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Facebook-Kommentar : Totgesagte leben länger

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Nach Bekanntwerden des Daten-Skandals bei Facebook fiel der Aktienkurs des amerikanischen Konzerns zunächst – um sich dann wieder zu erholen. Bild: dpa

Nach der Daten-Affäre bei Facebook stimmte manch einer schon den Abgesang des sozialen Netzwerkes an – und die Aktionäre bangten um ihr Geld. Doch es muss kein Schaden sein, einen Skandal auszustehen.

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          Was war das für ein Skandal neulich im März! Facebook hatte zugelassen, dass die Analysefirma Cambridge Analytica Millionen Nutzerdaten abgreifen konnte, und alle zeigten sich empört. Promis verabschiedeten sich mit viel Bohei aus dem Netzwerk und forderten alle auf, es gleichzutun; Firmen stornierten Werbekampagnen; Firmengründer Mark Zuckerberg musste Buße tun und sich vor dem amerikanischen Kongress peinliche Fragen gefallen lassen. Der Aktienkurs brach ein. Von diesem Skandal werde sich Facebook schwerlich erholen, behaupteten die Auguren, das Ende des Netzwerks war angeblich nah. Nun, keine zwei Monate später, hat sich der Pulverdampf verzogen, und siehe da: Facebook steht glänzend da.

          Die jüngsten Quartalszahlen waren bestechend, der Gewinn stieg um 63 Prozent auf fünf Milliarden Dollar, die Zahl der Nutzer wuchs um 13 Prozent auf 2,2 Milliarden. Zwar wurde der Datenskandal erst gegen Ende des ersten Quartals bekannt, so dass negative Auswirkungen sich womöglich erst in den nächsten Bilanzen niederschlagen.

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          Doch von einem Einschnitt ist kaum auszugehen. Auf Facebook will niemand verzichten: weder die Nutzer, die im Zweifel lieber freimütig ihre Daten hergeben, als sich im Netz zu isolieren, noch die Unternehmen, für die Facebook eine begehrte Werbeplattform bleibt.

          Skandale ohne Auswirkung

          Alle diejenigen, die Facebooks Macht für schier unverbrüchlich halten und den Kurseinbruch nach dem Datenskandal dazu genutzt haben, Aktien zu kaufen, dürfen sich nun die Hände reiben: Der Aktienkurs hat seither 23 Prozent gewonnen, liegt über dem Niveau vor dem Absturz und ist nur noch vier Prozent vom Rekordhoch entfernt.

          Wundern muss sich darüber keiner: Dass ein Skandal – selbst wenn er mehr schlecht als recht aufgearbeitet wird – nicht nachhaltig übelgenommen wird, hat kurz zuvor auch das Beispiel VW gezeigt. Abgasmanipulation und deutsch-amerikanische Empörung hin oder her: Die Autos bleiben in der Welt heiß begehrt, und die VW-Aktie hat längst das Niveau vor dem Skandal wieder erreicht. Totgesagte leben eben länger, wenn ihr Produkt als unverzichtbar angesehen wird.

          Aufgeräumt werden muss auch mit der Behauptung, dass Skandale Milliarden Euro vernichten. Nein, nicht Geld ist futsch. Nur wenn Anleger ihre Aktien verkaufen, hat dies reale Auswirkungen auf ihr Vermögen. Es muss kein Schaden sein, einen Skandal auszustehen.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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