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Digitale Währungen : Die Idee hinter Libra ist wichtig für Deutschland

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Damit unterscheidet sich Libra von Bitcoin und wird vergleichbar mit Ethereum. Die von Libra konzipierte Programmiersprache Move, mittels derer die Smart Contracts genannten Programme entwickelt werden können, ist jedoch einfacher und restriktiver als die in Ethereum verwendete Sprache Solidity – und hat damit den Anspruch, auch sicherer zu sein.

Libra als Kryptowährung ist jedoch sowohl für eine breite Öffentlichkeit als auch für Diensteanbieter nur interessant, wenn sie stabil ist, das bedeutet, wenn der Wechselkurs zwischen der Kryptowährung und der von den Anwendern genutzten herkömmlichen Währungen stabil ist. Denn nur dann ist sichergestellt, dass auch bei kurzfristigen Transaktionen keine Wechselkursrisiken bestehen. Die häufigen Kurssprünge des Bitcoin um stellenweise zweistellige Prozentsätze sind zwar interessant für Spekulanten, sie machen den Bitcoin indes riskant für normale Finanztransaktionen.

Gleiches gilt für Dienstanbieter, die Smart Contracts in Ethereum nutzen, denn: Die Ausführung dieser Smart Contracts muss in Ether bezahlt werden, und da auch dieser Kurs stark schwanken kann, ist die Kalkulation von Gebühren für eine Dienstleistung schwierig. Libra will Stabilität dadurch garantieren, dass der Wert der Libra-Tokens über Bankeinlagen und kurzfristige Staatsanleihen in Währungen abgesichert wird, hinter denen angesehene Zentralbanken stehen. Das generelle Konzept eines solchen Stablecoins erproben Banken in anderen Netzwerken schon.

Schnelle Transaktion zwischen Entwicklungsländern

Diese Betrachtung der konzeptionellen und technischen Grundlagen von Libra zeigt, dass hier der Versuch unternommen wird, aus den Erfahrungen mit der Blockchain-Technologie zu lernen, um eine Basis für ein dezentral organisiertes Ökosystem zu schaffen, das von einer Vielzahl von Dienste-Anbietern und einer breiten Öffentlichkeit genutzt werden kann. Die technische Basis von Libra ist damit auch weniger eine klassische Blockchain, sondern lässt sich mit dem allgemeineren Begriff Distributed Ledger Technologie (DLT) besser klassifizieren. Die Gruppe der Distributed-Ledger-Systeme ist umfassender, da sie alle Systeme beschreibt, die Transaktionen nicht in einem zentralen, sondern in mehreren dezentral verwalteten Kontenbüchern verwalten.

Blockchain-Systeme sind dementsprechend eine Spezialform von DLT, die zur Verwaltung der Transaktionen verkettete Blöcke nutzen, während andere DLT-Lösungen dazu Tabellen oder, wie etwa IOTA, Graphen nutzen. Lässt man einmal die Bedenken der Regulatoren hinsichtlich einer von kommerziellen Organisationen geschaffenen und damit nicht staatlich kontrollierten Währung sowie die Bedenken gegenüber der Glaubwürdigkeit von Facebook als wesentlichem Treiber der Initiative außer Betracht, so bietet das Konzept einiges an Potential, das im Folgenden diskutiert wird.

Die Libra Association sieht eine wichtige Anwendung von Libra in schnellen und kostengünstigen Geldtransaktionen innerhalb, zwischen und zu Entwicklungsländern. Hier hat Libra sicher das Potential, die oft hohen Transaktionsgebühren für internationale Überweisungen zu unterbieten, damit neue Märkte zu öffnen und gleichzeitig neue Nutzer in den Bevölkerungsschichten zu finden, denen keine klassischen Bankkonten zur Verfügung stehen. Voraussetzung ist natürlich, dass auch diese Nutzer in der Lage sind, Libra in lokale Währungen kostengünstig zu tauschen, da sich ansonsten Libra schnell von einer Kryptowährung für den internationalen Geldtransfer zu einer Zweitwährung speziell in Ländern mit schwachen Währungen entwickelte.

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