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Turbulenzen am Markt : EZB-Spitze kommt zu Notfallsitzung zusammen

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EZB-Doppelturm in Frankfurt Bild: dpa

Die Verkaufswelle an den Anleihemärkten beunruhigt die Notenbanker. Vor allem der Risikoaufschlag Italiens bereitet ihnen Sorgen.

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          Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) halten an diesem Mittwoch eine außerordentliche Ratssitzung ab, um die Folgen der jüngsten Verkaufswelle am Anleihenmarkt zu erörtern. „Der EZB-Rat wird am Mittwoch eine Ad-hoc-Sitzung abhalten, um die aktuellen Marktbedingungen zu diskutieren“, sagte ein Sprecher der Euro-Notenbank am Mittwoch. Laut mehreren Insidern ist die Sitzung für 11.00 Uhr anberaumt. Es sei aber noch nicht klar, ob eine Mitteilung veröffentlicht werden soll.

          Einige Ratsmitglieder, die an diesem Mittwoch eigentlich auf einer Veranstaltung in Mailand erwartet wurden, hätten wegen der Ratssitzung ihre Reise dorthin abgesagt. Im Zuge der Nachricht legte der Euro um 0,7 Prozent auf 1,049 Dollar zu. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen fiel im Gegenzug um fast 30 Basispunkte auf 3,874 Prozent. Der Dax legte um bis zu 1,3 Prozent auf 13.481 Punkte zu. Die Verkaufswelle an den Aktien- und Anleihemärkten an den Vortagen wurde auch durch die geldpolitische Sitzung der amerikanischen Notenbank Fed ausgelöst, die an diesem Mittwochabend ihre Zinsentscheidung bekannt geben wird.

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          Angesichts der hohen Inflation von 8,6 Prozent im Mai rechnen Volkswirte nun sogar mit einem Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten, nachdem sie zuvor von einem halben Prozentpunkt ausgegangen waren. Nachdem die EZB am Donnerstag eine Reihe von Zinserhöhungen angekündigt hatte, sind die Anleiherenditen stark gestiegen. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe hatte in dieser Woche erstmals seit dem Jahr 2014 die Marke von 4 Prozent überschritten. Der Renditeabstand (Spread) zwischen den Staatsanleihen Deutschlands und Italiens war mit bis zu 2,4 Prozentpunkten auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren gestiegen.

          Die Reaktion der EZB auf eine Panik an den Anleihemärkten wird von den Umständen abhängen, mit denen sie zu tun hat, sagte Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel am Dienstagabend in Paris. „Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir uns flexibel und schnell an die jeweiligen Umstände anpassen können.“ Ein erstes Gegenmittel, um die Renditeabstände einzudämmen, ist der deutschen EZB-Direktorin zufolge die flexible Wiederanlage der Gelder aus abgelaufenen Anleihen im Rahmen des billionenschweren Bond-Kaufprogramms PEPP. 

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          Dank vorhandener Absicherungen sei das Risiko der so genannten Fragmentierung – also eines „ungerechtfertigten“ Anstiegs der Anleiherenditen der höher verschuldeten Mitglieder des Euroraums – heute weniger wahrscheinlich als noch vor einigen Jahren, sagte Schnabel, die in der EZB für die Märkte zuständig ist. „Wir rechnen mit einem starken verbalen Bekenntnis der EZB, dass sie eine Fragmentierung innerhalb der Rentenmärkte nicht tolerieren werde“, sagte Ulrike Karstens, Volkswirtin der DWS, der Kapitalanlagegesellschaft der Deutschen Bank. Ausdrücklich dürfte die EZB ihren Worten zufolge als eine erste Verteidigungslinie die stärkere konkrete Flexibilisierung der Reinvestitionen in den Mittelpunkt stellen. Dies könnte zu einer Beruhigung des Marktes beitragen.

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