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Datenskandal : Facebook-Aktie setzt Talfahrt fort

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Facebook hatte in der Spitze schon mehr als 100 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Bild: dpa

Nachdem die amerikanische Verbraucherschutzbehörde angekündigt hatte, Facebooks Datenschutzregeln zu überprüfen, herrschte an der Börse Ausverkaufsstimmung.

          Der Datenskandal könnte Facebook teuer zu stehen kommen. Die amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC erhöhte an diesem Montag den Druck auf den Internetkonzern wegen des mutmaßlich zu laxen Umgangs mit persönlichen Informationen der mehr als zwei Milliarden Nutzer auf der Welt. So kündigte der geschäftsführende FTC-Direktor Tom Pahl eine Überprüfung der Facebook-Datenschutzregeln an. Im schlimmsten Fall droht eine Milliardenstrafe. Auch in Deutschland wird der Konzern in die Zange genommen: Bundesjustizministerin Katarina Barley erklärte nach einem Treffen mit Facebook-Vertretern in Berlin, das Unternehmen werde diejenigen Nutzer informieren, deren Daten missbraucht wurden.

          Vor allem die Ankündigung der FTC sorgte an der Börse für einen regelrechten Ausverkauf der Facebook-Aktie: Sie stürzte zeitweise um 6,5 Prozent auf knapp 150 Dollar ab und notierte damit so niedrig wie zuletzt Anfang Juli 2017. Schon in der vergangenen Woche hatte der amerikanische Konzern rund 75 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt – jetzt waren es in der Spitze schon mehr als 100 Milliarden. Werbekunden sind massiv verunsichert, das wiederum verschreckt die Anleger.

          Vor gut einer Woche war bekannt geworden, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica persönliche Daten von 50 Millionen Facebook-Mitgliedern mutmaßlich auf unlautere Weise einsetzte, um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Wahlkampf zu unterstützen. Sollte die FTC Facebook für schuldig befinden, hier nachlässig gehandelt zu haben, kann sie hohe Strafen aussprechen, die sich auf Tausende Dollar am Tag belaufen können.

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          In aller Welt fordern Facebook-Mitglieder und Politiker schon Konsequenzen – etwa eine stärkere Regulierung der Internet-Giganten. Mit Apple und IBM schlugen sich nun auch zwei der weltgrößten Tech-Konzerne auf die Seite der Kritiker. Die Vorstandsvorsitzenden beider Unternehmen sprachen sich für strengere Vorschriften im Umgang mit persönlichen Daten aus. Eine kluge Regulierung sei erforderlich, sagte Apple-Chef Tim Cook auf einer dreitägigen Konferenz in Peking. „Mir ist klar, dass ein tiefgreifender Wandel nötig ist.“ IBM-Chefin Virgina Rometty rief dazu auf, Nutzern von sozialen Netzwerken mehr Entscheidungsgewalt darüber zu geben, wie ihre Daten eingesetzt werden können. Die Informationen gehörten demjenigen, von dem sie stammten – und derjenige müsse die Chance haben, einer Nutzung zu widersprechen.

          Die von Facebook gefahrene Charmeoffensive scheint nötig: Die amerikanischen Bürger sehen einer Umfrage zufolge ihre persönlichen Daten bei dem sozialen Netwerk schlechter aufgehoben als bei anderen Internet-Unternehmen. Nur 41 Prozent der Befragten zeigten sich nach einer Reuters/Ipsos-Studie überzeugt, dass der Konzern die amerikanischen Datenschutzvorschriften einhält. Dagegen waren dies bei Amazon 66 Prozent, bei Google 62 Prozent und 60 Prozent bei Microsoft.

          Zudem muss Facebook um weitere Werbekunden fürchten. Nach dem Firefox-Anbieter Mozilla und der Commerzbank kündigte nun auch der amerikanische Reifenhersteller Pep Boys an, über Facebook keine Anzeigen mehr zu schalten. Daran werde so lange festgehalten, bis der Konzern Korrekturmaßnahmen vorgenommen habe.

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