aber nicht hoffnungslos.

          Der Fado gehört zu den Markenzeichen Portugals: eine tief in der Geschichte des Landes verankerte Musikrichtung, die Melancholie, Sehnsucht und Trauer verkörpert. Etwas Schwermut liegt denn auch in den Gesprächen, die man dieser Tage mit Vertretern des portugiesischen Bankbranche führen kann. Der am häufigsten zu hörende Satz lautet: "Trotz aller Schwierigkeiten ist Portugal nicht Griechenland." Diese Feststellung ist zutreffend. Denn während Griechenland eine drastische Umschuldung benötigt und auch danach noch für viele Jahre am Tropf der internationalen Gemeinschaft hängen dürfte, sind die Würfel in Lissabon noch nicht gefallen.

          Portugal hat im Frühjahr 2011 als drittes Land im Euroraum internationale Hilfen erhalten. 78 Milliarden Euro wurden dem Land von seinen europäischen Partnern und dem Internationalen Währungsfonds zur Verfügung gestellt; davon 12 Milliarden für die portugiesischen Banken. Ob dieses Paket reicht und ob damit eine Umschuldung vermieden werden kann, ist derzeit noch unklar. Die erst seit Juni 2011 im Amt befindliche Regierung unter Premierminister Pedro Passos Coelho zeigt sich entschlossen, alle Auflagen der Geldgeber zu erfüllen. Doch trotz einiger guter Nachrichten aus der Industrie und der Exportwirtschaft befindet sich das Land in einer Rezession, und besonders der öffentliche Dienst und die Staatsunternehmen benötigen grundlegende Reformen, die Zeit brauchen werden.

          In diesem Umfeld kann es den Banken nicht gutgehen

          In diesem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld kann es den portugiesischen Banken nicht gutgehen. Die Branche wird dominiert von fünf führenden Instituten: der in Staatsbesitz befindlichen Sparkassenorganisation, der im Besitz der spanischen Großbank Santander befindlichen Banco Santander Totta sowie den drei an der Börse notierten portugiesischen Häusern Banco Espirito Santo (BES), Banco Comercial Português (BCP) und Banco Português di Investimento (BPI). Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Banken.

          Die Aktienkurse und Börsenwerte der Banken fallen seit geraumer Zeit. Die Banco Espirito Santo kommt nur noch auf einen Börsenwert von 1,7 Milliarden Euro. Der Banco Comercial Português weist noch 1,1 Milliarden Euro aus und der Banco Português di Investimento 540 Millionen Euro. Bisher weigern sich die privaten Banken, die von den internationalen Hilfsgeldern für sie vorgesehenen 12 Milliarden Euro abzurufen, aber ihr Widerstand ist möglicherweise nur noch vorübergehend. Für den Fall der Fälle hat Premierminister Coelho bereits angekündigt, die Regierung habe nicht vor, sich in die Geschäfte der Banken einzumischen.

          Ohne Abschreibungspflicht keine Staatshilfe nötig

          Eine aktuelle Analyse der japanischen Investmentbank Nomura zeigt einen zusätzlichen Eigenkapitalbedarf von 1,5 Milliarden Euro für den BCP und von 1,3 Milliarden Euro für den BPI, wenn die Banken ihre Bestände an Staatsanleihen aus der Peripherie auf ihre Marktwerte abschreiben und eine Eigenkapitalquote von 9 Prozent realisieren wollen. Müssten die Bestände an Staatsanleihen nicht auf die Marktwerte abgeschrieben werden, benötigten die großen Banken auf absehbare Zeit keine Staatshilfen. Der BPI hat am Donnerstag angekündigt, er wolle alle Möglichkeiten einer Kapitalerhöhung prüfen. Der Banco Espirito Santo benötigt 1,5 Milliarden Euro.

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