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Digitale Währungen : Die Idee hinter Libra ist wichtig für Deutschland

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration: Torsten Wolber

Facebook plant eine weltumspannende digitale Währung. Ob sie kommt oder nicht, steht noch nicht fest. Gleichwohl müssen wir uns damit befassen, denn hinter der Technologie steckt viel mehr.

          8 Min.

          Die Ankündigung von Facebook, eine eigene Kryptowährung mit dem Namen Libra zu entwickeln, hat in den letzten Monaten für Aufsehen weit über die Blockchain-Szene hinaus gesorgt – sogar Notenbanken und Regulierungsbehörden beschäftigen sich damit. Zu Recht. Zwar haben sich aus dem ursprünglichen Libra-Konsortium zwischenzeitlich wichtige Teilnehmer verabschiedet, wodurch die Zukunft dieser Initiative durchaus offen ist. Gleichwohl lohnt es, dies genau zu beobachten, da sich auch im Falle eines Misserfolges Lehren für die Zukunft von Kryptowährungen, der Blockchain und – noch allgemeiner – der sogenannten Distributed Ledger Technologie (DLT) ziehen lassen werden.

          Wesentliche Komponenten der Libra-Initiative sind einerseits die Libra-Stiftung als Organisation zum Betrieb der Libra-Blockchain und dem damit verwalteten Libra-Token, welches wiederum die vieldiskutierte Kryptowährung realisieren soll. Obwohl Libra immer mit Facebook assoziiert wird, steckt dahinter eine Allianz von Zahlungsdienstleistern, Technologie- und Kommunikationsunternehmen, Blockchain-Experten, Risikokapitalgebern und gemeinnützigen Organisationen.

          Diese Liste gibt schon Hinweise auf die geplanten Anwendungsbereiche. Die Zahlungs-Dienstleister sehen in Libra eine neue Technologie, um Finanztransaktionen abzuwickeln. Für Technologieanbieter wie Spotify und Uber oder Telekommunikationsdienstleister wie Vodafone bietet Libra Möglichkeiten für neue Dienstleistungen und deren digitale Abrechnung. Die Finanzierung der Technologie-Entwicklung durch die Blockchain-Experten erfolgt durch die Risikokapitalgeber. Und die gemeinnützigen Organisationen können das Ziel verfolgen, mit Libra eine Plattform für günstige Spenden- und Geldtransaktionen in Entwicklungsländern aufzubauen.

          Weniger Energieverbrauch

          Die Tatsache, dass Libra von einer Association betrieben wird, zeigt den ersten großen Unterschied zu bekannten Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum, die als offene Netzwerke betrieben werden, an denen sich jeder beteiligen kann. Libra hingegen wird als zugangsbeschränktes Netzwerk von den Mitgliedern der Libra-Association betrieben.

          Dies hat wichtige Gründe: In einem kontrollierten Netzwerk können andere Konsensverfahren zur Akzeptanz von Transaktionen und Sicherung der Datenintegrität genutzt werden als in einem öffentlichen. Die öffentlichen Netzwerke setzen auf das sogenannte Proof-of-Work-Verfahren, das die bekannten Nachteile hinsichtlich der erforderlichen Rechnerleistung und entsprechend auch des Energiebedarfs mit sich bringt. In einem geschlossenen Netzwerk können alternative Verfahren verwendet werden, die Rechner in der Leistungsklasse eines normalen Webservers erfordern. Damit reduziert sich der Energieverbrauch. Zugleich kann ein solches Netzwerk wesentlich mehr Transaktionen schneller verarbeiten.

          Obwohl solche Konsortial-Netzwerke aufgrund der fehlenden Offenheit und der damit verbundenen Verlagerung des Vertrauens in die Fälschungssicherheit von den Algorithmen auf die Netzwerkteilnehmer oft kritisiert werden, findet das Konzept bislang in vielen Blockchain-Entwicklungen Anwendung, die nicht auf Kryptowährungen fokussieren. Ziel von Libra ist es, das Netzwerk nach fünf Jahren zu öffnen in der Hoffnung, dass bis dahin Verfahren entwickelt wurden, die einen skalierbaren und ressourcenschonenden Betrieb auch in offenen Netzwerken garantieren.

          Anders als Bitcoin und Ethereum

          Ein weiteres wichtiges Merkmal von Libra ist die Möglichkeit, mit Hilfe von sogenannten „Smart Contracts“ individuelle Transaktionslogiken zu implementieren, also eigene automatisierte Finanztransaktionen, die an bestimmte Regeln gebunden sind. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige oder an Ereignisse gebundene Transaktionen, mit denen sich Pay-per-Use- oder Sharing-Geschäftsprozesse automatisieren lassen.

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