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Angst vor Fernost : Facebook schwingt die China-Keule

Facebook größte Wettbewerber kommen aus China: Hier zeigt der Konzern sein Gesicht auf der Internationalen Import Expo in Shanghai im November 2018. Bild: Reuters

Immer mehr Rufe nach einer Zerschlagung bringen das soziale Netzwerk in die Defensive. Nun kontert das Unternehmen mit einem Argument, das in der amerikanischen Politik auf fruchtbaren Boden fallen könnte.

          Als Chris Hughes, einer der Mitgründer von Facebook, vor gut einer Woche in einem mehrseitigen Gastbeitrag für die „New York Times“ eine Zerschlagung des sozialen Netzwerks forderte, schlug das ein wie eine Bombe. Hughes war zwar nicht der erste, der auf diese Idee kam, vor ein paar Monaten hatte die amerikanische Senatorin Elizabeth Warren schon den gleichen Vorschlag gemacht. Aber als Insider, der von Anfang an bei Facebook dabei war, wurde seinen Worten besondere Bedeutung zugemessen, auch wenn er schon seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr im Unternehmen ist. Facebook schien jedenfalls alarmiert und konterte mit einem eigenen Gastbeitrag in der Zeitung, in dem die Forderung von Mitgründer Hughes zurückgewiesen wurde.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In seinen Versuchen, Kritikern eine Zerschlagung auszureden, lenkt das soziale Netzwerk nun immer mehr den Blick auf China – und wählt damit eine Strategie, die im gegenwärtigen politischen Umfeld in Washington, in dem es viel Argwohn gegenüber chinesischen Unternehmen wie Huawei gibt, auf fruchtbaren Boden fallen könnte. Diese Argumentation klang schon in der unmittelbaren Antwort auf den Beitrag von Hughes an, die von Kommunikationschef Nick Clegg verfasst wurde.

          Clegg, der einmal stellvertretender britischer Premierminister war und im vergangenen Jahr von Facebook rekrutiert wurde, nannte eine Reihe von Wettbewerbern, um zu unterstreichen, dass Facebook anders als von Hughes behauptet kein Monopol sei. Dabei führte er auch chinesische Unternehmen wie Tencent und Sina an. Er nannte Tik Tok, eine auch außerhalb ihrer chinesischen Heimat immer beliebtere Smartphone-App, einen „aufstrebenden Wettbewerber“. Und er sagte, gerade Chinesen müsse es „pervers“ vorkommen, wenn Amerikaner über das Zerlegen eines ihrer größten „Global Player“ sprechen.

          Sorge um Macht chinesischer Technologieunternehmen

          Geschäftsführerin Sheryl Sandberg wurde jetzt noch etwas deutlicher. In einem Interview mit dem Fernsehsender „CNBC“ erzählte sie von ihrem jüngsten Besuch in Washington, bei dem sie mit Vertretern sowohl der Republikanischen als auch der Demokratischen Partei gesprochen habe: „In diesen Treffen habe ich von beiden Seiten gehört, dass die Menschen zwar die Größe und die Macht von Technologieunternehmen bedenklich finden, dass es aber in den Vereinigten Staaten auch Sorgen über die Größe und die Macht chinesischer Technologieunternehmen gibt. Und die Erkenntnis, dass diese Unternehmen nicht zerschlagen werden.“ Sandbergs Botschaft: Wäre es nicht ein Irrsinn, wenn Amerikaner ihre eigenen Unternehmen schwächen, während chinesische Wettbewerber immer stärker werden?

          Dieser Gedankengang ist auch Chris Hughes nicht fremd, er hat ihn sogar in seinem Beitrag angesprochen. Und er weist die Bedenken, dass China von einer Zerschlagung amerikanischer Unternehmen profitieren könnte, auch nicht völlig von der Hand. Er findet aber, das ändere nichts am Handlungsbedarf. Selbst nach einer Zerschlagung wäre Facebook noch immer ein hochprofitables Unternehmen, das Milliarden investieren könne, und wenn es mehr Wettbewerb im Markt gäbe, wäre dies sogar ein Anreiz für solche Investitionen.

          EU sieht Zerschlagung als „letztes Mittel“

          Hughes hat seinen früheren Arbeitgeber in seinem Beitrag ein „mächtiges Monopol“ genannt und gesagt, die Macht seines Mitgründers Mark Zuckerberg, der bis heute Vorstands- und Verwaltungsratsvorsitzender ist und außerdem eine Mehrheit der Stimmrechte kontrolliert, sei „beispiellos und unamerikanisch“. Seine konkrete Forderung an die amerikanischen Kartellbehörden besteht darin, im Nachhinein die Übernahme des Kurzmitteilungsdienstes Whatsapp und der Fotoplattform Instagram zu untersagen und deren Abspaltung zu erzwingen. Facebook solle außerdem ein mehrjähriges Akquisitionsverbot auferlegt werden.

          Auch die Senatorin Elizabeth Warren, die sich um die Kandidatur der Demokraten bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr bewirbt, hat gefordert, die Zukäufe von Whatsapp und Instagram rückgängig zu machen. Sie zielte aber nicht nur auf Facebook ab, sondern fordert auch eine Zerschlagung anderer großer Technologiekonzerne wie Google, Amazon oder Apple.

          Verglichen mit solchen Forderungen geben sich die Regulierer in Europa, die in den vergangenen Jahren viel strenger mit amerikanischen Technologiekonzernen umgegangen sind als die Behörden in den Vereinigten Staaten, derzeit deutlich weniger aggressiv. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte am Freitag auf einer Konferenz in Paris, sie sehe eine Zerschlagung von Facebook als das „letzte Mittel“.

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